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Lokales Fragwürdige Aktion am Limburger Steg: Stadt pfeift Nutria-Fänger zurück
Leipzig Lokales Fragwürdige Aktion am Limburger Steg: Stadt pfeift Nutria-Fänger zurück
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22:33 09.03.2015
Am Limburger Steg hat ein älteres Paar Nutrias gefangen. (Symbolfoto) Quelle: André Kempner
Leipzig

"Gegen 14.15 Uhr bin ich Augenzeugin einer Nutria-Fangaktion durch ein älteres Paar geworden", berichtet die 33-jährige Anwohnerin. "Die männliche Person in grünen Latzhosen lockte die zahmen Nutrias mit Brot - in der einen Hand ein Netz haltend. Aus einem Eisenkäfig war das klägliche Schaben und Quietschen eines bereits gefangenen Nutrias zu hören." Die Begleiterin des Mannes habe erzählt, sie hätten aus einem Bau 35 der vegetarisch lebenden Nagetiere geholt.

Für Franziska Meinert war das ein Unding. Deshalb blieb sie vor Ort, schaute den Tierfängern zu - bis diese sie beschimpften. Sie seien doch Nutria-Züchter, hätten eine Fangerlaubnis, ausgestellt von der Stadt Leipzig. Nur zeigen wollten sie diese nicht. Die couragierte Anwohnerin machte sich beim Amt für Stadtforsten kundig. Dort wurde tatsächlich die Fangerlaubnis bestätigt. Allerdings sei das Pärchen aus dem Landkreis Leipzig von vornherein verpflichtet worden, mit der "für eine dicht bewohnte Lage in einer Großstadt notwendigen Sensibilität" vorzugehen. Daran hätten sich die Fänger nicht gehalten, erklärte Stadtförster Andreas Sickert auf LVZ-Nachfrage. "Wir hatten auch Bürgerbeschwerden im Stadtbezirksbeirat Südwest. Wer sich am helllichten Nachmittag hinstellt und vor den Augen von Familien mit Kindern Wildtiere einfangen will, der ist nicht sensibel vorgegangen. Deshalb haben wir die Erlaubnis soeben widerrufen", sagt er. "Wir stellen auch keine neue mehr aus."

Im Gegensatz zu den Bisamratten, die aus Nordamerika stammen, etwas kleiner sind und einen platten Schwanz haben, würden die in Südamerika beheimateten Nutrias in Leipzig so gut wie keine Schäden an den Ufern anrichten. "Das haben wir bei regelmäßigen Befahrungen der Flüsse, die gemeinsam mit der Landestalsperrenverwaltung und dem Veterinäramt durchgeführt werden, eindeutig festgestellt", betonte Sickert.

Da die letzten beiden Winter sehr mild ausfielen, sei die Population gegenwärtig stark angewachsen. "Allein im Bereich der Weißen Elster nahe dem Limburger Steg hatten wir die Anzahl bei der jüngsten Bootstour auf etwa 200 geschätzt." Wild lebende Nutrias kämen mit großer Kälte aber nicht klar. "Ein richtiger Winter - und die Population ist wieder winzig, mitunter gar nicht mehr da. Jedoch baut sie sich später schnell wieder auf, denn ein Muttertier kann über 20 Junge pro Jahr bekommen."

Während viele Kinder und Erwachsene - trotz aller Aufrufe, das zu unterlassen - die Nutrias mit Brotresten oder Möhren füttern, beschweren sich andere über eine vermeintliche Plage bei den Behörden. "Fakt ist, dass eine Bejagung weder notwendig noch zielführend wäre. Nachdem das Züchterpaar bei uns angefragt hatte, dachten wir aber - um den Beschwerden nachzukommen, kann es nicht schaden, wenn der Bestand etwas verringert wird", sagte Sickert. Doch der Test habe offenbar nicht funktioniert.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.03.2015

Jens Rometsch

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