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Für den Katastrophenfall: Leipzigs Branddirektor wünscht sich Sirenen zurück

Für den Katastrophenfall: Leipzigs Branddirektor wünscht sich Sirenen zurück

Für den Fall einer Katastrophe wünscht sich Karl-Heinz Schneider, Branddirektor bei der Leipziger Feuerwehr, ein flächendeckendes Sirenensystem in der Stadt. „Verunglückt zum Beispiel ein Gefahrenguttransporter mitten in Leipzig, der Säure oder Laugen befördert, dann wären Sirenen auf den Dächern das ideale Mittel, um die Menschen vor einer Giftwolke zu warnen", sagte er.

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Eine Sirene auf einem Dach in Dresden.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Wenn ihn der Oberbürgermeister fragen würde, würde er ihm „auf jeden Fall" empfehlen, solch ein System anzuschaffen. Moderne Sirenen seien das „Nonplusultra", um schnell und zeitnah die Bevölkerung auf Gefahren hinzuweisen. Der Feuerwehrchef schränkte allerdings ein, dass es in den letzten Jahren keine Anlässe gegeben habe, die eine flächendeckende Beschallung notwendig gemacht hätten.

Unterstützung erhält Schneider von Stadtrat Michael Burgkhardt (Bürgerfraktion): "Bei der Abschaffung der Sirenen hat man die Information der Bürger im Gefahrfall vergessen, deshalb halte ich eine Wiedereinführung für überlegenswert."

Brandschutzdirektor Schneider machte aber auch auf die hohen Kosten dieses Systems aufmerksam. „Es ist in Anschaffung und Unterhalt sehr teuer", sagte er. Ein Ökonom würde gerade mit Hinblick auf die Finanzen der Stadt davon abraten. „Ich als Experte würde es aber empfehlen."

In Leipzig sind stattdessen Lautsprecherwagen der Polizei oder der Feuerwehr unterwegs, die die Bürger bei Unglücken warnen und informieren. Zudem geben im Katastrophenfall Radiosender Meldungen über den Äther, die auf mögliche Gefahren hinweisen. Diese Kombination gewährleiste auch einen hohen Verbreitungsgrad, meint Schneider.

„Wer hat die Zeit im Katastrophenfall mit Lautsprecherwagen rumzufahren? Die Polizei? Die Feuerwehr?", fragte Thomas Mende, Pressesprecher der Dresdner Feuerwehr. „Die haben dann sicherlich anderes zu tun." Die Ordnungskräfte könnten in extremen Situationen nur noch versuchen, die Situation zu regeln. Ein weiterer Grund, nicht auf die Durchsagen auf vier Rädern zu setzen? Im Ernstfall würde es viel zu lange dauern. In einer Großstadt wie Leipzig somit mehrere Stunden.

In der sächsischen Landeshauptstadt wurden 200 Sirenen nach dem Jahrhunderthochwasser von 2002 wieder installiert, nach dem die Stadt - wie die meisten größeren Kommunen in Ost und West - sie nach dem Ende des Kalten Krieges abgebaut hatte. Die Bedrohung aus der Luft war weggefallen und sie galten als zu teuer. Damit verschwanden auch die aus der DDR gewohnten wöchtlichen Test, bei denen die Sirenen jeden Mittwoch pünktlich um 13 Uhr aufheulten. Nur in kleineren Gemeinden auf Land thronen die Warnanlagen unverändert in luftiger Höhe.

Inzwischen setzt auch Chemnitz wieder auf die Technik auf dem Dach. Die Stadt investierte fast 340.000 Euro, um in Wohngebieten, die in vom Hochwasser gefährdet sind, frühzeitig warnen zu können. Im vergangenen Sommer standen mehrere Viertel unter Wasser. "Mit Lautsprecherwagen haben wir die Bürger dort gar nicht mehr erreicht", berichtete eine Stadtsprecherin.

Für den Hochwasserschutz sei das System in Leipzig nicht notwendig, findet der Leipziger Branddirektor. „Für die Betroffenen war das Hochwasser im Januar sicherlich schlimm. Aber wir hatten da nicht einmal Katastrophen-Voralarm", sagte Schneider.  

Michael Dick

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