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Forscher der Uni Leipzig über Schwarzwohnen in der DDR: Studenten retteten Haus in Connewitz

Forscher der Uni Leipzig über Schwarzwohnen in der DDR: Studenten retteten Haus in Connewitz

Morsche Fenster, fehlende Wände, feuchte Decken und Keller – mit solchen Wohnbedingungen arrangierten sich junge Leute in der DDR zum Studium oder um Platz für die Familie zu haben.

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Hintergrund: Informationen zu Udo Grashoff

Das Eckhaus an der Neudorfgasse 12 heute.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig. Historiker Udo Grashoff von der Universität Leipzig hat in seinem neuen Buch das Phänomen Schwarzwohnen in Leipzig untersucht. Hunderte lebten illegal in leer stehenden Altbauten – wie ein Theologiestudent, der ein Haus in Connewitz mit einem neuen Dach vor dem Verfall bewahrte.

Die Schwarzwohner trugen erheblich zum Erhalt des Altbaubestandes bei. Im Eckhaus Neudorfgasse 12 in Connewitz zog ein junger Theologiestudent ein, der mit Kommilitonen das gesamte Dach neu eindeckte. „Der hatte Erfahrung darin, weil sein Vater als Pfarrer in Brandenburg selbst oft das Dach seiner Kirche decken musste. Ohne seinen Einsatz würde das Haus heute wohl nicht mehr stehen“, meint Udo Grashoff, Autor des Buches „Schwarzwohnen. Die Unterwanderung der staatlichen Wohnraumlenkung in der DDR“, welches kürzlich erschienen ist.

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Leipzig. Morsche Fenster, fehlende Wände, feuchte Decken und Keller – mit solchen Wohnbedingungen arrangierten sich junge Leute in der DDR zum Studium oder um Platz für die Familie zu haben. Historiker Udo Grashoff von der Universität Leipzig hat in seinem neuen Buch das Phänomen Schwarzwohnen in Leipzig untersucht. Hunderte lebten illegal in leer stehenden Altbauten – wie ein Theologiestudent, der ein Haus in Connewitz mit einem neuen Dach vor dem Verfall bewahrte.

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Wer nicht in einem wichtigen Großbetrieb arbeitete oder gute Beziehungen zu Partei- oder Gewerkschaftsfunktionären hatte, der musste zu DDR-Zeiten lange auf eine Wohnung warten. Besonders Studenten, junge Paare und Mitglieder der jungen Gemeinde hatten kaum eine Chance auf eine der ab den 1970er Jahren massenhaft geschaffenen Neubauwohnungen.

Eine Million Altbauten in DDR unbewohnbar

„Es setzte in den 70ern ein Nachrückereffekt ein. Viele zogen aus alten Wohnungen mit mittelmäßigen Bedingungen in Neubauten und Leute aus Wohnungen in erbärmlichem Zustand in die mittelmäßigen Altbauten“, erklärt Grashoff.

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Arbeit in luftiger Höhe - die Theologiestudenten nahmen ein hohes Risiko in Kauf, um das Dachgeschoss bewohnbar zu machen.

Quelle: Privat

Durch die bis 1990 errichteten zwei Millionen Neubauten in der DDR entstand ein Leerstand, den sich Menschen ohne Wohnung illegal zu Nutze machten. „Da es kaum Handwerker oder Material zur Sanierung der Altbauten gab, weil alles in neue Wohnungen investiert wurde, verwitterten im selben Zeitraum eine Million Altbauwohnungen“, fand der Historiker heraus. Zudem befanden sich 40 Prozent des Altbestandes in Privatbesitz. Wegen der auf dem Stand von 1937 eingefroren Mietpreise lohnte es sich für die Eigentümer kaum, selbst in die Sanierung ihrer Immobilien zu investieren.

Da kamen die Schwarzwohner gerade recht. Sie zogen ein, reparierten Dächer, Fenster und zogen sogar neue Wände ein. Viele informierten sich über Nachbarn über die Höhe der Miete und überwiesen das Geld monatlich anonym. „Den Hausbesitzern gefiel das gar nicht schlecht, sie schlossen oft sogar unter der Hand Mietverträge ab ohne Wohnungszuweisungen, die in der DDR Pflicht waren, um legal zu wohnen“, sagt Grashoff.

500 Mark Strafe für illegales Wohnen

Trotzdem wurde das illegale Wohnen in der DDR als Ordnungswidrigkeit geahndet, zu Räumungen kam es aber eher selten. „Es gab Geldstrafen bis 500 Mark, die auch ab und zu verhängt wurden. Danach wurde geprüft, ob die Wohnung geräumt werden muss“, erklärt Grashoff. In jedem zweiten Fall habe es eine Räumungsaufforderung gegeben. Dem stand allerdings das DDR-Zivilgesetzbuch entgegen. Dort hieß es, kein Bürger dürfe aus einer Wohnung geworfen werden, solange kein Ersatz vorhanden sei. So blieben die meisten in ihren selbst renovierten Heimen.

Ab 1980 entwickelte sich in Leipzig sogar eine Gegeninitiative zum Verfall der Altbauten. Dächer wurden von Handwerksfirmen repariert und in der Stadt mehrere Reparaturstützpunkte eingerichtet. „Dort konnten die Menschen Maschinen ausleihen und Material kaufen, um Wohnungen herzurichten. Dadurch sollte die Eigeninitiative stimuliert werden“, sagt Grashoff. Das reichte, um bis 1990 einen Großteil der Altbauten in Leipzig zu erhalten – dank der guten Zahlungsmoral und dem handwerklichen Geschick der Schwarzwohner.

Udo Grashoff, Schwarzwohnen. Die Unterwanderung der staatlichen Wohnraumlenkung in der DDR, Leipzig/Göttingen 2011, 200 Seiten.

Sebastian Fink

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