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Firma Juniko hilft Eltern, einen Kitaplatz zu bekommen

Leipziger Startups Firma Juniko hilft Eltern, einen Kitaplatz zu bekommen

Am Anfang steht immer eine visionäre Idee. Bis sie zur Marktreife entwickelt ist, braucht es einen langen Atem, durchgearbeitete Nächte und die ständige Suche nach Finanzierungsquellen. Die LVZ stellt Gründer vor, die mit ihrem Startup auf dem Weg zum „richtigen“ Unternehmen sind. In dieser Folge: die Firma Juniko, die Eltern hilft, ihren Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz durchzusetzen.

Büroarbeit im Dienste der Kinder: Die vier Juniko-Geschäftsführer legen sich ins Zeug, damit Eltern für ihre Knirpse einen Betreuungsplatz erhalten.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Am Anfang steht immer eine visionäre Idee. Bis sie zur Marktreife entwickelt ist, braucht es einen langen Atem, durchgearbeitete Nächte und die ständige Suche nach Finanzierungsquellen. Die LVZ stellt Gründer vor, die mit ihrem Startup auf dem Weg zum „richtigen“ Unternehmen sind. In dieser Folge: die Firma Juniko, die Eltern hilft, ihren Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz durchzusetzen.

Die Taschentuchbox im Büro wird gar nicht so selten gebraucht. „Manche Eltern brechen hier zusammen. Sie sind verzweifelt, zweifeln an sich. Die Existenzangst ist ihnen anzumerken“, erzählt Mandy Rost (38). Diese Eltern haben nicht weniger hinter sich als die vergebliche Suche nach einem Kitaplatz. Sie müssen wieder arbeiten und wollen dem Nachwuchs den Umgang mit Gleichaltrigen ermöglichen.

Genauso erging es Mandy Rost, als sie für ihre jetzt vierjährige Tochter eine Betreuung brauchte. Die Alleinerziehende fand nach monatelangem Kampf einen privaten Platz. Als die Kleine in den Kindergarten kommen sollte, ging das Drama von vorn los. „Der dritte Geburtstag stand vor der Tür, da habe ich mir gesagt: Okay, jetzt setze ich meinen Rechtsanspruch durch!“ Die damalige Personalreferentin im Diakonissenkrankenhaus reichte im Januar 2014 die Klage ein – prompt kam im Februar die Zusage.

Der eigene Leidensdruck von Mandy Rost und das juristische Know-how ihres ehemaligen Lebensgefährten Ralf Ludwig (43) kamen zusammen: Daraus entstand im August 2013 die Firma Juniko. Der Name war eine spontane Idee auf dem Sofa: „Sowohl Kinder als auch unsere Dienstleistung sind einzigartig, unique. Daher Juniko“, erklärt die Gründerin.

Bisher haben sich 1200 Eltern auf dem Webportal angemeldet. Sie zahlen eine Anmeldegebühr von 19,95 Euro (sozial Schwache nur 4,95 Euro) und füllen einen Fragebogen aus. Von da an übernimmt Juniko alles Weitere: Ein Kitaplatzantrag wird erstellt und ans Jugendamt sowie an drei Wunsch-Kitas verschickt, alle Fristen werden eingehalten und die Eltern über jeden Schritt informiert. Binnen sechs Monaten, so das Ziel, soll ein Platz gefunden sein. Wenn nicht, können sich Eltern für den Klageweg entscheiden, den Anwälte für sie beschreiten. Dann müssen sie trotzdem nur maximal 250 Euro Verfahrenskosten tragen.

„Wir machen keinen Stress ohne Grund. Die Behörden wussten seit 2002, dass der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz kommt“, betont Juniko-Geschäftsführer Tobias Große (35), der als einziger im Team noch keine Kinder hat. „Jeder kriegt auf diesem Weg seinen Platz, wenn auch nicht immer zum gewünschten Zeitpunkt“, verspricht Mandy Rost eine 100-prozentige Erfolgsaussicht. „Wenn wir juristisch alles richtig machen, sind die Ämter gezwungen, an Juniko Plätze zu vergeben. Weil es sonst zu Gerichtsverfahren kommt, die sie verlieren“, ergänzt Jurist Ralf Ludwig, zuständig für Recht und Produktentwicklung.

Die gebürtige Altenburgerin hat mittlerweile außer dem Juristen auch einen IT-Fachmann und einen Marketingexperten an ihrer Seite. Bislang hat sie 45 000 Euro eigenes Geld in die Firma gesteckt: „Alles private Darlehen, denn einen Bankkredit habe ich nicht bekommen.“ Dieses Jahr haben die Gesellschafter noch einmal fast 25 000 Euro aus Eigenmitteln nachgeschossen. Leben können sie von ihrer Firma noch nicht, das soll Anfang 2017 geschafft werden. Bis dahin sind Nebentätigkeiten und andere Projekte nötig.

Juniko finanziert sich zum einen über die Anmeldegebühr, zum anderen über eine Software, die speziell für Anwälte entwickelt worden ist. „Die Software liefert dem Anwalt eine standardisierte Lösung für dieses Standardproblem. Er braucht im Prinzip nur auf den Knopf drücken, vermeidet Verfahrensfehler und muss sich nicht alles per Hand zusammensuchen“, erklärt Ralf Ludwig den völlig neuen Ansatz.

Auch wenn in Leipzig derzeit viele Kindertagesstätten gebaut werden – so schnell wird Juniko wohl nicht überflüssig. Zuzüge, wachsende Bevölkerung, der Flüchtlingsstrom und auch der zunehmende Wunsch von Eltern, ihr Kind überhaupt in eine Betreuung zu geben, werden noch lange für Bedarf sorgen.

Ab Mitte 2016 will Juniko auch in anderen deutschen Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern aktiv werden. Und später könnte die Software auf weitere standardisierte Fälle aus dem Sozialrecht zugeschnitten werden.

www.juniko.de

Von Kerstin Decker

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