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Lokales Freiheitsdenkmal auf dem Matthäikirchhof – geteiltes Echo bei Bürgerrechtlern
Leipzig Lokales Freiheitsdenkmal auf dem Matthäikirchhof – geteiltes Echo bei Bürgerrechtlern
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08:14 22.02.2017
Uwe Schwabe, Gisela Kallenbach, Friedrich Magirius, Gesine Oltmanns (von oben links im Uhrzeigersinn).  Quelle: André Kempner / Stephan Bickhardt
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Leipzig

 Uwe Schwabe hält ein Denkmal, das an ein einmaliges Ereignis wie die Friedliche Revolution erinnert, für sehr wichtig. „Zeigt es doch, dass ein Volk gegen Unterdrückung erfolgreich aufbegehren kann. Das ist ein Vermächtnis für die Zukunft und hat ein würdiges Gedenken verdient“, sagt er – und warnt den Oberbürgermeister und die Verwaltung davor, die das erste Verfahren in den Sand gesetzt haben, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. „Wenn es einen
neuen Anlauf für ein Denkmal geben soll, dann muss er aus der Bürgerschaft kommen und auch von dort getragen werden. Und es muss völlig offen sein, was im Endeffekt entsteht“, so der Bürgerrechtler. Das beziehe sich auch auf die Idee eines „Campus für Demokratie“. „Jetzt damit an die Öffentlichkeit zu gehen, wo der Prozess der Ideen- und Namensfindung erst begonnen hat, ist ein großer Fehler“, betont Schwabe und klagt in diesem Zusammenhang über die „Unfähigkeit der Verwaltung“.

Gisela Kallenbach, Bürgerrechtlerin und langjährige Grünen-Landtagsabgeordnete, kann sich mit der Idee eines Denkmals überhaupt nicht anfreunden. „Denkmäler haben noch nie etwas für die Zukunft bewirkt. Ganz viel zu berichten und zu erzählen, damit die junge Generation lernen kann, ist doch wichtiger als ein materielles Denkmal.“ Eine Verbindung mit einem „Campus der Demokratie“ wäre für sie das Mindeste.

Pfarrer Stephan Bickhardt hingegen findet den „zweiten Versuch für ein Einheits- und Freiheitsdenkmal“ enorm wichtig. „Ich würde der Stadt empfehlen, eine Begleitung des Prozesses in öffentlichen Bürgerforen zuzulassen.“ Mit dem Matthäikirchhof könne er sich ebenfalls anfreunden. „Er ist ringnah und in der Nähe der Runden Ecke. Ein Denkmal wäre dort touristisch besser wahrzunehmen als auf dem Leuschnerplatz.“ Wichtig ist ihm auch, dass sich Leipzig klar positioniert und den Geist der Friedlichen Revolution wachhält.

Gesine Oltmanns von der Stiftung Friedliche Revolution verweist auf die überregionale Bedeutung. „Leipzig war 1989 ein Magnet für ganz Deutschland – dieses Denkmal hat überregionale Bedeutung.“

Das sieht auch Ex-Stadtpräsident und Superintendent i. R. Friedrich Magirius so. „Der Augustusplatz ist allerdings der eigentliche Platz, über den diskutiert werden müsste. Hier hat der Aufbruch Gestalt angenommen“, betont der 86-Jährige. Mit Säule und Brunnen vor der Nikolaikirche, die die Kulturstiftung Leipzig errichtet hat, werde bereits angemessen daran erinnert, wie der Aufbruch aus der Kirche auf die Straße erfolgte. Ein Denkmal gehöre aber auf den Augustusplatz. Der Matthäikirchhof kommt für ihn nicht infrage. Ein Forum Demokratie, ein Gebäude und Treffpunkt zum Diskutieren und zur Werte-Vermittlung – das kann sich Magirius vorstellen. Es gehe immer um Inhalte. „Ich bin erschrocken, dass die Stadt die Demokratiekonferenz verschoben hat. Hier können wir Lernprozesse weitergeben. Wie dringlich das ist, merken wir jetzt, wenn die Populisten ihre Keule schwingen.“

Rolf Sprink, langjähriger Direktor der Volkshochschule, ist zufrieden, dass die Debatte um das Denkmal wieder auflebt. Er sei sehr frustriert gewesen, als das Thema quasi zu den Akten gelegt wurde. „Der Matthäikirchhof bietet seit Jahren ein jämmerliches Bild. Für ihn wünsche ich mir sehr eine andere architektonische Lösung. Dort die sächsischen Stasi-Unterlagen aufzubewahren, halte ich für einen hochinteressanten Aspekt. Ich kann mir gut vorstellen, dies mit dem Freiheits- und Einheitsgedanken zu verbinden.“

Von Mathias Orbeck

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