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Frischer Wind in Leipzigs Stadtreinigung

Neues Führungsduo Frischer Wind in Leipzigs Stadtreinigung

Leipzig wächst und die Müllmengen im Stadtgebiet wachsen auch. Zu sehen ist das unter anderem in vielen Parks – vor allem bei schönem Wetter kommen Leipzigs Saubermänner nicht mit dem Beräumen nach. Die neuen Betriebsleiter Elke Franz und Thomas Kretzschmar berichten im LVZ-Interview über die Herausforderungen, vor denen Leipzigs Stadtreinigung steht.

Das neue Führungsduo der Leipziger Stadtreinigung: Elke Franz (52) und Thomas Kretzschmar (45).

Quelle: André Kempner

Leipzig. In Leipzigs kommunalem Eigenbetrieb Stadtreinigung haben der Erste Betriebsleiter Thomas Kretzschmar und die Kaufmännische Betriebsleiterin Elke Franz die Führung übernommen. Beide müssen das 800-Mitarbeiter-Unternehmen in eine neue Zeit steuern. Zu ihren Strategien und Visionen sowie den Müllgebühren in Zukunft äußern sich die beiden Leiter im LVZ-Interview.

Die ersten 100 Tage sind vorbei – wie haben Sie das Unternehmen vorgefunden?

Thomas Kretzschmar: Ich habe hier einen sehr gut strukturierten Betrieb mit motivierten Mitarbeitern vorgefunden, in dem ich mich vom ersten Tag an sehr wohl und integriert gefühlt habe.

Elke Franz: Ich arbeite schon seit über acht Jahren im Eigenbetrieb und war als stellvertretende Betriebsleiterin in wesentliche Entscheidungsprozesse einbezogen. Wir haben den Betrieb als modernes Dienstleistungsunternehmen aufgestellt. Der eingeschlagene Weg wird jetzt fortgesetzt.

Vielleicht sollten Sie bald auf aktuelle Entwicklungen reagieren: Viele Leipziger beschweren sich, dass dieses Jahr deutlich mehr Unrat in den Parks zu finden ist.

Thomas Kretzschmar: Wir sammeln in der Tat über die Papierkorbentsorgung mehr Abfälle ein. Die Papierkörbe sind eigentlich nur für Unterwegsabfälle gedacht. Aber wir sammeln auch häufig Reste von Grillpartys ein. Das bereitet uns tatsächlich Probleme.

Warum?

 

Was tun Sie dagegen?

Thomas Kretzschmar: Wir haben in den Parkanlagen schon 31 zusätzliche Behälter an den uns bekannten Brennpunkten aufgestellt, um flexibel reagieren zu können. In diesem Jahr kamen noch einmal drei der typischen orangen 1,1-Kubikmeter-Behälter hinzu.

Es heißt, es seien bestimmte Gruppen, die sich bei der Vermüllung hervortun. Zum Bleispiel Migranten.

Thomas Kretzschmar: Das ist nicht unsere Erfahrung. Migranten sind besonders häufig in der Ostvorstadt und am Rabet zu treffen – dort gibt es dieselben Auffälligkeiten wie überall sonst.

Elke Franz: In Grünanlagen, die gut in ein Wohngebiet eingebettet sind, etwa der Bretschneiderpark, gibt es mehr Sauberkeit. Die Anwohner sorgen dafür, dass der Abfall mitgenommen wird. Wo eine stärkere Anonymität herrscht, ist das nicht so.

Warum lassen immer mehr Menschen ihren Unrat liegen?

Elke Franz: Das ist leider ein deutschlandweites Problem. Hier fehlt die Verantwortung von Einzelnen.

Werfen mehr Menschen ihren Müll in öffentliche Papierkörbe, um Müllgebühren zu sparen?

Elke Franz: Solche Fälle gab es schon immer, und sie sind ein großes Problem. Aber zugenommen haben sie nicht. Wir versuchen mit unserem neuen Papierkorbkonzept gegenzusteuern. Dafür ändern wir sukzessive die Öffnungsschlitze der Papierkörbe, damit Tiere sie nicht durchwühlen können und es auch nicht möglich ist, große Tüten einzuwerfen. Am Rabet und im Lene-Voigt-Park haben wir bereits eine Kompletterneuerung durchgeführt.

Wer bezahlt diese illegale Art der Entsorgung von Hausmüll?

Elke Franz: Die Stadt Leipzig über den Posten „Beseitigung von illegalen Ablagerungen“. Damit kommen die Steuerzahler für Abfälle auf, die eigentlich direkt bei anderen anfallen. Das ist eine Vergesellschaftung der Abfälle. Das ärgert uns maßlos.

Vielleicht sind auch die Müllgebühren schuld. Werden sie steigen?

Elke Franz: Unsere Gebühren sind von Faktoren abhängig, die wir nicht beeinflussen können. Unsere Beschäftigten sind tarifgebunden – wir müssen also sehen, wie sich die Lohnentwicklung fortsetzt. Und unseren Restabfall liefern wir zur Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage in Cröbern, die uns ebenfalls ihre Kosten in Rechnung stellt. Für andere Abfälle wie zum Beispiel die Bioabfälle müssen wir die Verwertung ausschreiben und das entsprechend der Marktlage in die Gebühren einkalkulieren.

Die Akzeptanz der Biotonne ist in Leipzig noch relativ gering ...

