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Lokales Freundin beteuert im „Joker“-Prozess: Tat passt nicht zum Angeklagten
Leipzig Lokales Freundin beteuert im „Joker“-Prozess: Tat passt nicht zum Angeklagten
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00:18 29.05.2016
Norman E. am Landgericht Leipzig. Quelle: Foto: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

„Diesen Psychoblick, diesen Gesichtsausdruck kannte ich gar nicht bei ihm“, berichtete am Donnerstag die Freundin des Angeklagten Norman E. am Landgericht. Der 25-Jährige muss sich wegen zweifachen Mordversuches in der Leipziger Virchowstraße verantworten. Am 24. September 2015 soll er in die Rolle des Bösewichts „Joker“ geschlüpft, sich wie die Film-Figur das Gesicht weiß mit blutrotem Mund geschminkt und mit einem Messer auf zwei Teenager eingestochen haben, die schwer verletzt überlebten. „Ich verstehe die Tat nicht, weil sie nicht zu ihm passt“, so die Bürokauffrau. Sie hatte Norman E. Anfang 2014 kennengelernt. Ab Juni waren sie ein Paar. Katrin N. wusste: Er ist Alkoholiker, aber trocken. „Norman ist ein offener, liebenswürdiger Mensch, man fühlt sich gleich wohl in seiner Nähe. Er hat die Papa-Rolle für meinen Sohn gut ausgefüllt“, schilderte die 28-Jährige. Das folgende Dreivierteljahr der Beziehung sei „sehr schön“ gewesen. Doch im März 2015 gab es einen Rückfall. „Ich war traurig und fertig.“ Sie trennte sich von ihm. Danach trieb er sich in Chemnitz herum, lebte dort teils auf der Straße. Im Mai kehrte er nach Leipzig zurück, sie half ihm: „Wir waren beim Sozial- und Arbeitsamt, er ging zur Therapie, fand eine Wohnung hier. Es entwickelte sich alles zum Positiven“, erinnerte sich Katrin N. weiter. Doch ständig hätten ihn, das einstige Adoptivkind, Verlustängste geplagt. „Norman steht sich selbst im Weg“, glaubt sie. „Gerade wenn alles gut läuft, greift er wieder zur Flasche...“ Auf Bildern, die im Internet nach dem Mordversuch kursierten, hatte sie „diesen Psychoblick“ des völlig betrunkenen Norman E. (etwa drei Promille) gesehen. „Als ob er ganz woanders ist.“ Katrin N. besucht ihn regelmäßig im Gefängnis, durfte den Angeklagten auch im Gerichtssaal umarmen. „Er sagte mir, dass das Bild des Jokers in seinem Kopf erscheint, er versteht selbst nicht, was dann in ihm vorgeht. An die Tat kann er sich nicht erinnern. Er sagte mir, dass ihm viele Stunden fehlen. Ich glaube ihm.“ Auch die Mutter von Katrin N. beschrieb den 25-Jährigen als „ganz lieb, zuverlässig, hilfsbereit“. Er sei „der Traum jeder Schwiegermutter“. Allerdings hatte sie ihn auch mal schwer betrunken erlebt. „Ein ganz anderer Mensch. Wir können ja nicht in seine Psyche gucken“, so Andrea N. (53). Bis zum voraussichtlichen Prozessende am 24. Juni wird noch ein Psychiater gehört.

Von Sabine Kreuz

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