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Flexibles Carsharing mit 100 Cityflitzern startet in Leipzig

Ohne eigene Station Flexibles Carsharing mit 100 Cityflitzern startet in Leipzig

In Leipzig startet von sofort an das erste flexible Carsharing-Modell unter dem Label „Cityflitzer“. 100 Kleinstwagen stehen im Stadtgebiet zur Verfügung und können von Stationen unabhängig per App gebucht werden.

Ein neues Carsharing-Modell geht in Leipzig unter dem Label „Cityflitzer“ an den Start.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Mal schnell zum Einkaufen, bei miesem Wetter nach Hause oder spontan Freunde besuchen – mobil sein in Leipzig soll noch einfacher werden. Der Anbieter „Teilauto“ bringt seit Dienstag 100 Kleinstwagen für das flexible Carsharing auf die Straße. Unter dem Label Cityflitzer können erstmals in Leipzig solche Wagen unabhängig von Stationen gebucht werden.

Die Wagen (Modell VW up) müssen nicht an eine Station zurückgebracht werden, sondern die Fahrer stellen das Auto an ihrem Zielort ab – sofern dieser im abgezirkelten Geschäftsbereich liegt.

Das Cityflitzer-Gebiet im Überblick

Das Areal erstreckt sich von der Gohliser Coppistraße im Norden bis Connewitz im Süden, wird im Südosten in etwa durch das Völkerschlachtdenkmal und die Oststraße begrenzt. Im Osten umfasst es Reudnitz und Neustadt-Neuschönefeld genauso wie im Westen Altlindenau bis zur Hans-Driesch-Straße sowie Plagwitz und im Südwesten Kleinzschocher. Das Geschäftsgebiet betrage zum Start 36 Quadratkilometer. 

Ein Wagen aus der Flotte von Cityflitzer.

Quelle: ter Vehn

Man habe sich erstmal für ein kleineres Areal entschieden, weil das Freefloating-System nur sinnvoll sei, wenn auch immer eine größere Anzahl an Wagen dort zu finden sei. Fahren könne man mit den Wagen überall hin, betont Cityflitzer-Projektleiter Manuel Emmelmann. Auch zwischendurch parken sei möglich. Dann muss man eventuelle Parktickets ziehen oder das Auto regulär an kostenfreien Parkplätzen abstellen. Die maximale Nutzungsdauer der Autos betrage 48 Stunden.

Buchen per App

Das Prinzip des spontanen Carsharings soll es den Fahrern einfach machen. Eine App zeigt die Standorte der Cityflitzer an. Die Autos können dann direkt gebucht und per Klick über die Handy-App geöffnet werden. Zuvor ist eine Registrierung nötig, damit das Unternehmen die Fahrten abrechnen kann.

Das sind die Kosten

Details über das Preis- und Buchungssystem hat „Teilauto“ am Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Demnach kostet eine angefangene Stunde 2,40 Euro und der angefangenen Kilometer wird mit 24 Cent berechnet. Die Tankkosten seien bereits darin enthalten. Wer fährt, muss trotzdem vor dem Abstellen den Weg zur Zapfsäule machen, wenn der Tank weniger als ein Viertel voll ist. „Dafür gibt es Tankkarten in den wagen“, erklärt Emmelmann. „Es geht uns um die optimale Alternative zum eigenen Pkw“, sagte er.

Ziel: Anzahl der Autos reduzieren

Die Anbieter verstehen Carsharing als eine Ergänzung zum Umweltbund mit Fahrrad, Bus und Bahn. Beim stationengebundenen Auto-Teilen würden für einen Wagen acht bis zehn individuell gebundene Fahrzeuge eingespart. Beim Freefloating liege der Effekt bei 1:2, in der Kombination bewege sich der Wert dazwischen. Das Ziel sei, die Anzahl der Autos insgesamt zu reduzieren.

Erfahrungen

Rentner Bodo Winde (75), der seit zehn Jahren Carsharing nutzt und im Fachbeirat von „Teilauto“ sitzt, sieht in dem Cityflitzer-Modell Vorteile für seine Altersgruppe. Viele Wege erledige er mit Bus und Bahn. „Aber wenn ich einen sperrigen Einkauf habe, wünschte ich mir manchmal schon, dass ein Auto in der Nähe wäre“, sagte er. Auch müsse man sich jetzt nicht mehr dauerhaft binden. Ebenfalls seit rund zehn Jahren nutzt Toralf Herschel (40) das Carsharing. Mit seiner fünfköpfigen Familie mietet er ein geteiltes Auto bisher für längere Fahrten oder den Urlaub. „In der Stadt fahren wir meist Rad, Bus und Bahn. Aber ein paar Strecken sind damit nicht so gut zu bewältigen“, sagt er.

Leipzig als Testfeld auch für Clevershuttle

„Teilauto“ gehört zur in Leipzig ansässigen Mobility Center GmbH, die nach eigenen Angaben rund 30.000 Privat- und Geschäftskunden in 17 Städten hat. Bisher konnten diese verschiedene Fahrzeugtypen an Stationen mieten und auch dort wieder abstellen. Leipzig ist die erste Stadt, in der „Teilauto“ das Projekt flexibles Carsharing umsetzt. 

Die Messestadt ist in der Mobilitätsbranche auch für andere Anbieter ein erfolgreiches Testfeld. Im Jahr 2016 startete der Fahrdienst Clever Shuttle sein Angebot und erhielt dafür gerade den  "Neu-Preis".

Stadtrat unterstützt flexibles Carsharing

Der Leipziger Stadtrat hat sich im Herbst ebenfalls per Beschluss zum flexiblen Carsharing bekannt.  Mit interessierten Anbietern sollen in einem Pilotprojekt auf fünf Jahre Verträge für Parkregelungen abgeschlossen werden. Damit könnten Kunden auch auf ausgewiesenen bewirtschafteten Flächen das Fahrzeug kostenfrei abstellen. Das jeweilige Carsharing-Unternehmen müsste dafür über eine Jahresgebühr Parkausweise erwerben. Leipzig will so bis zu 750 Genehmigungen vergeben. Die Bewerbungsfrist endete mit dem 31. Januar. "Teilauto" habe dafür ebenfalls sein Interesse bekundet, so die Verantwortlichen am Dienstag.

Evelyn ter Vehn

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