Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales "Franzi und die Wahl-Oma“ ziehen durch Leipzig
Leipzig Lokales "Franzi und die Wahl-Oma“ ziehen durch Leipzig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 22.07.2017
Christel Schimmele und ihr „Erstlingswerk“, mit dem sie Alt und Jung gleichermaßen zur Entdeckungstour durch Leipzig einlädt.  Quelle: Foto: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Es ist kein klassisches Buch der Regionalliteratur. Und doch geht es um Leipziger Stadtgeschichte. Es richtet sich auch nicht an Jung oder Alt. Es versteht sich generationsübergreifend: In „Franzi und die Wahl-Oma“ hat Christel Schimmele Geschichten in und um Leipzig herum methodisch geschickt verwoben.

Da ist einerseits Franzi, die es durch einen Umzug mit ihren Eltern in die Pleißestadt verschlagen hat – weg von Berndorf, weg von Freunden und vertrauten Schulkameraden, Omas und ihren Tieren. Die Zehnjährige ist in einer Stadt gelandet, in der ihr alles fremd ist; wo sie sich zunächst sehr einsam fühlt. Aber andererseits ist da auch eine komische alte Frau, die alleinstehende Marita Berger, die im gleichen Haus wohnt wie Franzi. Die versteht das Kind nur zu gut – sie selbst kam erst vor vier Jahren in ihre Heimatstadt zurück, nachdem sie längere Zeit in Baden-Württemberg gelebt hatte. In Leipzig hatte sich zwischenzeitlich viel verändert, auch der alten Dame waren die Freunde und Bekannten von einst abhanden gekommen. Kurz – da finden sich nun zwei, die wissen beziehungsweise erfahren, wie schwer so ein Neuanfang ist. Sie werden zu Protagonisten in 28 Geschichten – lustige, ernste, spannende, vergangenheits- wie gegenwartsbezogene –, in denen je eine Leipziger Örtlichkeit vorgestellt wird. Wobei „ich jeweils versucht habe, sie etwas mit Action anzureichern und auszukleiden, damit auch Kinder neugierig werden“, wie Schimmele sagt.

Die Ur-Leipzigerin kennt ihre Stadt aus dem Effeff, lässt ihre Frau Berger praktischerweise als Gästeführerin daherkommen. Durch diese lernt Franzi (und der Leser) zum Beispiel die Kleinmesse, den Kanupark in Markkleeberg und die Oper kennen; erfährt Interessantes über die Entstehung von Neuseenland, Kulkwitzer See und Zoo sowie über den Naturschutz in der Stadt und das Imkern auf Dächern. Und über Persönlichkeiten. Wie Bach oder den Optikermeister Truckenbrod und die Glockenmänner auf dem Kroch-Hochhaus. Franzi genießt – mit Wahl-Omi Bergers Hilfe – das quirlige Treiben auf der Buchmesse, wo sie sogar ihre Lieblingsautorin Katarina Mazetti trifft. Selbst das Ariowitsch-Haus, ein Fußballverein sowie Polster und Pohl, wo „Träume erfüllt werden“, sind Thema im Buch. Nicht zuletzt inspiriert die LVZ-Schlingelseite das Duo zum Ausflug ins Werk II. Ein russisches Mädchen, Mila, die eines Tages neu in die Klasse kommt, gewinnt in Franzi eine Freundin, die beim „Eingewöhnen“ hilft. Und kriminell wird’s an einer Stelle sogar auch: Nämlich als Franzi per Kamera einen Dieb zufällig aufnimmt.

Christel Schimmele, Jahrgang 1943, arbeitete früher als studierte Sonderpädagogin mit hörgeschädigten Kindern. Von 1991 an bis 2010 lebte sie – wie ihre Buchakteurin Marita Berger auch mal – in Baden-Württemberg. Dann aber zog es sie ins geliebte Leipzig zurück. Sie hat einen Sohn und einen Enkel und ist gegenwärtig als Reiseleiterin auf Kreuzfahrtschiffen auf Achse. Literarisch schon von jeher ambitioniert, habe sie sich nun aber auch einen ihrer Lebensträume erfüllt und in diesem Jahr mit „Franzi und die Wahl-Oma“ ihr erstes Buch veröffentlicht, das eine Hommage an ihre Heimatstadt sein soll, gestaltet mit etlichen Fotos und kleinen, liebevollen Zeichnungen von Christel Kaphengst.

„Es ist ein Buch, in dem ich bewusst nicht alles, was Leipzig zu bieten hat, aufgenommen habe“, erklärt Schimmele. „Es soll in einem Projekt münden, das Kinder zum Lesen und Fortschreiben anregt, selbst Geschichten zu ihren Lieblingsplätzen zu entwickeln“, meint sie. So nach dem Motto: Wer will Franzi helfen, weiteres Tolles in Leipzig zu entdecken? Dafür geht die 74-Jährige auf Lese-Tour in Schulen. In der Clara-Schumann-Schule wiederum hat Künstlerin Mona Ragy Enayat mit dem Nachwuchs – projektmäßig – schon begonnen, entsprechende Bilder zu Schimmeles Publikation zu malen, was im neuen Schuljahr fortgeführt werden soll. Schimmele lächelt: „Vielleicht kommt so ja gar ein neues Buch zustande?“

Auf ihr Premieren-Werk jedenfalls gab es bereits positive Reaktionen. „Ich möchte das Buch empfehlen, weil es auf nette Weise mit Leipzig bekannt macht und sogar Erwachsene daraus lernen können. Weil es für Neu- und sogar Altleipziger eine Anregung ist, die Stadt und ihre Umgebung zu erkunden“, findet etwa Karin Türpe, die wie Schimmele gleichfalls aus der schreibenden Zunft des Leipziger Dachverbandes Altenkultur stammt.

„Franzi und die Wahl-Oma“, Christel Schimmele, Verlag Osiris-Druck Leipzig,135 Seiten., 12,80 Euro. Beziehbar über ISBN 978-3-941394-59-9, bei Amazon, oder über die Autorin selbst unter E-Mail Christel.Schimmele@gmx.de, worunter auch gern weitere Lesungen angefragt werden können.

Von Angelika Raulien

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In der Debatte um die linksalternative Szene in Leipzig meldet sich auch der FDP-Politiker und Vorsitzende der Fraktion Freibeuter im Leipziger Stadtrat, René Hobusch, zu Wort. Für ihn sollten Gerichte entscheiden, nicht Politiker.

19.07.2017

Sushi gegen Humor: Noch bis Freitag können Gäste in der Alten Schlosserei speisen - und mit Witzen bezahlen. Ein südkoreanischer Koch macht's möglich.

19.07.2017

Leipzig sei ein „Biotop“ für Linksextreme, sagt Sachsens Innenminister Ulbig. Ob ihre Szenetreffs geschlossen werden sollen, will er prüfen lassen. Bundesjustizminister Maas hatte zuvor vor einer zu schnellen Kriminalisierung gewarnt

19.07.2017
Anzeige