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Finale im Streit um Wagners Klavier

Finale im Streit um Wagners Klavier

Es sollte ein Prunkstück der großen Ausstellung zum 200. Geburtstag Richard Wagners in diesem Jahr sein: Das Tafelklavier, auf dem der Komponist Teile seiner Meisterwerke schuf.

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Das Corpus Delicti: Wagners Klavier.

Quelle: Andreas Harbach

Doch um das wertvolle Instrument tobt seit zwei Jahren ein zäher Rechtsstreit. Am 19. März geht es am Oberlandesgericht (OLG) in Dresden um die Frage, ob Wagners Klavier überhaupt jemals wieder in dessen Geburtsstadt zurückkehrt.

Das Verfahren mit dem Aktenzeichen 11 U 1896/12 gilt als entscheidend für die Frage, wem Wagners Klavier eigentlich gehört. Iris Wagner, die Urenkelin des Komponisten, wollte per Klage feststellen lassen, dass das Tafelklavier sich nach wie vor im Eigentum der Nacherbengemeinschaft von Wagners Sohn Siegfried befinde, erklärt Kai Deusing, Vizepräsident des Leipziger Landgerichts. Die Nachfahrin des Komponisten hatte deshalb sowohl die Stadt Leipzig als auch die Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth verklagt, die ebenfalls Anspruch auf das Instrument erheben. Das Klavier sei 1943 von Winifred Wagner, der Schwiegertochter des Komponisten, zur Reparatur nach Leipzig gebracht worden. In den Kriegswirren blieb es hier. Die Angelegenheit sei wegen Aussichtslosigkeit, Privatbesitz zurückzubekommen, von der Familie nicht mehr verfolgt worden. Fortan befand sich das Klavier im Depot des Leipziger Musikinstrumente-Museums.

Mit Urteil vom 22. Oktober 2012 wies das Landgericht die Feststellungsklage der Wagner-Urenkelin ab. Die Stadt habe nach Ansicht des Gerichts das Eigentum zumindest durch so genannte Ersitzung erworben, sagt Deusing, da sie beim Erwerb des Eigenbesitzes im guten Glauben gewesen sei und das Tafelklavier auch zehn Jahre im Eigenbesitz gehabt habe. Doch Iris Wagner gab sich nicht geschlagen, legte gegen das Urteil Berufung beim OLG ein. Zur Verhandlung am 19. März sei noch nicht mit einem Urteil zu rechnen, so eine OLG-Sprecherin. "Aber wir gehen davon aus, dass dort schon klar wird, in welche Richtung es geht", sagt Hans-Georg Fieseler, Justi-ziar beim Kulturdezernat der Stadt.

Immerhin ist der Ausgang dieses Verfahrens auch maßgeblich für den Rechtsstreit, den Leipzig mit der Stiftung in Bayreuth, Träger des Richard-Wagner-Museums, führt. Hintergrund: 1998 stellte Leipzig das Tafelklavier dem Museum für zehn Jahre als Leihgabe zur Verfügung. Doch als die Frist abgelaufen war, verweigerte Bayreuth die Rückgabe. "Das Richard-Wagner-Museum bestritt das Eigentum der Stadt Leipzig", so Deusing. "Derzeitige Eigentümer seien diein der Nacherbengemeinschaft verbundenen Abkömmlinge und Nachkommen von Siegfried und Winifred Wagner."

Nachdem sämtliche Bemühungen um eine außergerichtliche Einigung gescheitert waren, klagte die Stadt und bekam Recht: "Mit Urteil vom 20. Juni 2011 verurteilte das Landgericht Leipzig die Richard-Wagner-Stiftung auf Herausgabe des Tafelklaviers an die Stadt mit der Begründung, dass sich der Herausgabeanspruch aus dem Leihvertrag ergebe", erklärt Vizepräsident Deusing. Das Museum könne dem nicht entgegenhalten, dass die Erben Eigentümer seien.Doch auch gegen dieses Urteil wurde Berufung beim Oberlandesgericht eingelegt (14 U 1071/11). Am 9. Dezember 2011 beschloss das Oberlandesgericht, das Verfahren auszusetzen, bis im Hauptverfahren der Wagner-Urenkelin eine rechtskräftige Entscheidung gefallen ist.

Die Stadt Leipzig hofft nun eine bal-dige und vor allem unumstößliche Entscheidung der Richter. "Wir brauchen endlich Rechtsklarheit", fordert Justiziar Fieseler. Der Konflikt um Wagners Tafelklavier sei "nicht der Normalfall, sondern atypisch". Die Stadt habe sich "extrem schwer getan", deshalb vor Gericht zu ziehen. Doch alle Versuche um eine einvernehmliche Lösung seien erfolglos gewesen. Für den Experten des Kulturdezernates ist klar: "Die Entscheidung des Oberlandesgerichts wird auch für den zukünftigen Museumsbetrieb von Tragweite sein."

Die große Wagner-Exposition im Jubiläumsjahr muss allerdings nun doch ohne das Kompositionsinstrument auskommen, an dem der Meister etwa den "Ring des Nibelungen" vollendete und sein letztes Werk "Parsifal" begann. Hans-Georg Fieseler: "Die Ausstellung sieht das Klavier nicht vor." Und inBayreuth? Dort bleibt das Richard-Wagner-Museum wegen der umfassenden Sanierung und Neugestaltung des Hau-ses bis zu seiner voraussichtlichenWiedereröffnung im Sommer 2014 geschlossen. Frank Döring

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.03.2013

Frank Döring

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