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Lokales „Für den Fleiß eine Eins, für das Ergebnis ein Unbefriedigend“
Leipzig Lokales „Für den Fleiß eine Eins, für das Ergebnis ein Unbefriedigend“
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22:29 11.06.2017
Petra Elias (47) leitet den Stadtelternrat Leipzig. Der mischt als Team von Elternsprechern bei der Entwicklung von Schulen mit. Und klatscht nicht nur Beifall. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Zum Ende eines jeden Schuljahres werden Noten vergeben. Das tut auch Petra Elias. Die 47-jährige Bürokauffrau leitet den Stadtelternrat Leipzig, der alle Elternsprecher an den hiesigen Schulen vereint und sich in Teamarbeit um die Belange der Bildungsstätten kümmert. Im LVZ-Interview äußert sich Petra Elias, Mutter dreier Kinder, zur Schulsituation in Leipzig und darüber, wie die Eltern die geplante Entwicklung bewerten.

LVZ: Sie haben im April 2016 Alarm geschlagen, den schlechten Bauzustand an einer Grünauer Oberschule kritisiert. Was hat sich seitdem getan?

Petra Elias: An der 84. Oberschule konkret nichts. Sie ist zwar jetzt für die energetische Sanierung der Außenhülle und der Fenster vorgesehen. Am katastrophalen Zustand der Fußböden sowie an der Ausstattung hat sich allerdings nichts geändert. Für uns als Eltern ist es wahnsinnig schwierig, jeweils den konkreten Sachstand zu erkunden. Wann werden die Böden erneuert? Gibt es schon eine Ausschreibung? Das erfahren wir nicht, auch weil zu viele Ämter der Stadt beteiligt sind.

Der Stadtelternrat ist Partner der Stadt, legt aber auch den Finger in die Wunde. Wo ist das derzeit am meisten notwendig?

Vor allem bei der Raumnot in den einzelnen Schulen. Es soll ja jeder Schüler einen Platz nach seinen Bedürfnissen erhalten. Viele Schulen sind buchstäblich vollgestopft. Etwa 3500 Viertklässler wechseln jetzt aufs Gymnasium oder an die Oberschule. Im neuen Schuljahr werden aber laut Stadtverwaltung 5777 Erstklässler eingeschult. Tendenz steigend. Wie es aussieht, ist alles kurz auf Kante gestopft. Dieser Zustand hält mindestens die nächsten vier, fünf Jahre an. Da muss sich dringend etwas ändern. Familien, die nach Leipzig ziehen und ihr Kind auf einem Gymnasium unterbringen wollen, haben es schwer. Hinweise von Schulen wurden für die Planung kaum berücksichtigt.

Leipzig hat den aktualisierten Schulentwicklungsplan vorgelegt, will bis 2030 rund 30 neue Schulen bauen. Den letzten Plan haben Sie kritisiert, weil das Datenmaterial veraltet war. Ist der neue Plan realistischer?

Wir können ihn schlichtweg nicht nachvollziehen. Im letzten Plan waren konkrete Angaben über Schüler drin, nun wird mit Klassenstärken gerechnet. Daraus kann ich aber nicht ablesen, wie viele Kinder tatsächlich an einer Schule sind. Nicht jede kann 28 Kinder pro Klasse aufnehmen, weil oft die Räume in ihrer Größe dafür nicht ausreichen. Allein im Grundschulbereich sind nach unseren Berechnungen 400 Kinder einfach nicht vorhanden, obwohl sie bereits jetzt in der Schule sind.

Wird da getrickst?

Das weiß ich nicht. Ich habe aber den Eindruck, dass die Stadt mit deutlich weniger Kindern rechnet als vorhanden sind.

Wo muss nachgebessert werden?

