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Lokales Frauen in Leipzig verdienen deutlich weniger als Männer – Trinkgewohnheit gleicht sich an
Leipzig Lokales Frauen in Leipzig verdienen deutlich weniger als Männer – Trinkgewohnheit gleicht sich an
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17:02 13.02.2012
Leipziger Männer haben deutlich mehr in der Lohntüte als Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Gleichstellungsbericht „Frauen und Männer in Leipzig 2011“. Quelle: dpa
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Leipzig

Ein weiteres Resultat der Geschlechter-Studie: Bei der Lebenserwartung holen Männer auf – die Gründe dafür sind durchaus überraschend.

„Frauen überleben Männer heute im Durchschnitt nur noch um sechs Jahre. Vor 15 Jahren waren es noch 7,3 Jahre“, sagt Andrea Schultz, eine der Autorinnen der 2011 erstmals durchgeführten Untersuchung „Frauen und Männer in Leipzig“. Neben der Stadtverwaltung haben sich an der 112-Seiten-Studie auch Leipziger Hochschulen, Kammern und Unternehmen beteiligt.

Frauen greifen häufiger zu Alkohol und Nikotin

Mädchen, die 2010 in Leipzig geboren wurden, haben demnach eine Lebenserwartung von durchschnittlich 83 Jahren. Männer werden rund 77 Jahre alt. Im Jahr 1995 lag die Lebenserwartung noch bei 79 und 71 Jahren. Vor allem die zunehmenden Rauch- und Trinkgewohnheiten von Frauen hätten mit der Angleichung zu tun, erklärt Schultz. „Frauen passen sich den Verhaltensweisen der Männer an“, so die Abteilungsleiterin für Stadtforschung im Amt für Statistik und Wahlen.

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Leipzig. Die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen in Leipzig wächst: Im Alter zwischen Ende 20 und Ende 30 beträgt sie im Schnitt mittlerweile knapp 300 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Gleichstellungsbericht der Stadt, der am Montag im Rathaus vorgestellt wurde. Ein weiteres Resultat der Geschlechter-Studie: Bei der Lebenserwartung holen Männer auf – die Gründe dafür sind durchaus überraschend.

Bei den Männern habe sich die gesundheitliche Lage in den letzten Jahren etwas gebessert. Dennoch würden Frauen nach wie vor insgesamt gesünder und weniger riskant leben, was sich auch auf die Lebenserwartung auswirke. „Aber der Trend ist gegenläufig, zumal Frauen und Männer gleichermaßen mehr Stressbelastungen im beruflichen Leben ausgesetzt sind“, meint Schultz.

Uni-Absolventinnen verdienen im Schnitt 1670 Euro – Männer 2015 Euro

Während sich die Lebenserwartung langsam annähert, wird bei den Einkommen die Geschlechter-Schere nach Jahren der Angleichung wieder größer. Verdienten erwerbstätige Männer in Leipzig 2009 noch 14 Prozent mehr als Frauen, stieg die Differenz im Jahr 2012 auf 17 Prozent an. Vor allem bei hochqualifizierten Arbeitnehmern wird der Lohnunterschied deutlich. Männer mit Hochschulabschluss verdienten 2010 im Durchschnitt rund 2015 Euro netto pro Monat – bei Frauen war es mit 1670 Euro ein Sechstel weniger. Elternzeiten klammerten die Forschern bei diesem Vergleich aus.

„Gerade im hochqualifizierten Bereich existieren für Frauen viele Hürden, um in gut dotierte Positionen aufzusteigen“, resümiert Schultz. Das zeige sich am deutlichsten an den Leipziger Hochschulen. Auf 749  Professorenstellen in der Messestadt kommen gerade einmal 143 Frauen.

„Eigentlich sollte bei drei Rektorinnen an unseren Hochschulen Chancengleichheit mittlerweile gar kein Thema mehr sein“, sagt Andrea Müller, Gleichstellungsbeauftragte der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK). Dennoch sei nach wie vor die Knappheit an Kinderbetreuungsplätzen in Leipzig bei der Vereinbarkeit von Familie, Studium und Beruf ein Problem. Auf dem Weg zur familienfreundlichen Hochschule setzt sich die HTWK daher seit Jahren für flexible Studien- und Arbeitszeiten ein und kooperiert mit campusnahen Kindereinrichtungen.

Leipzig ist weiblich: Auf 100 Männer kommen 108 Frauen

Passanten in der Leipziger Innenstadt: Männer profitieren bei der Jobsuche vom wirtschaftlichen Aufschwung stärker als Frauen. Quelle: Andreas Döring

Hauptgrund für den großen Lohnunterschied: Auf dem Arbeitsmarkt profitiert das vermeintlich schwache Geschlecht weniger vom wirtschaftlichen Aufschwung. Seit 2007 erhielten 3000 Leipziger Männer, aber nur rund 1000 Frauen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. „Hier gibt es Nachholbedarf“, sagt Genka Lapön, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Leipzig.

Um ein Zeichen zu setzen, hat sich Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller zum Ziel gesetzt, die Geschlechterverteilung innerhalb der Stadtverwaltung anzugleichen. So sei seit 2006 die Zahl der Amtsleiterinnen von 30 auf mittlerweile gut 40 Prozent gesteigert worden. „Wir sind hier mittlerweile gut aufgestellt. Es gibt aber Themen, an denen wir weiter arbeiten müssen. Kita-Plätze ist eines davon“, erklärt er im Gespräch mit LVZ-Online.

Ein echter Masterplan für den Arbeitsmarkt fehle bislang jedoch noch, räumt Müller ein. „Chancengleichheit ist in Verbindung mit Familienfreundlichkeit ein Standortvorteil für die Wirtschaft“, betont der Verwaltungsbürgermeister. Müller sieht jedoch vor allem Unternehmen und Hochschulen in der Pflicht, mehr Frauen in gehobenen Positionen einzustellen. In der Leipziger Bevölkerung hätten sie schließlich die Überhand: Auf 100 Männer kommen laut Geschlechter-Studie in der Messestadt 108 Frauen.

Robert Nößler

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