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Lokales Fliegt ein Hund über Gohlis: Schauspiel Leipzig bereitet Sommertheater vor
Leipzig Lokales Fliegt ein Hund über Gohlis: Schauspiel Leipzig bereitet Sommertheater vor
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14:54 26.04.2016
Anette Hachmann (l.) hat als Bühnenbildnerin den Kulissen-Hund entworfen. Annelie Mattheis ist Dramaturgin für die Sommertheater-Komödie 2016 des Schauspiels Leipzig.  Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

 Vier Grad, Nieselregen. Über Gohlis schwebt ein Hund. Nicht irgendeiner. Ein britischer Basset, 500 Kilogramm schwer, fast 6,50 Meter hoch – wenn alle Teile zusammengesetzt sind. Der Kopf senkt sich langsam auf Körper und Beine. Millimeterarbeit. Dann schaut der Basset seinen treuen Blick aus blumenumkränzten Augen.

„Das macht sich doch gut“, strahlt Anette Hachmann (38) Bühnen- und Kostümbildnerin am Schauspiel Leipzig, die den begehbaren Hund erdacht hat. Der Kran und die Techniker haben ganze Arbeit geleistet. Um 10.40 Uhr steht das Prachtstück für das Sommertheater, leuchtet mit seinen 14.000 in Styropor gesteckten Kunstblüten als Farbklecks im Hof des Gohliser Schlösschens. Noch am Tage soll das Ensemble mit den Proben für die Komödie „Ernst ist das Leben (Bunbury)“ beginnen. Oscar Wilde in der Fassung von Elfriede Jelinek.

Dramaturgin Annelie Mattheis übt schon mal das Sommerfeeling, schaut sich Hund und Schloss durch die Sonnenbrille an. „Jelinek hat eine derbere Sprache“, sagt sie, und das gefällt der 33-Jährigen vom Bochumer Schauspiel an ihrer Gastinszenierung in Leipzig ebenso gut wie die Zusammenarbeit mit Regisseur Christian Brey. Brey hat lange mit Harald Schmidt zusammengearbeitet. Er sei ein Experte für Rhythmus und Timing, sagt Mattheis. Und darauf kommt es an bei einer Komödie.

Insgesamt ist der Hund rund 6,50 Meter hoch und ein Kulissen-Prachtstück. Quelle: Dirk Knofe

Der Hund pinkelt. Er hebt kein Bein, das dann doch nicht. Aber ein Schlauch hat sich gelöst und ergießt sich in den Hof, bis ein Techniker die Leitung abklemmt. Wasser muss sein, denn damit werden die Gegengewichte für das Kulissen-Gestell befüllt. Die Tanks werden am Ende drei Tonnen wiegen, damit nichts rüttelt, wenn die Akteure den Hund bewohnen und bespielen.

Der Riesen-Basset hält das aus, wurde von Plastikern des Schauspiels per Hand aus Styroporblöcken gesägt, mit grünem Stoff kaschiert und mit speziellem Anstrich wetterfest gemacht. „Eine Bildhauerarbeit. Das ist Kunst“, sagt Hachmann. Innen stützen ihn Holzplatten und Stahlgerüst. Die Leitern fehlen noch, denn irgendwie muss Mensch dem Hund ja zu Kopfe steigen.

Premiere im Mai

Dort sorgen sie für Verwirrung nach allen Regeln der Kunst: Algernon und Jack, die mit ihren erfundenen Doppel-Existenzen Ernst und Bunbury ein fragiles Gebilde schaffen, bis die Liebe alles ins Wanken und die Wahrheit ans Licht bringt. „Das ist eine Gesellschaft, die immer etwas sein möchte, was sie nicht schafft – und dann wieder abrutscht“, beschreibt Mattheis.

Premiere ist am 15. Mai, und bis dahin wird die Leichtigkeit, die das Publikum sieht, hart erarbeitet. „Wir haben viele schöne Einfälle. Das ganze wird ein Feuerwerk an Referenzen an Loriot, Monty Python und Luis de Funès“, so die Dramaturgin. Vor der ersten Aufführung gibt es eine offene Probe für die Anwohner, die den Entstehungsprozess vermutlich zum Teil aus dem Fenster mitverfolgen können. Dann stehen bis zum 28. August 26 Aufführungen auf dem Plan.

„Jetzt fehlt nur noch das Wetter. Das Wetter ist jetzt das Wichtigste“, sind sich Hachmann und Mattheis einig. Am Mittag reißt es auf. Blauer Himmel über blumigem Basset. Fehlt nur noch der englische Rasen. Und wenn der grüne Teppich liegt, dann kann es wirklich losgehen.

Ernst ist das Leben (Bunbury), Schauspiel Leipzig, Sommertheater vor dem Gohliser Schlösschen, Premiere Sonntag, 15. Mai, 20 Uhr. Ticketreservierung (0341) 12 68 168, alle Infos www.schauspiel-leipzig.de.

Von Evelyn ter Vehn

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