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Forscher sind von der Wildkatze im Leipziger Auwald begeistert

Flauschiger Neuankömmling Forscher sind von der Wildkatze im Leipziger Auwald begeistert

Gesehen hat die Wildkatze aus dem Auwald bisher niemand – das macht nichts. Ihr Auftauchen ist trotzdem außergewöhnlich.

So könnte sie aussehen: Die Wildkatze aus dem Auwald, die mithilfe der Lockstockkontrolle nachgewiesen wurde.
 

Quelle: Uwe Zucchi/dpa

Leipzig.  Es ist eine kleine Sensation: Im Auwald wurden mit Hilfe einer Lockstockkontrolle vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Sachsen Spuren der Europäischen Wildkatze nachgewiesen. „ Es ist ein Geschenk für Sachsen, dass es hier Wildkatzen gibt“, sagt Andreas Sickert, Leiter der Abteilung Stadtforsten der Stadt Leipzig. Denn es gilt: Je gesünder der Wald, desto mehr Wildtiere.

Keine Bedrohung für den Menschen

„Wildkatzen sind auf naturnahe und strukturreiche Wälder angewiesen“, erläutert Forstdirektor Andreas Padberg, Leiter des Forstbezirkes Leipzig. „Sie brauchen sogenanntes Totholz oder Baumhöhlen als Verstecke und zur Aufzucht ihrer Jungen, wilde Wiesen und Waldränder für die Jagd nach Mäusen, ihrer Hauptnahrung.“ Auch Thomas Mölich, wissenschaftlicher Projektleiter vom BUND-Rettungsnetz Wildkatze, sieht einen Zusammenhang zwischen Waldgesundheit und dem Vorkommen der Wildkatze. „Das Tier braucht den dichten Boden eines Laubwaldes.“

Eine Bedrohung für den Menschen stellen die Tiere nicht da, eher andersrum: „Es ist wichtig, die Wildkatze nicht zu stören oder anzufassen“, sagt Sickert. „Außerdem sollte man immer auf den Wegen bleiben und Hunde anleinen.“

Generell sei es eher unwahrscheinlich, einer Wildkatze tatsächlich zu begegnen – die Tiere sind nachtaktiv und sehr scheu. „Auch mir als Förster ist bisher noch keine Wildkatze über den Weg gelaufen“, so Sickert. Damit sich eine mögliche Population im Auwald ansiedeln kann, ist es notwendig, die Tiere unbedingt in Frieden zu lassen und ihnen nicht zu nahe zu kommen.

Eigentlich nicht mehr nachweisbar

Was den Fund so außergewöhnlich macht ist, dass die Wildkatze in Sachsen als nicht nachweisbar galt. „Die Spuren im Auwald stehen dieser Annahme natürlich jetzt entgegen“, erläutert Mölich. „Vielleicht war die Katze nie verschwunden – wir haben sie nur einfach nicht gefunden.“ Bisher gab es Wildkatzen nur im thüringischen und sächsischen Vogtland. „Hier wurde zuletzt 2008 ein oder mehrere Tiere gesichtet“, so Projektleiter Mölich. Auf sächsischer Seite habe es zwischen 2008 und 2014 ein oder zwei Spuren gegeben. „Zuletzt konnten diese aber nicht mehr belegt werden.“ Größere Populationen leben in Deutschland im Harz, im Hessischen Bergland, im Leine-Weserbergland und im Nationalpark in Hainich, Thüringen. „Außerdem gibt es Vorkommen in der Eifel und im Hunsrück“, sagt Mölich. Bis ins Mittelalter war die Wildkatze auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands verbreitet. Danach schrumpften die Vorkommen. „Die Bevölkerung wuchs, die zusammenhängenden Waldgebiete gingen zurück und somit der Lebensraum der Katze“, erklärt Mölich. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war das Tier so gut wie ausgestorben.

Erkennungsmerkmale

Woher das oder die Tiere des Auwalds kommen, können auch die Forscher nicht sagen. „Es ist Paarungszeit. Möglicherweise ist die Katze daher aktiver und ist uns deswegen über den Weg gelaufen“, mutmaßt Mölich. Die Samtpfote lebt bis zum Herbst mit ihren Jungen – sonst als Einzelgänger. Pro Wurf kann es zwei bis fünf Junge geben. Aber wie lässt sich die Europäische Wildkatze von der Hauskatze unterscheiden? „Die Färbung wirkt bei ausgewachsenen Katzen verwaschen – sie haben nicht diese typische Streifen wie etwa die getigerte Haukatze. Ihr Fell ist dichter, dadurch wirkt das Tier gedrungen und kräftiger.“ Als herausragendes Unterscheidungsmerkmal gilt der buschige Schwanz mit dem stumpfen, schwarzen Ende.

Von Tatjana Kulpa

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