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Fliegende Paläste: Leipziger Ingenieur rechnet Flugzeug-Umbauten im Detail durch

Leipziger Startups Fliegende Paläste: Leipziger Ingenieur rechnet Flugzeug-Umbauten im Detail durch

Am Anfang steht immer eine visionäre Idee. Bis sie zur Marktreife entwickelt ist, braucht es einen langen Atem, durchgearbeitete Nächte und die ständige Suche nach Finanzierungsquellen. Die LVZ stellt Gründer vor, die mit ihrem Startup auf dem Weg zum „richtigen“ Unternehmen sind. In dieser Folge: Luftfahrtingenieur Alexander Lippold.

Viele Flugzeugbesitzer wünschen sich einen fliegenden Palast. Alexander Lippold aus der Leipziger Härtelstraße rechnet durch, unter welchen Voraussetzungen die gewünschten Umbauten genehmigungsfähig sind.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  „Pimp my aircraft“ - damit könnte man ganz salopp den Job von Alexander Lippold beschreiben. Jedes neue Flugzeug kommt normalerweise ohne Schnörkel und zum günstigsten Preis vom Band. Wenn sich die Airlines oder vermögende Privatkunden dann zusätzlichen Komfort wünschen – Sofalandschaften, Soundsysteme, Küchen, Duschen, Hometrainer oder im Außenbereich Antennen für GPS, Internet, Fernsehen, Telekommunikation – , muss das Flugzeug umgerüstet werden. Dafür sind Behördengenehmigungen erforderlich. Um die nötigen Berechnungen, Daten, Zeichnungen kümmert sich der 38-jährige Luftfahrtingenieur. Er rechnet die gewünschten Umbauten mit einer hoch spezialisierten Software durch, sagt dem Kunden, an welchem Punkt welche Belastungen auftreten, wo er andere Schrauben oder eine andere Beschichtung verwenden muss. „Jedes Bauteil muss nachgerechnet werden. Bei Turbulenzen darf sich nichts lösen, nichts darf die Passagiere verletzen oder gar töten“, erzählt der Wahlleipziger. So ein Projekt sei wie eine Diplom- oder Doktorarbeit, 100 bis 150 Seiten Berichte und alles auf Englisch. „Es ist trockene Ingenieursarbeit, die ich mache, aber das Ergebnis ist interessant.“

Mittlerweile hat Alexander Lippold Flugzeug- und Hubschraubernasen, Antennenabdeckungen, VIP-Toiletten, Schränke, Küchen und elektronische Komponenten begutachtet. Die Ergebnisse fliegen jetzt weltweit herum. 30 bis 50 Projekte betreut er im Jahr. Als Ingenieur in dieser Branche selbstständig zu sein, sei in Deutschland bisher eher ungewöhnlich, erzählt er. Da die Luftfahrzeughersteller oder Umrüstunternehmen es oftmals nicht schaffen, die Nachfrage mit ihren eigenen Kapazitäten zu bewältigen, geben sie einen Teil der Aufträge an spezialisierte Dienstleiter weiter. Stolz ist er darauf, dass er seine Dienstleister-Firma ohne Unterstützung auf die Beine gestellt hat und mit seiner Familie davon leben kann. Ohne Fördermittel: „Ich habe mich extrem darum bemüht, aber nur Absagen bekommen.“ 50 000 bis 70 000 Euro hat Lippold privat investiert, Ersparnisse aus der ursprünglichen Festanstellung in der Schweiz. Sein Computer, die teure Software – die immer wieder upgedatet werden müssen – und Fachbücher fressen die meisten Kosten. Als Fernziel wünscht er sich, irgendwann selbst einen Entwicklungs- und Herstellerbetrieb aufzubauen und all die Umbauten in einem eigenen Hangar und mit eigenen Mechanikern selbst auszuführen.

Für seinen Beruf ist er familiär vorbelastet: Sein Großvater und Vater verbrachten fast ihr gesamtes Berufsleben in der Luftfahrtbranche, die Mutter war Stewardess bei der Interflug. Der Enddreißiger wurde in Berlin geboren und ist noch vor der Wende mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester nach Süddeutschland übergesiedelt. Bereits als Jugendlicher übernahm er erste Jobs am Flughafen Basel/Mulhouse/Freiburg. Nach dem Studium sammelte er fünf Jahre berufliche Erfahrungen in einer Festanstellung und gründete anschließend seine Firma. Zunächst in Berlin, doch das Geschäft verlief nicht so erfolgreich wie erhofft. Mittlerweile verheiratet, zog Lippold mit seiner Frau 2013 nach Leipzig, wo inzwischen auch seine Eltern ansässig sind. 2015 startete er zum zweiten Mal als Selbstständiger durch. Die Nähe zum Flughafen Leipzig-Halle erschien ihm von Vorteil, doch wie sich inzwischen gezeigt hat, ist sie gar nicht nötig. Da der Ingenieur die Umbauten nicht selbst vornimmt, sondern lediglich berechnet, kann sein Computer-Arbeitsplatz überall auf der Welt stehen.

Wie wichtig seine Berechnungen sind, hat Alexander Lippold auch schon am eigenen Leib gespürt. Auf dem Rückflug von Mallorca vollzog der Pilot ein abruptes Manöver – vielleicht ist er einem Vogelschwarm ausgewichen. „Da hat man die G-Kräfte gemerkt, die auf den Körper wirken. Was so eine Rumpfzelle alles aushalten muss! Da dachte ich mir, wie gut, dass du solche Berechnungen machst.“ Wenn er selbst ein Flugzeug nach eigenen Wünschen umbauen könnte, würde sich der Diplomingenieur „vielleicht eine Jukebox“ einbauen. „Oder eine chillige Wohnlandschaft.“

www.ib-lippold.de

Von Kerstin Decker

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