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Lokales Forscher der Uni Leipzig stellen neues Diagnosesystem auf Tierärztekongress vor
Leipzig Lokales Forscher der Uni Leipzig stellen neues Diagnosesystem auf Tierärztekongress vor
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19:22 17.01.2018
Pferd Lupus aus der Klinik für Pferde an der Universität in Leipzig ist mit verschiedenen Diagnose-Sensoren ausgestattet. Tierärztin Marie-Luise Huhn (rechts) und Projektkoordinator Michael Geiger schauen sich die Daten am Laptop an.   Quelle: Foto: Andé Kempner
Leipzig

 Lahmt das Pferd, gehen beim Besitzer alle Warnlampen an: Was ist los, muss ich den Hufschmied oder den Tierarzt holen, muss der Vierbeiner womöglich verladen und in die Tierklinik gebracht werden? Das bedeutet dann unweigerlich: diverse Untersuchungen, die wiederum üppige Rechnungen nach sich ziehen...

Doch wie alle Bereiche ist auch die Tiermedizin im Umbruch. Auf dem 9. Leipziger Tierärztekongress, der ab Donnerstag bis Sonnabend auf der Neuen Messe stattfindet, wird ein weltweit neues Diagnosesystem vorgestellt: „HorseVetMed“ wird seit anderthalb Jahren an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Uni Leipzig zusammen mit zwei Medizintechnik-Firmen entwickelt. In zwei Jahren könnte es marktreif sein. Das Besondere: Der Pferdebesitzer kann einen Teil der Vorarbeit selbst übernehmen. Denn das System soll in drei Versionen kommen – für Tierhalter, Tierarzt und Tierklinik.

Laut Projektleiter Michael Geiger von der Klinik für Pferde beruht „HorseVetMed“ auf Sensoren, die am Pferd angebracht werden. Zeitgleich können damit Herzfrequenz, Druckkräfte unter dem Huf, Temperatur, Bewegungstempo, Muskelaktivität oder die Lage des Tieres in der Box überwacht werden. Nahezu in Echtzeit werden die Daten an das Smartphone des Tierarztes oder der Klinik übertragen. „Bisher gibt es nur Einzellösungen wie EKG oder Druckmessdaten“, erklärt der Projektleiter. Die jederzeit erweiterbare Technikplattform wird noch bis Juni getestet, später sind auch Anwendungen für Schweine oder Rinder denkbar.

Für die Tierärzte könnten damit Anfahrtwege und aufwendige Einzeluntersuchungen wegfallen. Womöglich aber auch Einnahmen – und dabei werfen viele Praxen vor allem in Großstädten schon jetzt kaum etwas ab. „Die Verdienste der Veterinärmediziner in Deutschland sind unterirdisch, und auch den Angestellten wird viel zu wenig gezahlt“, sagt Jan Wolter, Vizepräsident der Tierärztekammer Berlin, die diesmal Schirmherrin des Leipziger Tierärztekongresses ist. „Die Tierbesitzer müssten 30 bis 50 Prozent höhere Gebühren zahlen, um die Verhältnisse zu verbessern. Die Kosten steigen ständig, aber die Gebühren werden nicht angehoben“, so der Tierarzt, der sich auf Fische spezialisiert hat. Zudem gebe es in der Branche eine zunehmende Monopolbildung, da zwei große Kapitalgesellschaften Tierkliniken und Tierarztpraxen in Deutschland aufkaufen. Berufliche Perspektiven für niedergelassene Tierärzte und den Berufsnachwuchs – der immer öfter aus jungen Frauen besteht – sind deshalb ein Schwerpunktthema, über das auf dem Kongress diskutiert wird.

Der Leipziger Tierärztekongress findet alle zwei Jahre parallel zur Messe „Partner Pferd“ statt. Zusammen mit der Industrieausstellung „Vetexpo“ ist er die wichtigste Veranstaltung für Veterinärmediziner im deutschsprachigen Raum. In diesem Jahr werden mehr als 5000 Teilnehmer und knapp 500 Referenten erwartet. Das Themenspektrum reicht von modernen Behandlungsmöglichkeiten bis zu ethischen Problemstellungen.

Von Kerstin Decker

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