Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Frühere Leipziger Großbrauerei macht Platz für 226 Wohnungen
Leipzig Lokales Frühere Leipziger Großbrauerei macht Platz für 226 Wohnungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 20.03.2017
Das frühere Sudhaus an der Zschocherschen Straße wird denkmalgerecht saniert und nebenan noch ein Neubau errichtet. Im Sudhaus sollen auch vier Maisonette-Wohnungen entstehen. Quelle: Mann&Schott
Anzeige
Leipzig

Staunend stehen in diesen Tagen viele Plagwitzer vor einem Bauzaun, der am Parkplatz des Lidl-Marktes in der Zschocherschen Straße entlang führt. Von dort hat man den besten Blick auf die frühere Brauerei C.W. Naumann, die jetzt für weit über 50 Millionen Euro in eine Wohnanlage verwandelt wird.

Das Abbruchunternehmen Kafril hat schon die früheren Lagerkeller freigelegt. In diesen gewaltigen unterirdischen Röhren, die sogar von Lastkraftwagen befahren werden konnten, sollen nach der Brauereischließung 1992 öfter illegale Partys stattgefunden haben. Nun sind sie aus der Erde hervorgeholt und teilweise weggerissen worden. Was stehenblieb, bietet aber dennoch einen Anblick, der den Zuschauern am Zaun fast die Sprache verschlägt. „Es ist erstaunlich, welche Gewölbe hier im 19. Jahrhundert angelegt wurden. Die Erbauer haben die zwölf Meter Höhensprung auf dem Areal sehr geschickt ausgenutzt“, sagt Steffen Voigt, Projektleiter bei der Firma LE Quartier. Dieses Leipziger Unternehmen hatte das 1,6 Hektar große Gelände zwischen Erich-Zeigner-Allee und Zschocherscher Straße im vergangenen Jahr von einem privaten Vorbesitzer aus Wiesbaden erworben. Und dann gemäß eines Bebauungsplans, den die Stadtverwaltung ebenfalls 2016 fertigstellen konnte, alsbald Nägel mit Köpfen gemacht.

226 Mietwohnungen sollen nun auf der bisherigen Brachfläche entstehen – in drei historischen und elf neuen Häusern. Hinzu kommen fünf kleinere Gewerbeeinheiten mit insgesamt 685 Quadratmetern. Den Rohbau übernimmt der Konzern Porr AG aus Wien. „Zunächst werden zwei Tiefgaragen angelegt – eine mit Zufahrt von der Erich-Zeigner-Allee und die andere an der Zschocherschen Straße“, erläutert Tilo Mann vom Leipziger Architekturbüro Mann & Schott. „Eine Besonderheit ist, dass das gesamte Quartier alle notwendigen Stellplätze in den beiden Tiefgaragen platziert, also kein oberirdischer Fahrverkehr existiert. Das Quartier wird somit autofrei.“ Fahrstühle bis ins Untergeschoss ermöglichten dennoch einen bequemen Gepäcktransport zwischen Wohnungstür und Kofferraum.

Die neuen Häuser erhielten einen villenähnlichen Stil und helle Fassaden. Ihre Höhe sei der Umgebungsbebauung angepasst, so der Architekt. „Die Geschosszahlen schwanken zwischen vier und sechs, um eine insgesamt einheitliche Traufhöhe zu erzielen.“ Gleichwohl würden im Inneren ganz verschiedene Wohnungen (62 bis 166 Quadratmeter) im heute üblichen Ausstattungsstandard entstehen, so Projektleiter Voigt. Beispielsweise gehörten dazu Fernwärme, Tageslichtbad, bodentiefe Fenster, durchweg Balkone oder Terrassen. „Im früheren Sudhaus an der Zschocherschen Straße 79, das denkmalgerecht saniert wird, sind unter anderem vier Maisonette-Wohnungen geplant. Aufgrund des Höhensprungs hat man dort in den oberen Etagen einen tollen Ausblick über die ganze Stadt.“ Auch die nun freigelegten Gewölbe unter dem sogenannten Eiskeller an der Erich-Zeigner-Allee (der aber nie ein Eiskeller war) sollen in der neuen Wohnanlage sichtbar bleiben. „Wir lassen Fenster in genau der Größe dieser Rundungen anfertigen. Weil sich der Geländesprung durch Wegbaggern des einstmals aufgeschütteten Erdreichs deutlich nach Westen verschiebt, kann das Untergeschoss des Eiskellers in Zukunft als ganz normaler, ebenerdiger Wohnraum genutzt werden – mit großen, halbrunden Fenstern in den Gewölben.“

Neben den ziegelroten Brauereihäusern an den zwei Magistralen soll jeweils noch ein markanter Neubau hinzukommen, um die Straßenfluchten wieder zu schließen. Für Familien dürfte der Standort besonders attraktiv sein, weil er nah an der Flusslandschaft der Weißen Elster, mehreren Parks, Schulen, Einkaufs- und Freizeitzentren liegt. Auf einem direkten Nachbargrundstück in der Erich-Zeigner-Allee 64 haben gerade Vorbereitungen für den Bau der dritten Kita allein in dieser Straße begonnen – der Trägerverein Frühe Hilfen plant dort 165 Betreuungsplätze.

Der alte Treppen-Fußweg zwischen der Erich-Zeigner-Allee und Zschocherschen Straße wird im Zuge der Bauarbeiten erneuert und aufgewertet, teilte das Baudezernat des Rathauses mit. Die Wege, Grün- und Spielanlagen auf dem bisherigen Betriebsgelände seien halböffentlich geplant. Das bedeutet, sie gehören nicht der Stadt, dürfen aber trotzdem unter Beachtung des Hausrechts von jedermann genutzt werden. Über die Höhe der Mieten entscheidet der neue Eigentümer: In einem sogenannten Vorwärts-Deal hat die aus Schweden stammende Immobiliengruppe Catella bereits den größten Teil der Wohnungen für den Spezialfonds eines Versorgungswerks aus Süddeutschland gekauft. Bezugsfertig sollen die Häuser etwa zeitgleich sein: ab Ende 2018.

Von Jens Rometsch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ab 1. April soll es leichter werden, einen Termin beim Psychotherapeuten zu bekommen. Andrea Mrazek, Präsidentin der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer, spricht im Interview über Chancen, Risiken und die Fachtagung am kommenden Wochenende in Leipzig.

16.03.2017
Lokales Floßgraben: eine der höchsten Brutdichten in Sachsen - Bilanz für Auenwald im letzten Jahr: Weit über 100 Eisvögel flügge geworden

Vor zehn Jahren ließ sich keine einzige Eisvogel-Brut am Floßgraben nachweisen. Im vergangenen Jahr seien bereits 100 Jungvögel flügge geworden. Um das Niveau zu halten, müssen beim Wassertourismus Regeln beachtet werden.

21.02.2018

Im Leipziger Westen ist am Donnerstagabend der Strom ausgefallen. Rund 3000 Haushalte in Plagwitz und Lindenau saßen für gut eine Stunde im Dunkeln. Ursache war ein Kabelschaden.

16.03.2017
Anzeige