Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Führungsturbulenzen im Stadtkonzern – immer neue Details werden bekannt
Leipzig Lokales Führungsturbulenzen im Stadtkonzern – immer neue Details werden bekannt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:31 11.03.2018
Unter dem großen gelben L – hier vor dem Sportbad an der Elster – firmieren die Stadtfirmen der Leipziger Gruppe seit dem Jahr 2016. Quelle: Foto: André
Leipzig

Zum Führungswechsel im Leipziger Stadtkonzern (die LVZ berichtete) wurden gestern weitere Details bekannt: Mehrere Manager haben in der Vergangenheit offenbar stärker gegeneinander gearbeitet als bislang öffentlich bekannt war. Konzernchef Norbert Menke, dessen Vertrag nicht verlängert wird, hatte sich mit mehreren Geschäftsführern der großen Stadtfirmen angelegt. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) erklärte gestern auf LVZ-Anfrage, dass er solche Zwistigkeiten künftig durch Strukturveränderungen in der obersten Führungsetage des Stadtkonzerns einschränken will. Erreichen will er dies, indem er künftig jeweils einen führenden Manager der Stadtwerke, der Wasserwerke und der Leipziger Verkehrsbetriebe gleichzeitig zu Geschäftsführern der LVV-Holding macht, die das städtische Firmenreich steuert. Diese Führungskräfte würden dann dort neue Anstellungsverträge und Leistungsvorgaben erhalten, die sich am Gesamtergebnis der Holding orientieren, so Jung. Die Manager würden dann weniger gegeneinander arbeiten, weil für ihre Vergütung nicht mehr das Ergebnis ihrer jeweiligen Stadtfirma entscheidend sei, sondern das Gesamtergebnis der stadteigenen LVV-Holding.

Jung bekennt sich zur Polen-Beteiligung

Jung erklärte auch, dass er kein Befürworter eines Verkaufs der polnischen Beteiligung der Stadtwerke Leipzig sei. Er habe sich nie dafür stark gemacht, ganz im Gegenteil, betonte er. Die polnische Beteiligung gilt als hoch profitabel.

Wie berichtet soll neben Konzernchef Menke auch Stadtwerke-Geschäftsführer Johannes Kleinsorg seinen Posten räumen. Sein Arbeitsvertrag läuft ähnlich wie der von Menke noch bis ins Jahr 2019 hinein. Ob die beiden Manager jetzt beurlaubt werden, wollte Jung nicht sagen. Zu Personalien äußere er sich nicht, so der Stadtchef. Darüber werde erst in der LVV-Aufsichtsratssitzung am 23. März entschieden. Wie berichtet soll Jung bereits entschieden haben, dass für Menke und Kleinsorg die Stadtmanager Ulf Middelberg (LVB), Karsten Rogall (Stadtwerke) und Michael M. Theis (Wasserwerke) in die Führungsspitze aufrücken. Theis wird sogar als künftiger Sprecher der LVV und damit als erster Mann der neuen Führungsriege gehandelt. Beobachter halten es für schwierig, das neue Trio mit dem alten Duo zusammenarbeiten zu lassen.

Aufsichtsratsmandate werden aufgeteilt

Einen Plan hat Oberbürgermeister Jung offenbar schon mit den Aufsichtsratsmandaten, die Menke im städtischen Firmenreich inne hat. Der Konzernchef ist Aufsichtsratschef bei den Stadtwerken und den Leipziger Verkehrsbetrieben. Diese Mandate könnten künftig die zuständigen Fachbürgermeister übernehmen, sagte Jung auf LVZ-Anfrage. Den Vorsitz im Aufsichtsrat der LVV hat er selber inne – und wird ihn auch behalten.

Von Leipzigs Grünen gab es gestern Kritik an den Personalveränderungen im Stadtkonzern. „Kein beauftragtes Gremium des Stadtrates hat bisher über den Vorschlag des Oberbürgermeisters und des Präsidial- und Vermittlungsausschusses des Stadtkonzerns beraten, insofern sehen wir die kolportierten Konsequenzen keineswegs als gesetzt an“, erklärte Grünen-Stadträtin Katharina Krefft. Sie arbeitet auch im Aufsichtsrat des Konzerns mit. Der offenbar beabsichtigten Trennung von zwei Geschäftsführern sowie der Installation einer neuen Viererspitze liege das Motiv zugrunde, Jungs „Gesellschafterzugriff weiter zu stärken und Entscheidungsläufe auf sich als Oberbürgermeister zu konzentrieren. Wir sehen die Mehrheiten, die er glaubt zu haben, nicht“, betonte sie. Krefft warf Jung in diesem Zusammenhang „das permanente Ausleben eigener Gefühlswelten“ vor.

Poker um Anteile an VNG-Tochter

Neue Entwicklungen gibt es auch im LVV-internen Streit, ob sich Leipzig und die anderen kommunalen Anteilseigner der Verbundnetz Gas AG (VNG) an der VNG-Tochter Ontras beteiligen sollten. Eine erste Anfrage vom VNG-Mehrheitsaktionär EnBW war von den Städten abgelehnt worden. Menke war vorgeworfen worden, den LVV-Aufsichtsrat nicht über diese wichtige Anfrage informiert zu haben. Gestern hieß es bei der LVV, es habe sich lediglich um eine Anfrage und um kein offizielles Angebot gehandelt, deshalb sei eine Information des LVV-Aufsichtsrates unnötig gewesen.

Wie berichtet hatte EnBW den Kommunen angeboten, ihre Anteile an der VNG abzukaufen und diesen im Gegenzug offeriert, sich an der hochprofitablen VNG-Tochter Ontras zu beteiligen.

Groß-Investition geplant

Für die Ontras, die das 7000 Kilometer lange ostdeutsche Gasnetz betreibt, hat die VNG inzwischen ein Verfahren eröffnet, das Investoren eine Beteiligung ermöglichen soll. Hintergrund ist, dass VNG sich mit einem „hohen dreistelligen Millionenbetrag“ an der Europäischen Gas-Anbindungsleitung (Eugal) beteiligt hat, was wiederum von der Ontras gehalten wird. Die Partnersuche dient zur Finanzierung des Erwerbs an Eugal. Sollte etwa bei der von VNG geplanten Partnersuche für das Geschäft mit der Erschließung von Gas- und Ölvorkommen in der Nordsee ein sensationell hohes Angebot eingehen, könnte die Ausschau nach Investoren für Ontras wieder abgebrochen werden. Dann wäre genug Geld in der Kasse.

Von Andreas Tappert, Jens Rometsch und Ulrich Milde

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf dem Friedhof im Leipziger Stadtteil Gohlis wurde am 6. März 2018 Waltraud Kretzschmar (70) beigesetzt. Bei der Trauerfeier waren rund 25 Gäste, Stefan Kretzschmar und dessen Vater.

07.03.2018

Zu DDR-Zeiten waren Wohnungen in Grünau begehrt, heute kämpft das Viertel mit Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Im letzten Teil der Multimedia-Serie geht es um die Frage: Wie wird sich der Stadtteil in Zukunft entwickeln?

07.03.2018

Für einen Forschungsbericht „Herausforderungen von Kindertageseinrichtungen in einer vielfältigen Gesellschaft“ hat die Hochschule Rosenheim im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks (DKHW) 94 Einrichtungen in Sachsen und Thüringen befragt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

07.03.2018