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Frühere Leipziger Großbrauerei macht Platz für 226 Wohnungen

Bauarbeiten in Plagwitz Frühere Leipziger Großbrauerei macht Platz für 226 Wohnungen

Staunend stehen viele Plagwitzer vor einem Bauzaun am Parkplatz des Lidl-Marktes in der Zschocherschen Straße. Von dort hat man den besten Blick auf die frühere Brauerei C.W. Naumann, die jetzt für über 50 Millionen Euro in eine Wohnanlage verwandelt wird.

In den Gewölben unter dem Eiskellerhaus an der Erich-Zeigner-Allee wurde 150 Jahre lang Bier gelagert – anfangs in Fässern, später in Tanks. Nach der Brauereischließung 1992 wurden in den gewaltigen Röhren öfter illegale Partys gefeiert.

Quelle: Jens Rometsch

Leipzig. Staunend stehen in diesen Tagen viele Plagwitzer vor einem Bauzaun, der am Parkplatz des Lidl-Marktes in der Zschocherschen Straße entlang führt. Von dort hat man den besten Blick auf die frühere Brauerei C.W. Naumann, die jetzt für weit über 50 Millionen Euro in eine Wohnanlage verwandelt wird.

Das Abbruchunternehmen Kafril hat schon die früheren Lagerkeller freigelegt. In diesen gewaltigen unterirdischen Röhren, die sogar von Lastkraftwagen befahren werden konnten, sollen nach der Brauereischließung 1992 öfter illegale Partys stattgefunden haben. Nun sind sie aus der Erde hervorgeholt und teilweise weggerissen worden. Was stehenblieb, bietet aber dennoch einen Anblick, der den Zuschauern am Zaun fast die Sprache verschlägt. „Es ist erstaunlich, welche Gewölbe hier im 19. Jahrhundert angelegt wurden. Die Erbauer haben die zwölf Meter Höhensprung auf dem Areal sehr geschickt ausgenutzt“, sagt Steffen Voigt, Projektleiter bei der Firma LE Quartier. Dieses Leipziger Unternehmen hatte das 1,6 Hektar große Gelände zwischen Erich-Zeigner-Allee und Zschocherscher Straße im vergangenen Jahr von einem privaten Vorbesitzer aus Wiesbaden erworben. Und dann gemäß eines Bebauungsplans, den die Stadtverwaltung ebenfalls 2016 fertigstellen konnte, alsbald Nägel mit Köpfen gemacht.

226 Mietwohnungen sollen nun auf der bisherigen Brachfläche entstehen – in drei historischen und elf neuen Häusern. Hinzu kommen fünf kleinere Gewerbeeinheiten mit insgesamt 685 Quadratmetern. Den Rohbau übernimmt der Konzern Porr AG aus Wien. „Zunächst werden zwei Tiefgaragen angelegt – eine mit Zufahrt von der Erich-Zeigner-Allee und die andere an der Zschocherschen Straße“, erläutert Tilo Mann vom Leipziger Architekturbüro Mann & Schott. „Eine Besonderheit ist, dass das gesamte Quartier alle notwendigen Stellplätze in den beiden Tiefgaragen platziert, also kein oberirdischer Fahrverkehr existiert. Das Quartier wird somit autofrei.“ Fahrstühle bis ins Untergeschoss ermöglichten dennoch einen bequemen Gepäcktransport zwischen Wohnungstür und Kofferraum.

Die neuen Häuser erhielten einen villenähnlichen Stil und helle Fassaden. Ihre Höhe sei der Umgebungsbebauung angepasst, so der Architekt. „Die Geschosszahlen schwanken zwischen vier und sechs, um eine insgesamt einheitliche Traufhöhe zu erzielen.“ Gleichwohl würden im Inneren ganz verschiedene Wohnungen (62 bis 166 Quadratmeter) im heute üblichen Ausstattungsstandard entstehen, so Projektleiter Voigt. Beispielsweise gehörten dazu Fernwärme, Tageslichtbad, bodentiefe Fenster, durchweg Balkone oder Terrassen. „Im früheren Sudhaus an der Zschocherschen Straße 79, das denkmalgerecht saniert wird, sind unter anderem vier Maisonette-Wohnungen geplant. Aufgrund des Höhensprungs hat man dort in den oberen Etagen einen tollen Ausblick über die ganze Stadt.“ Auch die nun freigelegten Gewölbe unter dem sogenannten Eiskeller an der Erich-Zeigner-Allee (der aber nie ein Eiskeller war) sollen in der neuen Wohnanlage sichtbar bleiben. „Wir lassen Fenster in genau der Größe dieser Rundungen anfertigen. Weil sich der Geländesprung durch Wegbaggern des einstmals aufgeschütteten Erdreichs deutlich nach Westen verschiebt, kann das Untergeschoss des Eiskellers in Zukunft als ganz normaler, ebenerdiger Wohnraum genutzt werden – mit großen, halbrunden Fenstern in den Gewölben.“

Neben den ziegelroten Brauereihäusern an den zwei Magistralen soll jeweils noch ein markanter Neubau hinzukommen, um die Straßenfluchten wieder zu schließen. Für Familien dürfte der Standort besonders attraktiv sein, weil er nah an der Flusslandschaft der Weißen Elster, mehreren Parks, Schulen, Einkaufs- und Freizeitzentren liegt. Auf einem direkten Nachbargrundstück in der Erich-Zeigner-Allee 64 haben gerade Vorbereitungen für den Bau der dritten Kita allein in dieser Straße begonnen – der Trägerverein Frühe Hilfen plant dort 165 Betreuungsplätze.

Der alte Treppen-Fußweg zwischen der Erich-Zeigner-Allee und Zschocherschen Straße wird im Zuge der Bauarbeiten erneuert und aufgewertet, teilte das Baudezernat des Rathauses mit. Die Wege, Grün- und Spielanlagen auf dem bisherigen Betriebsgelände seien halböffentlich geplant. Das bedeutet, sie gehören nicht der Stadt, dürfen aber trotzdem unter Beachtung des Hausrechts von jedermann genutzt werden. Über die Höhe der Mieten entscheidet der neue Eigentümer: In einem sogenannten Vorwärts-Deal hat die aus Schweden stammende Immobiliengruppe Catella bereits den größten Teil der Wohnungen für den Spezialfonds eines Versorgungswerks aus Süddeutschland gekauft. Bezugsfertig sollen die Häuser etwa zeitgleich sein: ab Ende 2018.

Von Jens Rometsch

Leipzig Zschochersche Straße 51.325513615907 12.336313442328
Leipzig Zschochersche Straße
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