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Lokales Für Astronomie-Fans sieht’s in Leipzig finster aus
Leipzig Lokales Für Astronomie-Fans sieht’s in Leipzig finster aus
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09:29 17.01.2017
Planetarium im Zoo-Aquarium: 1992 eröffnet, 1996 demontiert.  Quelle: Uwe Pullwitt
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Leipzig

 Dem Hobby angemessen, finden sich die Leipziger Sternfreunde regelmäßig im Restaurant „Aufgehende Sonne“ ein. Beim Astro-Stammtisch in dieser Gaststätte ist die Anzahl der Teilnehmer meist überschaubar, zur 65. Ausgabe kamen jüngst neun. Zu besprechen gab es einiges. Etwa das letzte große Teleskoptreffen in Jeßnigk. Als „internationale Sternparty im sonnigen Süden Brandenburgs“ wird das jährlich ausgerichtete Event beworben, zu dem die Fans des Firmaments zahlreich strömen. Denn das kleine Jeßnigk hat nicht nur ein rühriges Astroteam, sondern in der Dorfstraße 118 auch jene Hardware, die Leipzig fehlt – eine funktionstüchtige Sternwarte.

Vor 60 Jahren stellte jene der hiesigen Universität im Johannistal den Betrieb endgültig ein. Und vom Observatorium der Volkshochschule blieb nur der Kuppelbau in Schleußig. Dabei war Leipzig, in dem jetzt die kleine Gruppe der Sternfreunde noch ein Aktivposten der Himmelskunde ist, einst eine Hochburg der Astronomie und ihrer großen Gelehrten. Tycho Brahe, der Präzisionsinstrumente baute und Planetenbahnen verfolgte, studierte ab 1562 an der hiesigen Alma mater. Mit Heinrich Louis d’Arrest, dem Mitentdecker des Neptun, oder dem Kometenbahn-Berechner Karl Christian Bruhns hat die Uni weitere namhafte Astronomen in der Ahnentafel. Ab 1882 stand Heinrich Bruns als Professor in ihren Diensten, leitete die Sternwarte und machte aus ihr eine leistungsfähige Beobachtungsstätte. Bis ins Jahr 1790 reicht ihre Geschichte zurück. Damals wurde sie auf dem Turm der Pleißenburg eingerichtet und dort bis 1861 betrieben. Platznot und Lichtsmog sorgten dann für einen Standortwechsel ins Johannistal an der heutigen Sternwartenstraße.

Bomben zerstörten Uni-Observatorium

Unter der Ägide von Bruns wurde das Observatorium Ende des 19. Jahrhunderts optimiert und stieg in die erste Liga der deutschen Sternwarten auf, während die 1844 gegründete Astronomische Gesellschaft zu Leipzig die Himmelskunde populär machte. Von oben kam dann die Vernichtung: Beim Bombenangriff am 4. Dezember 1943 ging das Uni-Observatorium großteils zu Bruch, nach dem Krieg konnte nur noch notdürftig ein Teleskop eingesetzt werden. Nachdem 1956 vollends Schluss war mit der Astronomie im Johannistal, blieb noch die Sternwarte der Volkshochschule in der Stieglitzstraße 40. Versehen mit einem leistungsfähigen Refraktor, nutzte ihn später die Astronomie-AG des Johannes-Kepler-Gymnasiums. 2001 bedauerte dessen Schuldirektor „die für uns schmerzhafte Entscheidung der Stadt, die Sternwarte zu schließen und das Gelände zu verkaufen“. Aktuell wird das eingezäunte Areal mit dem schmucken weißen Turmbau von Kameras überwacht.

Auch bei Himmelsspaziergängen zu ebener Erde musste Leipzig immer mehr den Rückwärtsgang einschalten. Einst wurde im Großplanetarium am Zoo das Universum an die Decke gezaubert, jetzt sorgt nur ein betagter Zeiss-Projektor der Marke ZKP 1 im Schulmuseum für etwas Sternenleuchten in einem Stoffzelt. Eingeschaltet wird per Selbstbedienung, viermal im Jahr wird die Vorführung der Jahreszeit angepasst. Das Gerät hat seine besten Zeiten längst hinter sich, 1962 war es im Naturkundemuseum installiert worden und zeigte Ende der 1970er-Jahre erste Verschleißerscheinungen. 1985 wurde es zum Museumsstück.

Weil die DDR ein Musterland der Schulsternwarten und Planetarien war, sollte Leipzig nach der Ausmusterung von ZKP 1 mit einem neuen Himmelstheater bedacht werden. Im 1988 gestarteten Erweiterungsbau des Aquariums im Zoo wurde ein Planetarium implantiert. 1992 legte der Zeiss-Projektor vom Typ ZKP 2P inmitten der Fischschwärmerei los. „Unter dem großen Wagen ziehen die Haie hindurch“, titelte die LVZ. Zu wenig Interesse, zu wartungsintensiv – 1996 wurde der Projektor demontiert. Übrig blieb sein Sockel.

