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Lokales "Fisch war schon immer die Nummer eins": Geschäft in Gohlis eröffnete vor 100 Jahren
Leipzig Lokales "Fisch war schon immer die Nummer eins": Geschäft in Gohlis eröffnete vor 100 Jahren
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01:00 17.10.2014
Frischen Fisch gibt's bei Rutschka. Hier preist Ladeninhaberin Isolde Wiesner einen Seelachs an. Das Familienunternehmen startete vor beachtlichen 100 Jahren. Quelle: André Kempner

"Fisch war schon immer die Nummer eins bei uns", erzählt die mittlerweile 70-Jährige. Ihre Großmutter stammte aus Belgershain und war gelernte Kontoristin, was ihr bei der Führung eines Geschäftes von großem Nutzen war. Und Großvater Johann Rutschka kam aus einer Bauernfamilie in der Oberlausitz, die viel Land besaß und eine Teichwirtschaft betrieb. Beide brachten somit beste Voraussetzungen für den Fischhandel mit.

Ende der Dreißigerjahre dann der Umzug in die Wintergartenstraße. "Das war unsere beste Zeit", weiß Isolde Wiesner von ihrer Mutter. Die Kunden seien vor allem Angestellte aus dem benachbarten Graphischen Viertel gewesen, "sehr interessante, humorvolle Leute, die auch mal einen politischen Witz erzählten", so die heutige Chefin. Aber auch Pendler, die mit der Bahn unterwegs waren, deckten sich bei den Rutschkas mit frischem Fisch ein.

Das blieb auch nach dem Krieg so, als Isolde als kleines Mädchen regelmäßig im Laden zu Gast war. Sie erinnert sich, dass ihr Opa wegen einer angedrohten deftigen Steuernachzahlung "in seiner blauen Schürze" wütend ins Rathaus gestürzt sei, dort aber fast niemanden vorfand: "Es war kurz vor dem 17. Juni 1953 und die meisten städtischen Angestellten hatten vorübergehend die Flucht ergriffen."

Johann Rutschka war es auch, der viel dafür getan hat, die Forelle und den Rotbarsch als Speisefische in Leipzig bekannt zu machen. Versuche mit Walfleisch und Heringshai waren nicht erfolgreich - hier blieben die Messestädter skeptisch.

Anfang der Siebzigerjahre dann erneut ein Umzug. "Die zuständigen staatlichen Stellen waren der Meinung, dass unser Laden sehr gut geht, sie hatten den Umsatz nach Quadratmetern ausgerechnet, was aber nicht praktikabel ist. Deshalb sollte ihn die staatliche Handelsorganisation HO übernehmen, was diese aber gar nicht unbedingt wollte", erzählt Isolde Wiesner. Und weil auch Großvater Johann nicht gewillt war ausziehen, machten ihm in der Folgezeit Hygiene- und Preisämter das Leben schwer. Am Ende musste er aufgeben.

Noch heute befindet sich das Geschäft in der Lindenthaler Straße 39. Dort übernahm die jetzige Inhaberin vor zehn Jahren aus den Händen ihrer Mutter Edith Röthig das Geschäft, schlüpfte statt ihrer in die Rolle der Chefin. Nunmehr also bedient Isolde Wiesner - gemeinsam mit ihrer Angestellten Christine Kleiner - die Kunden. Auch wurde der Name E. J. Rutschka wieder in die Firmenbezeichnung aufgenommen, um an die Familientradition anzuknüpfen.

Und woher kommen die Meeres-, Fluss- und Seenbewohner, die heute die Auslagen des Ladens füllen? Hauptlieferant ist das Großhandelsunternehmen Deutsche See, aber auch von kleineren Firmen kommt die frische Ware. Beispielsweise werden Karpfen und Forellen aus Machern angeliefert. Besonders gern gekauft wird Rotbarschfilet, aber auch die Fischbrötchen der Marke "Rutschka" erfreuen sich großer Beliebtheit. Und das soll auch so bleiben.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.10.2014

Andrea Richter

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