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Freispruch für Leipziger Archäologen - er habe tödlichen Unfall nicht vorhersehen können

Freispruch für Leipziger Archäologen - er habe tödlichen Unfall nicht vorhersehen können

Vier Jahre nach dem tödlichen Unfall bei Ausgrabungen mitten in der Leipziger Innenstadt ist der verantwortliche Archäologe Peter H. (50) gestern freigesprochen worden.

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Gestern im Leipziger Landgericht: Archäologe Peter H. (links) mit seinem Verteidiger Andrej Klein.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Er habe den Einsturz einer 200 Jahre alten Mauer, unter der eine Helferin verschüttet wurde, nicht vorhersehen können, urteilte das Landgericht. Es hob damit den Schuldspruch der Vorinstanz auf.

"Dass eine Mitarbeiterin ums Leben kam, belastet meinen Mandanten enorm", sagte gestern zu Beginn des Berufungsprozesses Verteidiger Andrej Klein. Er sprach von einem tragischen Unglücksfall an jenem 4. Mai 2009. Gegen 10.45 Uhr war auf der Baustelle unweit vom Bildermuseum, wo später das Katharinum als sogenannte Winkelbebauung entstand, eine etwa drei Meter hohe und 70 Zentimeter breite Mauer eingestürzt. Erika U. (56) - als ABM-Kraft beim Landesamt für Archäologie beschäftigt - wurde von den Trümmern begraben. Sie erlag um 13.10 Uhr ihren schweren Verletzungen im Krankenhaus.

"Nicht bei jedem tragischen Unglücksfall muss es aber auch einen Schuldigen geben", so der Verteidiger gestern weiter. Wie berichtet, hatte das Amtsgericht im März 2011 Peter H. wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Es ging aber von einem sehr geringen Grad seines Verschuldens aus und hielt eine Verwarnung für angemessen. Die Verhängung einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 50 Euro wurde vorbehalten. Das Gericht war der Auffassung, dass das Umkippen der Mauer vorhersehbar und vermeidbar gewesen sei und der Archäologe geeignete Sicherheitsmaßnahmen hätte ergreifen müssen. Es stützte sich dabei auf das Gutachten eines Statikers.

Gegen die Entscheidung legte der Österreicher Peter H., der in Leipzig lebt, Berufung ein. Das Ziel: Freispruch. Und auch die Staatsanwaltschaft war nicht einverstanden, weil sie die Verwarnung für "nicht ausreichend" hielt. So mussten gestern noch einmal viele Zeugen zu dem tragischen Ereignis vor dem Landgericht Rede und Antwort stehen. Augenzeuge Klaus-Dieter M. (64) befand sich damals nur wenige Meter von dem Unglücksort entfernt in der Baugrube. "Ich stand allerdings mit dem Rücken zu der Mauer. Wie sie fiel, sah ich nicht. Ich hörte plötzlich ein Krachen." Er habe einen Schock erlitten, als er seine verschüttete Kollegin sah. "In ihrem Hüftbereich lag ein großer Klotz." Der Einsturz sei für ihn nicht vorhersehbar gewesen. "Sonst hätte ich doch dort nicht gearbeitet", sagte der 64-Jährige.

Keiner der Zeugen, resümierte gestern der Vorsitzende Richter Klaus Kühlborn, habe Anhaltspunkte für eine Gefahrensituation geschildert. Nach den Erkenntnissen eines weiteren Gutachters - das Landgericht hatte schließlich den Bausachverständigen Udo Böttiger eingeschaltet - war ein ganzes Bündel an Ursachen verantwortlich für den Einsturz der Mauer. Unter anderem die Schwächung der Wand, deren mangelnde Einbindung, massiver Regen. Böttiger zufolge wäre einem Bautechniker die Gefahrenquelle sicher rasch aufgefallen, einem Archäologen allerdings nicht. Der sei in solchen Dingen weder ausgebildet noch habe er Erfahrungen damit. Nach dem Gutachten Böttigers rückte auch Oberstaatsanwalt Lutz Lehmann vom Anklagevorwurf ab und plädierte auf Freispruch. "Die konkrete Situation war für den Angeklagten nicht bedenklich, um den Rat eines Statikers einzuholen." Aus dem Unglücksfall müssten jedoch dringend Schlussfolgerungen unter anderem für die Ausbildung von Archäologen gezogen werden, forderte er. Dieser Ansicht folgte das Gericht in jeder Hinsicht. "Es war ein Unglücksfall, für den niemand strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen ist", so der Richter.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.07.2013

Sabine Kreuz

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