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Lokales Frauenverein startet eigenes Männerprojekt
Leipzig Lokales Frauenverein startet eigenes Männerprojekt
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00:37 23.03.2018
Multikulturell sind die Mitarbeiter um Geschäftsführerin Anke Kästner (2.v.r.) des „Internationale Frauen Leipzig e.V.“ – genauso ist auch die Arbeit des Vereins.   Quelle: Foto: Andre Kempner
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Leipzig

Erst vor wenigen Wochen feierte der Verein sein zehnjähriges Bestehen, schon haben Anke Kästner und ihr Team vom Verein „Internationale Frauen Leipzig“ das nächste große Projekt in den Startlöchern. „Die Notwendigkeit, ein Angebot auch für Männer zu initiieren, ist deutlich spürbar“, erklärt Anke Kästner. Und weil sie ein Freund der Taten statt der leeren Worte ist, kann sie vom künftigen „Männer- und Jungentreff Leipziger Osten“ berichten. Das Projekt wurde nun für ein Jahr bewilligt. Gefördert wird es vom Sächsischen Sozialministerium.

„Ab April können wir die zusätzlichen Räumlichkeiten renovieren, einrichten und beziehen“, erklärt Kästner. Unweit des jetzigen Vereinsdomizils, direkt im Hinterhof gelegen, werden künftig einzig und allein Männer und Jungen beraten, begleitet und informiert.

Dass sich ein Frauenverein um die Belange der Männer kümmern muss, zeigt die Entwicklung des Vereins. 70 Prozent der Migranten, die sich an die Mitarbeiter in der Konradstraße wenden, sind bereits jetzt Männer. „Das wiederum hatte zur Folge, dass manche Frauen nicht mehr gekommen sind“, berichtet die Geschäftsführerin von verschiedenen Kulturkreisen und deren Bedeutung. Um irgendwann alle unter einem Dach zu haben, sei erst einmal eine klare Trennung nötig, so Kästner. Erklärtes Ziel ist ein eigenständiger Verein, den „Internationale Männer Leipzig e.V.“.

Bis es soweit ist, agieren Anke Kästner und ihre Mitarbeiter als Trägerverein. Sie decken künftig auch die Beratung der Männer ab. „Dafür haben wir zwei Männer aus dem Irak eingestellt, die sich auch jetzt schon in der Beratung und Begleitung engagieren. Hinzu kommen zwei weitere Mitarbeiterinnen.“ Dass Frauen als Ansprechpartner für männliche Migranten gelten, hält Kästner für einen Gewinn. Es habe sich bereits in den vergangenen Jahren bewährt. Im Juni soll der Männer- und Jugendtreff offiziell an den Start gehen.

15 Mitarbeiter kümmern sich

Vor Kurzem feierte der Verein „Internationale Frauen Leipzig“ sein zehnjähriges Bestehen. 15 Mitarbeiter kümmern sich täglich um 70 bis 100 Männer und Frauen, vorrangig Migranten. Kästners Mitstreiter kommen selbst aus aller Herren Länder: Irak, Russland, Kasachstan, Vietnam, Türkei, Brasilien. Die Liste ist lang. Muss sie auch, sagt die Geschäftsführerin. „Der Schlüssel, damit es funktioniert, ist die Sprache“, sagt sie. Nur, wer sich verstanden fühlt und angehört wird, öffne sich und komme voran. „Deswegen nützen uns deutsche Mitarbeiter, die zwar ausgebildete Sozialarbeiter sind, aber weder Erfahrung mit Migranten noch deren Kultur und Sprache haben, wenig.“

Seit zehn Jahren gilt der Verein somit als Anlaufstelle für all diejenigen, die Beratung, Hilfe, Begleitung oder einfach ein offenes Ohr brauchen. Mit der Zeit bauten sich Anke Kästner und ihr Team ein großes Netzwerk auf, pflegen Kontakte zu Organisationen und Einrichtungen. Nur so war es ihnen möglich, Migranten teilweise den ersten Job überhaupt zu vermitteln. Viel mehr geht es aber um das Miteinander. Und das musste das Team schon frühzeitig lernen: Toleranz ist das A und O, vor allem, wenn unterschiedliche Kulturkreise aufeinander treffen. Gerade das sei aber das Schöne an ihrer Arbeit, findet Anke Kästner.

Nicht zuletzt leistet der Verein einen enormen Beitrag zum Leben in der Stadt. Das zeigte sich vor allem, aber nicht erst mit der Flüchtlingswelle im Jahr 2014. Jeden Tag neu sorgt der Verein dafür, unverzichtbar zu werden. Mit einem Angebot für Männer nun einmal mehr.

Von Stephanie Helm

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