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Lokales Fischer-Art auf neuen Wegen: Kreativprojekt für Leipzig im Ural
Leipzig Lokales Fischer-Art auf neuen Wegen: Kreativprojekt für Leipzig im Ural
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00:37 10.07.2015
Quelle: privat

Der Kosake Nasur Yurushbaev (53) ist mit einem Team von Mitstreitern für vorbereitende Arbeiten von unserem Leipzig ins andere Leipzig gefahren. Mit dabei ist auch der Künstler Michael Fischer-Art, der von den ersten Eindrücken seiner Reise berichtet.

Leipzig im Ural hat 950 Einwohner. 250 Häuser sind noch bewohnt, etwa 200 Häuser stehen leer. Es gibt kein einziges Verkehrsschild, keine Ampel, keine Fahrradbügel- Nur die Schreie von Kühen und Ochsen sind zu hören. Die Schule ist gut ausgestattet. 102 Kinder gehen hinein. Sie kommen aus der ganzen Gegend. Schulbusse bringen ständig Nachschub. Die nagelneue Krankenstation ist leider unbesetzt und steht etwas verloren an der Hauptstraße.

Etwa 3800 Kilometer von zu Hause entfernt braucht es nur wenige Tage, um in die Geschichten dieses Dorfes einzutauchen. Leipzig im Ural ist nur wenige Meter von der Kasachischen Grenze entfernt. Dieser Ort ist bitterlich arm, aber dennoch nicht verzweifelt, sondern stolz.

Der Zeichenunterricht mit den Kindern war wunderbar. Der Bürgermeisterin erfüllte sich den Wunsch, das Kulturhaus anzumalen. Mit Hilfe der Kinder aus dem Dorf wurde das Werk in drei Tagen fertiggestellt.

Um überhaupt in diesen entlegenen Ort fahren zu dürfen, war das Visum von der Russischen Botschaft in Berlin nicht die einzige Hürde. In Tscheljabinsk gelandet, ging es weiter mit einem Leihwagen, VW Golf Kombi. Nach 4,5 Stunden Fahrt durch die unendliche Steppe ging der erste Weg zu einer eingezäunten Polizeistation mit Kasernen- und Wohngebäuden. Eine Trutzburg im Nichts.

Dann hieß es erstmal warten - warten auf den diensthabenden Offizier. Die erste Stunde war rum. Dann das Verhör: "Was wollen Sie hier? Was halten Sie von den Sanktionen? Wohin soll das Rad sich drehen? Wie stehen Sie zu Putin?"

Zweite Stunde rum. Dann ein gestempelter Zettel und weiter ging es. Die Station steht in Varna - einer Stadt vielleicht acht Kilometer von Leipzig im Ural entfernt. Die Menschen haben in diesem Ort in nur drei Häusern fließendes Wasser. Abwasser? - geht in ein Loch hinterm Haus, wo auch das Holzhaus steht mit dem Herz in der Tür.

Trotz dieser mittelalterlichen Umstände sind alle Menschen sauber gekleidet und machen einen frischen Eindruck. Man sieht Frauen mit Handwagen, die volle Wasserfässer ziehen.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion brachen auch die Kolchosen (in der DDR hießen die LPG) zusammen. Seit dieser Zeit hat fast jeder dort Tiere hinter dem Haus und Felder am Dorfrand. Selbstversorgung. Tauschhandel. Und der erstaunte Blick, was denn Deutsche gerade dort wollen.

Die Ursprünglichkeit und Freundlichkeit der Menschen war so schön zu erleben, dass es im nächsten Jahr wieder dorthin gehen soll. Am Rande unseres Besuchs wurde dieses Mal ein Fundament aus Beton gegossen - dort, wo in einem Jahr das Leipziger Völkerschlachtdenkmal im Maßstab 1:25 draufgestellt wird.

Das wird eine große Herausforderung, da schon drei Lkw mit Flüssigbeton ein fast unlösbares Problem waren. Doch der Ostdeutsche lässt sich durch nichts aufhalten, wenn es darum geht, Projekte zum Erfolg zu führen. Und wenn es fürs Brudervolk aus Russland ist - dann erst recht!

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.07.2015
Michael Fischer-Art

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