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"Für Heimweh nach Leipzig bleibt keine Zeit"

"Für Heimweh nach Leipzig bleibt keine Zeit"

"Ich war 15, da begann ich mich so richtig für Politik und speziell für Russland zu interessieren. Bundeskanzler Schröder hatte ja Putin als lupenreinen Demokraten bezeichnet.

Das wollte ich nicht akzeptieren. Auch das tragische Schicksal von Anna Politkowskaja ließ mich nicht mehr los", erinnert sich Philine. Am Evangelischen Schulzentrum legte sie das Abitur ab, sie lernte Russisch und bewarb sich beim Friedensdienst der Aktion Sühnezeichen. So kam sie nach St. Petersburg, wo sie bis zum vergangenen Jahr als Sozialarbeiterin tätig war. Die junge Deutsche hatte ständigen Kontakt mit russischen Veteranen. Mit Pawel zum Beispiel: "Er ist 90 und ein gebrechlicher alter Mann. Ich besuchte ihn jeden Mittwoch. Ich ging sehr gern zu ihm, und er freute sich genau so, wenn ich kam. Er kämpfte schon mit 17 an der Front, seine Eltern kamen unter Stalin um. Du kannst es nicht verstehen, sagte er zu mir, wenn wir über den Krieg redeten, und das ist auch gut so, dass du es nicht verstehst." Für Pawel war Philine Gesprächspartnerin, sie ging für ihn einkaufen und putzte seine Wohnung.

Die Helferin aus Leipzig war ebenso bei Irina gern gesehen. Sie hatte als Kind die Blockade ihrer Heimatstadt Leningrad überlebt. Philine lernte eine feine alte Dame kennen, die viel Wert auf Sauberkeit legt und mit ihr gern über Politik redete. Auch für Kira war Philine die Putzhilfe, danach saßen die beiden oft bei Tee und Kuchen beisammen. Dann erzählte die alte Frau von ihren schweren Jahren in der Stalinzeit in einem Lager in Sibirien, wo selbst die Frauen Bäume fällen mussten.

Die "Offene Altenarbeit" der Aktion Sühnezeichen steht unter dem Motto "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft". Ab dem neuen Jahr wird Philine Bickhardts Russland-Engagement vom Deutsch-Russischen Austausch gefördert. Der Verein arbeitet wie Aktion Sühnezeichen in Russland mit nichtstaatlichen Organisationen zusammen, beispielsweise mit Memorial, einem Verein, der vor allem mit seinem Engagement für die Menschenrechte bekannt geworden ist.

Die aktuellen politischen Kontroversen beeinflussen Philines Einsatz bis dato nicht. Mit dem Visum, das immer wieder verlängert werden muss, gibt es keine Probleme. Sie spürt freilich vor Ort im Kontakt mit ihren russischen Freunden die zunehmend angespannte Lage: "Ich will mir kein Urteil erlauben, ob die Sanktionen, die seitens der EU und von den USA gegen Russland beschlossen wurden, richtig oder falsch sind. Sie treffen aber immer mehr die einfachen Leute, denn die Preise für Lebensmittel wie Milch und Brot steigen ständig. Die meisten Leute sind betroffen. Ein Freund von mir kann sich zum Beispiel seine Weiterbildung in Finnland nicht mehr leisten."

Philine wird in St. Petersburg bleiben. Im Herbst möchte sie dort das Studium der Politikwissenschaft und Ökonomie aufnehmen. Heimweh nach Leipzig? - "Gute Frage. Darüber habe ich aber noch nie nachgedacht. Sagen wir mal so: Für Heimweh bleibt keine Zeit."

Was Philine künftig in Russland erlebt, ist ab kommende Woche im Internet zu verfolgen: http://sanktpiter.wordpress.com/

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.01.2015

Thomas Mayer

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