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Lokales Fotos gegen das Vergessen
Leipzig Lokales Fotos gegen das Vergessen
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00:34 01.06.2018
Die Sprengung der Paulinerkirche erfolgte am Donnerstag, dem 30. Mai 1968, um 9.58 Uhr. Die Trümmer wurden in der Etzoldschen Sandgrube in Probstheida entsorgt. Quelle: K. E. Ullrich
Leipzig

Gudrun Vogel lebt draußen vor den Toren der Stadt. Idyllisch ist ihr Zuhause gegenüber vom Abtnaundorfer Park. Es ist aber auch eine Art Rückzug aus dem Trubel des Lebens. Seit dem frühen Tod ihres Lebenspartners, des Holzbildhauers Volker Baumgart (1944–2005), hat sich Gudrun Vogel weitgehend zurückgezogen und ihre Profession aufgegeben. Sie hausiert auch nicht mit ihrer Geschichte. Wird sie gefragt nach ihrem Leben und Erleben, ist sie freilich gern bereit, sich zu erinnern.

Anstellung in der Bildstelle der Karl-Marx-Universität

Begonnen hatte alles in den 1960er-Jahren. Die junge Frau, damals Anfang 20, war nach Leipzig gekommen, um Fotografin zu werden. Ihrem Vater – ein wohlhabender Landwirt aus Döbeln – gefiel das gar nicht. Auf Grund der „Großbauern-Herkunft“ – „Ich war ein Ausbeuterkind“ – durfte die Tochter kein Abitur machen. Sie ging trotzdem ihren Weg und wurde nicht, wie es auch hätte passieren können, Geflügelzüchterin, sondern bekam eine Anstellung in der Bildstelle der Karl-Marx-Universität und legte an der Volkshochschule das Abi ab. Im Jahr 1969 wurde sie zum Studium der Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst angenommen. Nach Abschluss arbeitete sie freischaffend für Verlage und die Denkmalpflege und außerdem viele Jahre als Bildredakteurin für die „Leipziger Blätter“. An den Fachhochschulen in Schneeberg und Burg Giebichenstein hatte sie Lehraufträge.

Von zwei unbekannten Personen abgeholt

Gudrun Vogel erzählt die Hintergründe des Entstehens der letzten Fotografien von der Unikirche. Sie wurde in den Tagen vor der Sprengung von zwei ihr unbekannten Personen abgeholt und musste Fotos anfertigen – von Kreuzgang, Orgel, Säulen, Gewölbe und den Kunstwerken. Während sie den Job machte, wurden schon die Löcher für die Sprengladungen in die Wände gebohrt. „Ein höllischer Lärm“, erinnert sie sich. Mit derartigem Erleben äußerte sie ihren Unmut über die bevorstehende Vernichtung – und wurde während der Sprengung in die Dunkelkammer „gesperrt“. „Ich war dort gut bewacht von einer strammen Genossin und musste Fotos ditschen.“

Fotos erst ab 1988 öffentlich

Am Tag danach fotografierte sie die Trümmer von St. Pauli. Die Fotos – auch die, die ein Kollege mit ihrer Privatkamera von der Sprengung angefertigt hatte – fanden erst 1988 den Weg in die Öffentlichkeit bei einer Ausstellung in der Hal- berstädter Martinikirche. Die Ausstellung hieß „Du sollst nicht töten“. In diese Zeit fällt auch, initiiert von Bernd-Lutz Lange und Gunter Böhnke anlässlich ihres ersten gemeinsamen Kabarettprogramms, die Ausstellung mit Stadtansichten im Academixer-Keller, wo in Leipzig erstmals nach dem Tag der Kirchensprengung wieder ein Foto des unzerstörten Gotteshauses zu sehen war. Darauf schrieb Gudrun Vogel „… davor“. Bis dahin hatte sie alles, was mit der Unikirche zu tun und sie aufbewahrt hatte, versteckt: „Ich war doch ein gebranntes Kind und wollte in Ruhe meine Arbeit machen.“

Beim Besuch in ihrem Zuhause zeigt sie dann noch die überlebensgroßen Holzskulpturen, die Volker Baumgart geschaffen hat. Sie stehen seit Jahren ungesehen und in Gefahr, vom Holzwurm befallen zu werden, in Keller und Garage. Zu gern würde Gudrun Vogel diese Kunst präsentiert sehen. Ihre eigene, so scheint es, ist ihr nicht mehr so wichtig. Sie kümmert sich viel lieber um die Blumen im Garten und pflanzt und erntet Tomaten.

Von Thomas Mayer

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