Nichts erinnert an das Großplanetarium

An das 1926 seiner Bestimmung übergebene und am 4. Dezember 1943 durch Bomben vernichtete Großplanetarium am Zoo erinnert hingegen gar nichts mehr. Leipzigs Stadtbaurat Hubert Ritter hatte höchstselbst das imposante zwölfeckigen Gebäude mit Pyramidendach entworfen. 600 Besucher fanden Platz, wenn der damals modernste Zeiss-Projektor die Milchstraße ins Gebäude am Kickerlingsberg holte.

Ein Mann wollte sich in den 1950er-Jahren nicht damit abfinden, dass die Stadt bei Planetarien platt war. Oberstudienrat Karl Winkler, Physiklehrer, Hobbyastronom und vormals auch im Himmelstheater am Zoo tätig, schuf einen Projektor aus Blechdosen, Teilen von Märklin-Modellbahnen, jeder Menge gesammelter Linsen und einem Globus als Grundkörper der Konstruktion.

1957 war das Planetarium der Marke Eigenbau vollbracht. Auf dem Dachboden der Schule in Lindenthal funkelte fortan der künstliche Nordsternhimmel über einer aufgemalten Silhouette Leipzigs. Winklers Wunderwerk entwickelte sich zur überregionalen Attraktion. In den 1980er-Jahren gab das Gerät dann sukzessive den Geist auf, hätte nach der Wende aber durchaus einen musealen Platz verdient. Doch 1999 wurde entsorgt, was von dem Apparat noch übrig war.

Das Universum in Grünau

Verblasst ist zwar Leipzigs einstiger astronomischer Glanz – wandern lässt sich trotzdem noch durchs Universum. In Grünau sind Straßen und Wege eines Viertels nach Planeten, Sternen und Galaxien benannt. Andromeda und Wega treffen auf Saturn, Uranus, Mars oder Jupiter.

Sternguck-Möglichkeiten in der Region:

Astro-Zentrum seit 1978 in Schkeuditz

Planetarium und Observatorium Seite an Seite. Was Leipzig nicht zu bieten hat, das ist im nahegelegenen Schkeuditz vorhanden. Am 13. Oktober 1978 wurde dort das Astronomische Zentrum eröffnet. Dass es dazu kam, hatte mit der Leipziger Messe zu tun, wo das Kombinat Carl Zeiss Jena stark vertreten war. Um seine neuesten Entwicklungen bei Teleskopen und Projektoren noch besser vermarkten zu können, sollte die Einrichtung in Schkeuditz als Referenzobjekt dienen. Errichtet wurde der Gebäudekomplex damals unter maßgeblicher Mitwirkung des ortsansässigen MAB – Maschinen- und Apparatebau. Allerdings nutzte Zeiss das Zentrum später kaum für Werbezwecke. Umso intensiver wurde es für den Astronomieunterricht, öffentliche Veranstaltungen und die Weiterbildung genutzt. Seit 1992 betreut ein Verein das Zentrum.

In Halle kommen die Sterne ins Gasometer

In Leipzig wurde 2003 von Yadegar Asisi erstmals ein Gasometer zum Panometer mit wechselnden Rundbildern umfunktioniert. In Halle haben die Stadtväter jetzt auch Einzigartiges mit einem alten Gasometer vor: In den mächtigen Backsteinbau am Holzplatz wird ein Planetarium implantiert. Knapp 14,2 Millionen Euro sind für das ambitionierte Projekt veranschlagt, im Sommer 2017 soll Baustart sein. Im Obergeschoss des Gebäudes sollen Vortrags- und Büroräume sowie eine Bibliothek untergebracht werden – und auf dem Dach eine Sternwarte. Neben dem Besuch von vielen Schülern wird in dem Konzept auch von jährlich rund 60 000 zahlenden Gästen ausgegangen. Vom vorherigen Planetarium sollen nur der Projektor und der Schriftzug „Raumflugplanetarium“ erhalten werden. Es war samt Observatorium 1978 auf der Peißnitzinsel eröffnet worden. Der auch architektonisch interessant gestaltete Komplex wurde mehrere Male bei Hochwassern beschädigt und 2013 sehr stark in Mitleidenschaft gezogen.

Starkes Teleskop in Eilenburg

Astronomie im Doppelpack gibt es auch in Eilenburg: Observatorium und Planetarium sind vorrätig und bilden zusammen mit der Einrichtung in Schkeuditz die Sternwarte Nordsachsen. Schon ab 1931 gab es in Eilenburg eine Amateur-Sternwarte, ab Mitte der 1960er-Jahre standen dann die neue Volks- und Schulsternwarte sowie das Planetarium zur Verfügung. 1996 wurde ein lichtstarkes Spiegelteleskop installiert. In Kletzen vor den Toren Leipzigs betreibt Henri Schulz eine Privatsternwarte. Neues Herzstück ist ein 405-Millimeter-Teleskop.

Von Mario Beck

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