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Fünf Festnahmen nach Demonstration gegen NPD-Zentrum – Kritik an radikalem Auftreten

Fünf Festnahmen nach Demonstration gegen NPD-Zentrum – Kritik an radikalem Auftreten

Leipzig. Etwa 2000 Menschen haben am Samstagnachmittag in Leipzig gegen das Abgeordnetenbüro der rechtsextremen NPD demonstriert.

Direkt vor dem Büro in der Odermannstraße im Stadtteil Lindenau kam es dabei zu einem Handgemenge. Als einige Demonstranten gegen 16 Uhr mit Feuerwerkskörpern, Steinen, Holzbalken, Farbbeuteln und Flaschen gegen das NPD-Gelände vorgingen, griff die Polizei ein. Insgesamt fünf Demonstranten wurden festgenommen, zwei Polizisten leicht verletzt.

Drei Stunden zuvor hatte der Demonstrationsmarsch friedlich am Leipziger Augustusplatz begonnen. Organisiert von der Initiative „Fence off“, die sich seit Februar 2011 gegen das NPD-Büro im Stadtteil Lindenau stark macht, sollte er der Höhepunkt der Kampagne werden. „Vielleicht können wir damit diejenigen in der Odermannstraße einschüchtern oder in die Ecke drängen“, erklärte Juliane Nagel (Die Linke) gegenüber LVZ-Online. Etwa 750 Teilnehmer wurden am Samstag erwartet. Nach Polizeiangaben beteiligen sich jedoch rund 2000 Menschen, viele auch aus anderen Bundesländern, an der Demo.

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Etwa 2000 Menschen haben am Samstagnachmittag (24.9.2011) in Leipzig gegen das NPD-Abgeordnetenbüro im Stadtteil Lindenau demonstriert.

Quelle: Regina Katzer

„Mit der Demo wollen wir in der Stadtpolitik Druck aufbauen, heute haben wir uns dafür gebündelt“, sagte eine Sprecherin von „Fence Off“ während der Auftaktkundgebung am Augustusplatz. Gegen 14 Uhr setzte sich die Menge dann in Bewegung, hinein in die Grimmaische Straße, wo Massen von Leuten, Jung und Alt, einkaufen. „Das ist auch der Zweck einer Demonstration. Meinungen sollen transportiert werden. Das muss die Stadt aushalten können“, erklärte Jürgen Kasek (Bündnis 90/Die Grünen) am Rande der Demonstration.

An der Odermannstraße wurden wenig später Helmvisiere heruntergeklappt, Mund- und Kinnschutz angelegt. Die Polizei bereitete sich auf die Ankunft der bis dahin friedlichen Demonstranten vor. Gegen 16 Uhr trafen diese am „Nationalen Zentrum“ der NPD ein. Angeführt von mehreren Reihen Polizeiwagen, die jeweils zweispurig fuhren, wurden sie erwartet. Und es blieb alles andere als friedlich.

13 Polizeiwagen, Rad an Rad, verschanzten das NPD-Quartier und trennten es von den Demonstranten an. Parolen wie „Wir kriegen euch alle“ hallten aus der nun mehrheitlich vermummten Masse der Demonstranten. Dann flogen Feuerwerks- und Knallkörper, Steine, Holzbalken, Farbbeutel und Flaschen über den Blechzaun des NPD-Geländes. Einige Neonazis zeigten sich auf einer Terrasse des Gebäudes und provozierten die aufgebrachte Menge noch. Der Demonstrationszug kam zum Stehen, Polizisten stürmen in die Demonstrierenden hinein. „Gehen Sie weiter“, schallte es aus dem Polizeilautsprecher. Doch daran dachte in diesem Moment niemand.

Einzelne Demo-Teilnehmer wurden von der Polizei am Boden festgehalten und geknebelt. Die Beamten setzen Pfefferspray ein und nahmen fünf Personen fest. Vereinzelt wurden auch persönliche Daten erfasst. Die Polizei ging schon im Vorfeld der Ausschreitungen davon aus, dass rund 30 Prozent der Demonstranten gewaltbereit sind. Einsatzkräfte versuchten die Menge zu teilen, um sie wieder in Griff zu bekommen. Nach einer Viertelstunde setzte der Tross sich dann weiter über den Lindenauer Markt in Richtung Cottaweg in Bewegung. Die eigentlich geplante Abschlusskundgebung wurde kurzfristig abgeblasen. Der Demonstranten-Zug verteilte sich gegen 16.45 Uhr. Entwarnung bedeutet das jedoch nicht für die Polizei. Sie rechnete im Laufe des Tages und der Nacht noch mit weiteren Aktionen.

Dass es zu Ausschreitungen an der Odermannstraße kommen könnte, war sich nicht nur die Polizei bewusst. „Wenn es Konfliktpotenzial gibt, dann dort“; sagt Jürgen Kasek. „Dort wird Kampfsport trainiert, dort sind Freie Kräfte und wahrscheinlich auch Anhänger der Hooligan-Gruppe Blue Caps vor Ort“, fügte er hinzu. Auch vor den linken Demonstranten macht seine Kritik an diesem Tag aber nicht Halt. Die Initiatoren treten viel zu radikal auf, sagte der Grünen-Politiker.

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Etwa 2000 Menschen haben am Samstagnachmittag (24.9.2011) in Leipzig gegen das NPD-Abgeordnetenbüro im Stadtteil Lindenau demonstriert. Angemeldet wurde die Aktion von Stadträtin Juliane Nagel (Linke).

Quelle: Regina Katzer

Auch nach Meinung von Stadtratskollegin Juliane Nagel (Linke) sei der Protest auf der Straße so wie am Samstag nicht so wirksam, wie das institutionelle Handeln. „Über die Stadtpolitik versuchen wir, immer wieder zu sticheln. Vielleicht haben die Rechten dann irgendwann keine Lust mehr, hier zu sein“, sagte sie. Nachdem ein Räumungsverfahren in Bezug auf missachtete Bauvorschriften in der Odermannstraße ohne Erfolg abgeschlossen wurde, versucht Nagel nun, über den Jugendschutz das „Nationale Zentrum“ zu schwächen.

Juliane Nagel bedauerte am Samstagnachmittag, dass es Verletzte gab und dass einige wenige Demonstranten sich nicht an die im Vorfeld mit den Behörden vereinbarten Auflagen gehalten haben. Nach Angaben von Polizeisprecher Uwe Voigt wurden bei dem Einsatz zwei Polizisten leicht verletzt und vier Einsatzwagen beschädigt. Nagel sprach von mindestens drei verletzten Demonstrationsteilnehmern. Sie betonte, dass der Großteil der Demonstration aber friedlich blieb.

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Annett Böhm / rob / mpu

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