Wir brauchen transparente Zahlen zu jeder Schule, die die Anzahl der Kinder und die Klassenbelegung konkret für jede Einrichtung auflisten. Vor allem in den vierten Klassen. Denn diese Daten sind wichtig für den Wechsel aufs Gymnasium oder die Oberschule. Nach der Anmeldung mussten in diesem Jahr vier Klassen zusätzlich eröffnet werden, an sieben Gymnasien wurden Losverfahren durchgeführt. Ein wenig Entspannung gibt es vielleicht mit der Eröffnung des Gymnasiums in der Telemannstraße, das dringend gebraucht wird. Auch als Ausweichquartier für das Max-Klinger-Gymnasium, wo ja die Bauarbeiten für den künftigen Campus Grünau starten.

Baustart heißt ja Bewegung. Also tut sich etwas in der Schullandschaft?

Ja, natürlich, das erkennen wir auch an. Ich finde es trotzdem erstaunlich, dass zusätzlich vier Klassen gezaubert werden konnten, obwohl die meisten Schulen rappelvoll sind. Wenn Sie aber eine Schule bis an die Grenze ihrer Kapazität belegen, können Sie diese auf Dauer nicht erweitern. Es gibt Beispiele, dass Kinder in fünf Wellen in der Mensa essen müssen. Deshalb muss beim Bautempo deutlich zugelegt werden.

Das Schuljahr geht in zwei Wochen zu Ende. Unterrichtsausfall und Lehrermangel waren zuletzt häufige Kritikpunkte. Wie ist es aus Ihrer Sicht gelaufen?

Es gibt Schulen, die für bestimmte Fächer keinen einzigen Fachlehrer mehr haben. Es wurde zwar versucht, dies durch Seiteneinsteiger auszugleichen. Doch sie sind nicht sofort voll belastbar, müssen ein Referendariat machen und noch ausgebildet werden. Dies ist zwar sehr verantwortungsvoll. In den Stundenpools der Schulen wurde dies aber nicht berücksichtigt. Andere Lehrer mussten diese Stunden kompensieren, was bei mehreren Seiteneinsteigern an einer Einrichtung zu etlichen Ausfällen führte. Es darf keine Abstriche am Lehrplan geben, denn am Ende müssen die Schüler ihre Prüfungen bestehen.

Sie haben stets für die Entwicklung der Oberschule gestritten. Die ist im neuen Schulgesetz gestärkt worden. Reicht das?

Jede Oberschule bekommt einen Schulsozialarbeiter, der nach einem bestimmten Indikator eingesetzt wird, welcher Problembereiche der Schule wichtet. Das ist die eigentliche Stärkung. Das Hauptaugenmerk wurde auf den Anteil der Hartz-IV-Empfänger im Stadtteil gelegt. Doch nicht alle Schüler kommen aus dem unmittelbaren Umfeld. Auf Klassenwiederholer oder Schulabbrecher wurde zu wenig geachtet. Da sind weder die Eltern noch der Arbeitskreis Schulsozialarbeit gefragt worden. Auch da wünsche ich mir Nachbesserungen. Acht Schulen erhielten Unterstützung über den Europäischen Sozialfonds, diese Stellen laufen jetzt aus und werden nicht verlängert. Das ist schade, weil die ja fünf Jahre lang dazu beigetragen haben, dass es an diesen Schulen weniger Abbrecher gibt. Für Oberschulen muss insgesamt mehr getan werden.

Was schwebt Ihnen da vor?

Durch die geänderte Bildungsempfehlung können Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind aufs Gymnasium oder an die Oberschule schicken. Das finde ich prinzipiell gut. Jeder, der schlechter als zwei ist, landet auf der Oberschule. Dadurch fehlen dort aber die Leistungsträger. Der Weg, auf die Oberschule zu gehen und dann bei guten Leistungen das Abitur über ein berufliches Gymnasium zu machen, ist besser. Wir müssen uns stärker kümmern, damit Schüler erst einmal den Standard schaffen und eine Ausbildung beginnen können. Ansonsten verlagern wir Probleme in die Budgettöpfe von Arbeits- oder Sozialamt.

Zum Ende des Schuljahres werden Noten verteilt. Welche würden Sie der Stadt Leipzig, welche der Bildungsagentur geben?

Für Fleiß bekommen beide eine Eins von mir. Für das Ergebnis kann ich ihnen aber nur ein Unbefriedigend geben.

Interview: Mathias Orbeck

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