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Lokales Frauenpower beim Leipziger Lichtfest
Leipzig Lokales Frauenpower beim Leipziger Lichtfest
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15:36 31.08.2018
Ziehen für den Tag der Friedlichen Revolution an einem Strang: (von links) LTM-Geschäftsführer Volker Bremer, Lichtfest-Chefin Marit Schulz, „Initiative ’89“-Sprecher Michael Kölsch, Bürgerrechtlerin Gesine Oltmanns, Dirigentin Eva Meitner, künstlerischer Lichtfest-Leiter Jürgen Meier und Oberbürgermeister Burkhard Jung. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Der 9. Oktober steht in Leipzig ganz im Zeichen der Erinnerung an die Friedliche Revolution. Höhepunkt dieses städtischen Feiertages, der an die entscheidende Montagsdemonstration im Herbst 1989 zum Sturz der SED-Herrschaft in der DDR erinnert, ist das Lichtfest auf dem Augustusplatz, das im Anschluss an das Friedensgebet und die Rede zur Demokratie in der Nikolaikirche nunmehr zum zehnten Mal stattfindet.

Die Predigt hält in diesem Jahr Markus Meckel (SPD). Er war nach der ersten freien Wahl 1990 in der DDR Außenminister und gehörte später für viele Jahre dem Bundestag an. Für die traditionelle Rede zur Demokratie konnten die Veranstalter die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) gewinnen, die als Vize-Vorsitzende des Gesamtdeutschen Einheitsausschusses maßgeblich an der Wiedervereinigung beteiligt war. Daneben erwarten die Besucher an diesem Tag Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, Lesungen und Installationen. Veranstalter des Lichtfestes sind die Stadt Leipzig, die Initiative „Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober 1989“ sowie die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM).

Prominente Gäste in der Nikolaikirche

Von der Nikolaikirche hatte sich auch am 9. Oktober 1989 ein friedlicher Protestzug in Bewegung gesetzt, dem sich mehr als 70 000 Menschen auf dem Innenstadtring anschlossen. Es war die bis dahin machtvollste Demonstration gegen den DDR-Machtapparat. An diesem Tag, erinnerte sich die Bürgerrechtlerin Gesine Oltmanns gestern bei der Vorstellung des Lichtfest-Programms, sei ihr klar geworden, „das kann ein Staat nicht mehr aufhalten“. Einen Monat später fiel die Berliner Mauer.

Jedes Jahr setzt sich das Lichtfest inhaltlich mit einem Thema auseinander, das im Wendeherbst 1989 die Menschen bewegte. Diesmal, so Lichtfest-Leiterin Marit Schulz, gehe es um Partizipation und dabei speziell die Teilhabe von Frauen in der Gesellschaft. Denn 2018 jährt sich zum 100. Mal die Einführung des Frauenwahlrechts. Frauen stehen aber nicht nur thematisch im Mittelpunktes des Programms, sondern sie gestalten es auch maßgeblich. Geballte Frauenpower also am 9. Oktober! Im Vorfeld seien dazu zahlreiche Zeitzeuginnen befragt worden. Auszüge aus diesen Interviews werden fünf Schauspielerinnen vortragen. Diese Erzählpassagen bettet der künstlerische Leiter des Lichtfestes, Jürgen Meier, in eine Inszenierung aus Musik- und Videobeiträgen ein. Ein aus 24 Musikerinnen bestehendes Orchester unter Leitung der Dirigentin Eva Meitner spielt dabei Werke von fünf Komponistinnen. Mit dem Lichtfest, so Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) gestern, habe Leipzig eine Form der Würdigung der Friedlichen Revolution gefunden, die ihresgleichen sucht und international beachtet wird. „Das ist kein Stadtfest, kein Bratwurstfest, das ist kein feucht-fröhliches Biertrinken, sondern ein sehr ernsthaftes Bemühen um eine Erinnerungskultur, die uns wirklich auszeichnet“, sagt er.

Debatte um Neuausrichtung des Lichtfestes

Aktuell setzt sich der Stadtrat mit der inhaltlichen Ausrichtung des Lichtfestes auseinander. Jung: „Ich plädiere dafür, dass wir die Größe und den Mut haben, künstlerische Sprache zuzulassen“ und „nicht leichtfertig zerreden, was hier gelungen ist“. Sowohl der OBM als auch der Sprecher der „Initiative ’89“, Michael Kölsch, sprachen sich dafür aus, die Stadträte künftig an der Gestaltung der Gedenkveranstaltung zu beteiligen. Kölsch schloss eine Mitarbeit von Stadträten in der Initiative nicht mehr aus. Noch im vergangenen Jahr, als mit dem Austritt des Bürgerrechtlers Uwe Schwabe interne Diskrepanzen über den Kurs zum Lichtfest öffentlich wurden und die CDU-Fraktion daraufhin die Mitgliedschaft in der Initiative beantragte, war dieser Wunsch abgelehnt worden. „Man kann auch dazulernen“, sagte Kölsch und warb zugleich dafür, die künstlerische Auseinandersetzung mit der Friedlichen Revolution nicht infrage zu stellen. Nur so sei es möglich, „die Botschaft von ’89 nicht nur rational, sondern emotional und in einer Tiefe zu verarbeiten, die kein Museum erreicht“.

Von Klaus Staeubert

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