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Frischer Wind in Leipziger Kleingärten: Nur geringer Leerstand dank junger Pächter

Frischer Wind in Leipziger Kleingärten: Nur geringer Leerstand dank junger Pächter

Das spießbürgerliche Image der Laubenpieper schreckt junge Menschen nicht mehr davon ab, selbst einer zu sein. Lothar Kurth, Sprecher des Stadtverbands der Kleingärtner, wittert einen Generationenwechsel.

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Julia Schumacher ist glücklich: Endlich Erdbeeren aus eigener Ernte.

Quelle: Privat

Leipzig. Inzwischen hätten immer mehr junge Familien ihren Zufluchtsort im Grünen gefunden. Dass die Schrebergartenkultur noch längst nicht out ist, zeigt auch der geringe Leerstand der Anlagen: Ingesamt hätten nur etwa drei Prozent der Gärten keine Pächter.

Das erste Radieschen zu ernten, war für Julia Schumacher einer der schönsten Momente in ihrem Schrebergarten, den sie zusammen mit zwei Freunden bewirtschaftet. „Wir haben das Radieschen in drei Stücke geschnitten und die erste Ernte richtig zelebriert“, erinnert sich die 27-Jährige. Im April vergangenen Jahres haben sich die drei Studenten eine Parzelle im Connewitzer Kleingartenverein „Erholung“ zugelegt.

Bei einem Spaziergang durch die Anlage sind die Freunde durch einen Aushang im Schaukasten auf den freien Garten aufmerksam geworden. 110 Quadratmeter misst ihr Reich, für das sie pro Jahr 120 Euro Pacht zahlen – zuzüglich Wasser- und Stromkosten. „Das ist genau das, was wir gesucht haben“, schwärmt die gebürtige Schwäbin. Im Durchschnitt sind Schrebergärten etwa 300 Quadratmeter groß. „Aber wir haben nicht die Zeit und die Kenntnis, so einen riesigen Garten zu betreuen“, räumt sie ein. Sie hat gut zu tun mit den beiden Obstbäumen, den Gemüsebeeten und dem Rosenspalier am Eingang.

Gartenarbeit zahlt sich aus

Julia Schumacher wusste, worauf sie sich mit der Entscheidung für einen Garten einließ. „Man hat eine Verpflichtung – die Natur hört ja nicht auf zu wachsen.“ Doch eigenes Obst und Gemüse anbauen zu können, ist ihr der Aufwand wert. „Es ist ein großartiger Moment, seine eigene Marmelade aufs Brot zu schmieren“, lacht sie.

Bei den Zaunnachbarn kommt das junge Trio gut an. „Wir genießen praktisch Welpenstatus – alle sind unglaublich hilfsbereit und aufgeschlossen. Von der typischen Spießbürgerlichkeit haben wir bisher überhaupt nichts gemerkt.“ Bislang sei auch jede Gartenparty problemlos verlaufen: „Wenn wir Grillen, sind die anderen sowieso schon weg.“

Paradies für Ökos und Familien

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Leipzigs Kleingärten - Idylle mitten in der Stadt.

Quelle: Regina Katzer

Lothar Kurth vom Stadtverband der Kleingärtner ist froh über den Gärtnernachwuchs. Der 59-Jährige vermutet, dass sich junge Menschen einen Schrebergarten zulegen, um näher an der Natur zu sein. „Manche sehen das als Ökotrip“, sagt er. Aber ein eigenes Stückchen Grün hätte noch einen anderen Vorteil: Statt ihre Kinder auf öffentlichen Spielplätzen unbeaufsichtigt herumtoben zu lassen, würden Eltern sie mit in den Garten nehmen. „Dort können sie die Natur auf spielerische Art kennenlernen.“

Bei der Suche nach einer eigenen Parzelle rät der gebürtige Leipziger dazu, sich zunächst im eigenen Wohngebiet umzusehen. „Man sollte nicht durch die halbe Stadt fahren müssen, um zu seinem Garten zu gelangen.“ Allerdings sei es nicht immer einfach, freie Datschen zu finden, obwohl Leipzig die Stadt mit der größten Kleingartendichte je Einwohner im Bundesgebiet ist. Hier kommen auf etwa 520.000 Menschen 32.500 Gärten.

Leerstand und Nachfrage variieren

Lothar Kurth schätzt den Leerstand der 208 Vereine insgesamt auf etwa zwei bis drei Prozent. Leerstand und Nachfrage seien jedoch von Anlage zu Anlage unterschiedlich. „Es gibt Vereine, in denen es überhaupt keinen Leerstand gibt.“ Dort gebe es sogar interne Wartelisten für freiwerdende Parzellen. „Auf der anderen Seite, gibt es auch Anlagen, in denen ein Viertel der Gärten leerstehen.“ Das sei beispielweise in dem Verein „Naturheilkunde Eutritzsch“ der Fall. „Dort haben die Parzellen aber auch keinen Stromanschluss“, räumt er ein. Die Attraktivität einer Anlage hänge auch vom Engagement des Vorstandes ab. Einige Vereine, wie die Anlage „Am Silbersee“ in Lößnig, veranstalten regelmäßig Kinder- und Volksfeste, um junge Familien ins Grüne zu locken.

Obwohl ihm bisher noch nicht zu Ohren gekommen ist, dass wegen Kindergeschrei Messer gewetzt wurden, weißt er darauf hin, dass auch in Schrebergärten keine grenzenlose Freiheit herrscht. „Es gibt Gesetzlichkeiten – außerdem haben auch viele Anlagen ihre eigene Verordnung.“ Der Verbandssprecher erklärt, dass generell eine Dreiteilung der Parzellenfläche vorgesehen ist: „Auf einem Drittel soll angebaut werden, ein Drittel soll Erholungsfläche sein und ein Drittel darf die Laube in Anspruch nehmen.“

Grundsätzlich solle man sich nur für einen Garten entscheiden, wenn man ihm auch gewachsen ist. „Man muss aufpassen, dass man nicht zum Knecht seiner eigenen Zelle wird“, warnt Lothar Kurth. Julia Schumacher weiß, dass ihr der eigene Garten auch sprichwörtlich über den Kopf wachsen kann. Damit das nicht passiert, herrscht in ihrem Revier das WG-Prinzip: „Wir teilen uns die Arbeit auf, jeder hat seine Pflichten.“

Felix Forberg

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