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Lokales Flüchtlinge als Existenzgründer
Leipzig Lokales Flüchtlinge als Existenzgründer
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00:18 28.05.2017
Alexander Melzer, Christopher Zenker, Amal El-Abd, Martina Kador-Probst und Roman Schulz (von links) informieren sich über Flüchtlingsprojekte in den USA.  Quelle: privat
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Leipzig

 Wie integriert Amerika Flüchtlinge? „Obwohl das deutsche Sozialsystem nicht mit dem amerikanischen vergleichbar ist, gibt es bemerkenswerte Ideen und Ansätze der Integrationsarbeit, wovon wir uns einiges abschauen können“, sagt Martina Kador-Probst. Die Leiterin des Sozialamtes war mit einer Leipziger Delegation in den USA unterwegs, um sich über amerikanische Strategien im Umgang mit Flüchtlingen und deren Integration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu informieren. Das Fazit: Grundsätzlich unterscheiden die Verantwortlichen in den USA zwischen legal (Resettlement) und illegal eingereisten Menschen.

Alle Programme seien darauf ausgerichtet, dass Migranten und Geflüchtete so schnell wie möglich Arbeit finden und selbst für sich sorgen können. „Hilfe zur Selbsthilfe/ “tools for small buisiness“ seinen zentrale Anliegen. „Es erfolgt eine starke Orientierung auf Sprachkenntnisse und darauf, in relativ kurzer Zeit einen Job zu finden“, erklärt SPD-Stadtrat Christopher Zenker, der ebenso wie Amal El-Abd (Verein Frauenkultur), Alexander Melzer (Verein Pandechaion) sowie Roman Schulz (Sächsische Bildungsagentur) dabei war. Weitere Teilnehmer dieses transatlantischen Austausches, das von der gemeinnützigen Austauschorganisation Cultural Vistas organisiert und von der Heinrich-Böll- sowie der Robert-Bosch-Stiftung finanziell unterstützt wurde, kamen aus Düsseldorf, Münster, Freiburg sowie dem Landkreis Düren. Das Programm sah den Besuch von Projekten in Salt Lake City, Detroit und Nashville vor.

In Nashvilles Azafran-Center (einem Centrum der Begegnung mit vielfältigen Angeboten von Kinder- und Elternberatung über Freizeitaktivitäten bis zur Jobhilfe) werden Migranten beispielsweise dazu ermuntert, eine Existenz zu gründen. „Dazu gehört beispielsweise die Nutzung einer Lehr- und Testküche, in der sie Catering-Aufträge annehmen und Gerichte zubereiten können, um sie dann mit einem Food Truck als mobiles Lunchangebot in der City verkaufen zu können“, nennt Roman Schulz ein konkretes Beispiel. Möglich sei auch die Übernahme des Caterings bei Veranstaltungen. Dabei berät das Azafran-Center, stellt die Räume zur Verfügung und gibt auch Starthilfe bei TÜV, Küchenzertifikat, Fahrerlaubnis, Gewerbeanmeldung… Alles sei darauf ausgerichtet, Menschen in die Selbstständigkeit zu bringen.

“Wenn Existenzgründung erfolgt, dann werden vom erwirtschafteten Gewinn entsprechende Anteile zurückgezahlt“, so Schulz. Ein anderes Projekt sei der „ESL Truck to Go“ (ein mobiles Klassenzimmer für eine flexible sowie differenzierte Nutzung von Sprachkursen bis zu Beratungsangeboten). Im Truck steckt ein komplettes Klassenzimmer für etwa 15 Teilnehmer, das Lehrerteam kann sehr flexibel auf differenzierte Anforderungen (Sprachkurse, Erwachsenenkurse, Unterricht, Beratungstermine) in der Region Nashville reagieren und Angebote unterbreiten. Besonders beeindruckt hat die Leipziger der hohe Grad der Zusammenarbeit der verschiedenen Träger der Flüchtlingsarbeit von Stadtverwaltungen bis zu diversen Organisationen.

 In den nächsten Wochen geht es in Leipzig darum, Erfahrungen zu nutzen und Projekte anzuschieben, bei der die Ideen umgesetzt werden können. Im Herbst wird dann eine Delegation aus den USA Deutschland besuchen. Ob sie auch nach Leipzig kommt, ist aber noch nicht klar. „Wir wären froh, uns revanchieren zu können und auch ein Stück von Leipzig zu zeigen“, sagt Zenker, der auch in der Sachspendenzentrale engagiert ist. „Wir sind mit vielen konkreten Ideen wiedergekommen, fangen aber auch nicht am Punkt Null an. Leipzig hat in den vergangene Jahren viel geleistet“, waren sich alle einig

Von Mathias Orbeck

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