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Lokales Freunde von Thomas Wagner jagen Betrüger Levy Vass
Leipzig Lokales Freunde von Thomas Wagner jagen Betrüger Levy Vass
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19:04 24.07.2018
So berichtete die slowenische Zeitung Nedeljske Novice über den Flugzeugabsturz von Unister-Chef Thomas Wagner und die Belohnung von 10.000 Euro zur Ergreifung des Betrügers Levy Vass. Quelle: Repro/Privat
Leipzig

Auf der Titelseite der größten slowenischen Boulevardzeitung war es am Wochenende das Aufmacherthema: 10.000 Euro Belohnung haben Freunde von Thomas Wagner ausgeschrieben, um den Mann zu finden, der den Unister-Chef vor seinem Tod um 1,5 Millionen Euro betrogen hat. Zwei Jahre nach dem Flugzeugabsturz, bei dem Wagner (38) und Firmenmitgründer Oliver Schilling (39) in Slowenien ums Leben kamen, ist der angebliche israelische Diamantenhändler Levy Vass noch immer nicht gefasst – trotz internationaler Fahndung. Die Hinterbliebenen treiben deshalb nun selbst Ermittlungen nach dem „Phantom“ voran und haben bereits erste Hinweise erhalten.

Handynummern, Fotos, Namen, Treffpunkte, Personenbeschreibungen – akribisch setzen Wagners einstige Weggefährten Puzzleteile zusammen, um dem mysteriösen Rip-Deal-Betrüger auf die Spur zu kommen. Informationen nehmen sie unter der E-Mail-Adresse levy.vass@posteo.net auch anonym und mit digitalem Verschlüsselungscode (0x53CA0031C3787CE8) entgegen. „Die Belohnung wird ausbezahlt, wenn es entscheidende Hinweise gibt, die zu einer Verhaftung und Verurteilung des Serienbetrügers führen“, sagte Konstantin Korosides, langjähriger Pressechef von Unister und enger Freund von Thomas Wagner, der LVZ. „Wir garantieren Vertraulichkeit“, betont er.

Freunde vermuten Serienbetrüger in Kroatien

Bis heute kann sich Korosides nicht erklären, warum sich Wagner auf den windigen Deal einließ. Einen Tag, bevor der Unister-Chef am 14. Juli 2016 mit einem Kleinflugzeug in Slowenien tödlich verunglückte, hatte er sich in einem Hotel nahe Venedig mit Vass getroffen. Es ging um einen Kredit über 15 Millionen Euro, der die in Schieflage geratene Leipziger Internetfirma (ab-in-den-urlaub.de, fluege.de) retten sollte. Als Sicherheit für eine Ausfallversicherung übergab Wagner 1,5 Millionen Euro in bar, erhielt jedoch statt der vereinbarten Anzahlung von vier Millionen Schweizer Franken einen Koffer mit überwiegend Falschgeld. Vass tauchte danach unter – auf Videoaufnahmen des Hotels ist er nur unscharf zu erkennen.

Der doppelseitige Bericht in der Zeitung Slovenske Novice über Thomas Wagner und die Fahndung nach Levy Vass. Quelle: Repro/Privat

Zwei Jahre ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Dresden bereits ohne Erfolg in dem Fall, weshalb sich Wagners Freunde zu dem außergewöhnlichen Schritt entschlossen. Von ihrem Aufruf, der am Samstag in der slowenischen Zeitung Nedeljske Novice abgedruckt war, erhoffen sie sich weitere Unterstützung. Von Vass haben die Hinterbliebenen inzwischen ein vages Bild gezeichnet. „Er benutzt nach unseren Erkenntnissen bis zu zehn oder mehr falsche Namen, ist wahrscheinlich um die 60 Jahre alt und 1,60 bis 1,70 Meter groß“, beschreibt ihn Korosides.

Der Aufenthaltsort des Serienbetrügers lasse sich nicht klar eingrenzen. Korosides nennt Kroatien – möglicherweise sein Heimatland – sowie Bulgarien, Rumänien, Slowenien, Italien, Österreich, Schweiz und auch Deutschland. Vass wohne wahrscheinlich in Urlaubsorten mit Meerzugang, möglicherweise Split in Kroatien, vermuten Wagners Freunde. Er soll einen Hang zu Luxusautos und -hotels, teuren Lederschuhen und -aktentaschen haben. Konkrete Hinweise gingen zu Handynummern ein, mit denen Vass seine Rip Deals eingefädelt hat. Italienische, kroatische und auch eine slowenische Prepaid-Karte soll der Betrüger bis Sommer 2016 zur Anbahnung seiner Eintausch- und Anzahlgeschäfte verwendet haben.

Generalstaatsanwaltschaft ermittelt parallel

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden sieht die privat organisierte Fahndung nach Levy Vass nicht als Konkurrenz zu ihren Ermittlungen. „Wir machen unabhängig davon unsere Arbeit und haben großes Interesse daran, den mutmaßlichen Täter zu fassen“, sagte Sprecher Wolfgang Klein am Dienstag auf LVZ-Anfrage. „Wenn Familie und Freunde es für sinnvoll erachten, das zu befördern, dann soll uns das recht sein. Ob das unseren Bemühungen hilft, wird sich zeigen.“

Der Mittelsmann von Levy Vass, Wilfried Sch. wurde 2017 zu mehr als drei Jahren Haft verurteilt. Quelle: Kempner

Ein deutscher Mittelsmann des Betrügers, Wilfried Sch., war 2017 vom Leipziger Landgericht zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Im Prozess gegen Sch. wurde auch ein Telefonmitschnitt zwischen Vass und einer Architektin aus dem Sauerland eingespielt, die 2016 ebenfalls auf den angeblichen israelischen Geschäftsmann hereinfiel und in Ljubljana um 100.000 Euro geprellt wurde. „Ich wundere mich, dass Thomas nicht herausgehört hat, dass sein Akzent kein israelisch-deutscher war, sondern ein Balkan-Akzent“, sagt Korosides heute. „Ich kann mir das nur damit erklären, dass er in der gesamten Situation einfach tierisch unter Stress stand.“

Ermittler haben keine Hinweise für Anschlag

Warum Wagners Flugzeug auf dem Rückweg nach Deutschland abstürzte, ist nicht abschließend geklärt. Hinweise auf einen Anschlag haben die slowenischen Behörden bislang nicht. Es gebe keine Belege für ein Verschulden von außen, etwa Manipulationen Dritter an der Maschine, sagte der slowenische Chefermittler Toni Stojcevski der Mitteldeutschen Zeitung.

Die Absturzstelle bei Predmeja. Quelle: dpa

Nach Informationen von Korosides hatte der Pilot der Piper PA-32 noch versucht, auf einer Straße im Wald notzulanden. „Wäre das gelungen, hätten die Insassen vielleicht trotz des Fehlens des Höhenruders, das wohl in der Luft abgebrochen ist, überlebt“, glaubt er. Gewissheit über die Absturzursache wird erst der Abschlussbericht aus Slowenien bringen. Er wird noch für dieses Jahr erwartet. Die Ermittlungen, so Stojcevski gegenüber der MZ, befänden sich aktuell in der „finalen Phase“.

Von Robert Nößler

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