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Lokales Frau Amers Gespür für Technik
Leipzig Lokales Frau Amers Gespür für Technik
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14:13 30.09.2018
Gut angekommen in ihrer neuen Heimat Leipzig: die IT-Expertin Lara Amer aus Syrien. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Als Lara Amer am 28. Juni 2017 das Gebäude in der Straße Großer Brockhaus 1 verließ, fuhren die Gedanken Karussell. Die 36-Jährige konnte es kaum fassen: Sie hatte soeben einen Job bekommen! „Ich war so aufgeregt, dass ich mich auf dem Weg verlaufen habe“, sagt sie heute und lacht. Die Geschichte der Frau, die vor drei Jahren aus Syrien nach Leipzig kam, steht beispielhaft dafür, was passieren kann, wenn Geflüchtete ihr berufliches Schicksal in die Hand nehmen und Unternehmen sich für Integration stark machen.

36-Jährige betreut Versicherung

Seit dem 5. Juli letzten Jahres ist Amer im Managed-Service-Team von Allgeier Experts angestellt, dem bundesweit etablierten Personaldienstleister, der seine Technologieexperten für einen bestimmten Zeitraum Unternehmen überlässt. Die Syrerin betreut am Leipziger Standort des IT-Dienstleisters Computacenter einen Versicherungskonzern. Wer hier mit einer technischen Störung zu kämpfen oder Fragen zu spezifischen Anwendungen hat, wendet sich an sie. „Es macht mir großen Spaß und ich fühle mich sehr wohl“, sagt die Neu-Leipzigerin, die in Syrien ein IT-Studium absolvierte.

Bis zum Sommer 2017 deutete sich für Amer und ihren Mann Shadi noch keinerlei Perspektive an. Das Ehepaar hatte zwei Jahre zuvor seine Heimatstadt Swaide – 100 Kilometer südlich von Damaskus – wegen des Krieges verlassen. Auch das Datum ihrer Ankunft in Leipzig hat sie sofort parat: Es war der 21. September 2015. Zunächst kamen beide bei ihrem seit 13 Jahren in Leipzig lebendem Bruder unter. Das Ziel für sie war klar: So schnell wie möglich Deutsch lernen. Doch obwohl Amer einen sechsmonatigen Kurs mit „gut“ absolvierte, „habe ich mich sehr unsicher gefühlt und hatte Hemmungen, mich auf Deutsch zu unterhalten.“

Auf längere Sicht, das wusste sie längst, konnte sie sich nur durch ein Studium oder einen Job weiterentwickeln. Also bewarb sie sich beim Verein Uni-Assist für einen studienvorbereitenden Deutschkurs – mit Erfolg. „Seit diesem Kurs klappt es besser“, konstatiert die junge Frau, die offenbar vor allem eins ist: zielstrebig. Auf einer Internet-Jobbörse fand sie eine Anzeige von Allgeier Experts; am nächsten Tag brachte sie ihre Unterlagen vorbei.

Ein Glücksfall für alle Seiten, wie sich herausstellte. Denn das Unternehmen beteiligt sich an der bundesweiten Initiative „Charta der Vielfalt“, und Geschäftsführer Patrick Mildner legt Wert auf Diversität und Gleichberechtigung am Arbeitsplatz, wie er betont. „Im Zuge der Flüchtlingswelle sind viele junge IT-Talente wie Lara zu uns gekommen, die über ein sehr gutes Vorwissen verfügen und helfen können, den Fachkräftemangel in der Branche zu beheben.“

Vom Arbeitseifer begeistert

Mit ihrem guten Englisch und dem Studium an der Syrian Virtual University (Bachelor in Informations-Technologie) wurde der Einstieg für Lara Amer leichter. Schritt für Schritt arbeitete sich die Syrerin im Computacenter AG & Co. OHG ein. Deren Projektleiter Michael Mertens ist voll des Lobes über die neue Kollegin. „Wir sind begeistert und beeindruckt, wie viele Anfragen Frau Amer an einem Tag bearbeitet“, sagt der Operations Manager. Bislang läuft der IT-Support noch via Mailverkehr, bis sich das fachspezifische Deutsch der Beraterin weiter verbessert hat. Mertens kann sich gut vorstellen, die Expertin über den mit Allgeier vereinbarten Zeitvertrag hinaus zu beschäftigen.

Eine Wandlung im Leben also, die für die freundlich-zurückhaltende Frau mit dem Gespür für Zahlen und Technik vor gut einem Jahr schwer vorstellbar schien. Eine Wandlung, die Offenheit und Engagement auf allen Seiten entspringt. Allmählich fühlt sich Lara als Leipzigerin. Besonders mag sie den Markkleeberger See und das Völkerschlachtdenkmal. Und die Leipziger? „Ich empfinde sie als sehr freundlich“, so Amer, „bislang habe ich auch nie irgendeine Form von Ausländerfeindlichkeit gespürt.“

Um sich weiterzuentwickeln, bleibt sie am Drücker: In einem halben Jahr hofft sie die vollständige Anerkennung der Zertifikate aus ihrer Ausbildung in Syrien erreicht zu haben. „Und dann werde ich sehen, wie es weitergeht.“ Wann auch immer die nächste Entwicklung kommt – das Datum dazu wird bei Lara Amer ganz sicher stets abrufbar sein.

Von Mark Daniel

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