Thomas Kretzschmar: Wir haben ein Pro-Kopf-Aufkommen von 36 Kilogramm pro Jahr. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 57 Kilogramm. Bei Restmüll-Analysen haben wir festgestellt, dass mehr als 40 Prozent in den Restabfallbehältern noch biologisch abbaubare Bestandteile enthalten. Offenbar haben viele Bürger noch nicht entdeckt, dass sie mit Biotonnen Geld sparen können. Für die Biotonnen fällt lediglich eine Biotonnen-Festgebühr an.

Viele Leipziger entsorgen ihre Bioabfälle in Plastiktüten, die nicht verrotten. Das bereitet bei der Verwertung Probleme.

Thomas Kretzschmar: Ja, daher verstärken wir die Informationen an die Bürger. Darüber hinaus führen wir bis Mai 2018 ein Pilotprojekt durch, um herauszufinden, wie wir den Bürger dazu bewegen können, den biologisch-abbaubaren Abfall der Biotonne zuzuführen. Damit wollen wir auch die Akzeptanz der Papiertüten erhöhen.

Elke Franz: Wenn jemand eine 120-Liter-Restmüll-Tonne nutzt, zahlt er pro Leerung 5,60 Euro. Für eine Biotonne zahlt er im Monat bei zwei Leerungen 4,72 Euro, also quasi für 240 Liter. Wir haben also über unser Gebührensystem einen Anreiz geschaffen. Mit separatem Bioabfall kann man also richtig Geld sparen.

Führt Leipzigs wachsende Bevölkerung zu einem Wachsen der Abfallmengen?

Elke Franz: Die Abfallmengen wachsen absolut. Pro Kopf bleiben sie ungefähr gleich. Deshalb kalkulieren wir die Abfallgebühren jährlich.

Wie sieht denn die aktuelle Kalkulation aus?

Elke Franz: Das können wir Ihnen im Herbst sagen. Wir fangen jetzt mit der Planung an. Aber mehr Einwohner bedeuten nicht automatisch höhere Gebühren. Es steigt zwar die Menge, aber die Zahl der Bürger, die zahlen, steigt ja auch.

Sie überarbeiten auch das Konzept für die Wertstoffhöfe. Wie weit sind Sie?

Thomas Kretzschmar: Wir untersuchen noch, wie wir die Qualität der Wertstoffhöfe für die Nutzer erhöhen und die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter spürbar verbessern können.

Wird es künftig mehr Wertstoffhöhe geben oder weniger? Werden sie größer oder kleiner?

Elke Franz: Das wissen wir Ende des Jahres.

Der Bau einer 2,8 Millionen Euro teuren neuen Streugutlagerhalle in der Geithainer Straße ist derzeit Ihre größte Investition. Wie weit ist das Projekt?

Elke Franz: Wir stehen kurz vor der Vollendung und rechnen mit der Fertigstellung im August. In Zukunft werden wir keine schlaflosen Nächte mehr wie früher haben, als es im Winter Engpässe bei der Salzbelieferung gab. Die Anlage wird zwei Silos und eine Befüllstation besitzen. Die neue Einlagerung werden wir noch zu Sommerpreisen einkaufen. Im nächsten Winterdienst wird dann maßgeblich dort bestückt.

Viele Leipziger Siedler haben durchgesetzt, dass sie für ihre Plastik-Müllentsorgung statt gelber Säcke bald gelbe Tonnen erhalten. Es melden sich immer wieder neue Siedler, die ihre Siedlungen auch auf gelbe Tonnen umrüsten wollen. Haben sie noch eine Chance, in die Befragung einbezogen zu werden?

Thomas Kretzschmar: Wer Interesse hat, kann beim Verband Wohneigentum anrufen und fragen, ob es noch Spielraum gibt.

Ihr Vorgänger Frank Richter sprach von der Einführung eines Winterdienstes auf den Hauptrouten des Leipziger Radwegenetzes. Wie sieht es damit aus?

Elke Franz: Wir sind Dienstleister der Stadt. Wenn sie es wünscht, werden wir ein Konzept zur Umsetzung erarbeiten.

Viele Leipziger wünschen sich, dass der Winterdienst auf deutlich mehr Straßen stattfindet und Leipzig nicht immer wochenlang im Schnee versinkt, sobald einmal ein richtiger Winter kommt.

Thomas Kretzschmar: Unsere Arbeit ist auf die Erfüllung der Winterdienstsatzung ausgerichtet. Also die Räumung an verkehrswichtigen und gefährlichen Stellen.

Auf der Deponie Cröbern könnte es erhebliche Veränderungen geben. 2025 läuft die Betriebsgenehmigung für die Anlage aus und dann muss entschieden werden, wie es dort weitergeht. Denkbar ist, die alte Anlage zu ertüchtigen. Oder mit der Errichtung einer Müllverbrennungsanlage einen ganz neuen Weg bei der Abfallbehandlung einzuschlagen.

Thomas Kretzschmar: Hauptverantwortlich dafür ist der Zweckverband Abfallwirtschaft (ZAW). Wir sind in die strategischen Überlegungen eingebunden.

Muss es nicht eine öffentliche Diskussion darüber geben? Schließlich hat diese Entscheidung enorme Auswirkungen auf die Höhe der künftigen Müllgebühren in Leipzig.

Elke Franz: Unser zuständiger Bürgermeister Heiko Rosenthal ist Verbandsvorsitzender des ZAW. Ich denke, er wird das entscheiden, wenn es sinnvoll ist.

Interview: Andreas Tappert

Von Andreas Tappert

Leipzig, Geithainer Straße 60 51.3413358 12.4436144
Leipzig, Geithainer Straße 60
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