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Für den Lohn eines dankbaren Blickes - Ehrenamtliche halten Mölkauer Bibliothek am Laufen

Für den Lohn eines dankbaren Blickes - Ehrenamtliche halten Mölkauer Bibliothek am Laufen

Vor zehn Jahren nahm der Mölkauer Heimat- und Kulturverein die Bibliothek des einst selbstständigen Ortes unter seine Fittiche. Nach der Eingemeindung musste die städtische Einrichtung schließen.

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Frau der Bücher: Eva Jung (links)

Quelle: André Kempner

Seither halten fünf ehrenamtlich tätige Damen das Lesesortiment in Schuss und organisieren literarische Veranstaltungen für Klein und Groß.

Freundliches Licht fällt durch die Lamellenvorhänge. Eine Rentnerin und ein älterer Herr arbeiten sich genüsslich durch die Bücherregale auf der Suche nach neuem Lesefutter. Ein Schüler schaut zwischen zwei Stunden schnell mal vorbei. Im Untergeschoss der Mölkauer Oberschule kann er seine Ausleihe ganz unkompliziert zurückgeben. Für jeden hat Bibliothekarin Eva Jung ein freundliches Wort, einen guten Tipp und die passende Karteikarte.

Eine heile Welt ist das, könnte man meinen, im Jahr 14 nach der Mölkauer Eingemeindung und zehn Jahre, nachdem die Bücherei unter die Trägerschaft des Heimat- und Kulturvereines fiel. Denn die Kommune beschloss vor zehn Jahren, die kleinen Bibliotheken am Rande von Leipzig aufzugeben. Größe, Bestand und Leserzahlen passten nicht in das großstädtische Raster. Die Holzhausener schafften es damals, ihre Bibliothek mit Unterstützung der Liebertwolkwitzer Leser in städtischer Hand zu halten. Mölkau machte sich am 4. Mai 2004 mit etwa 7000 Bänden samt Regalen und Inventar selbstständig.

Eva Jung, von Anfang an als ehrenamtliche Bibliothekarin dabei, hat schon schlechtere Zeiten erlebt. "Es gab Phasen, da hatten wir nicht genug Geld, um neue Bücher anzuschaffen", erzählt sie. Im Jahr des ersten runden Geburtstages konnte sie bereits ein ganzes Paket dank einer Spende der Sparkasse bestellen. Bestseller wie "Inferno" von Dan Brown oder "Verwandt in alle Ewigkeit" von Hera Lind sind darunter, aber auch Bücher, die regional für Gesprächsstoff sorgen, wie "Von Null auf Drei" von Franziska Rubin.

Die fünf Damen von der "Bibo" halten die Bücherei an zwei Tagen in der Woche - dienstags und freitags - für immerhin 13 Stunden geöffnet. Sie bestreiten Veranstaltungen für Schüler, helfen bei der Ausleihe und wickeln die Bürokratie ab, etwa um Mittel bei der Stadt, von der Schule oder Spenden zu akquirieren. Dabei werden sie von der gelernten Buchhändlerin Eva Jung, die 25 Jahre im Zentralantiquariat Leipzig tätig war und dort die Fachbuchstelle leitete, professionell eingearbeitet. Nur zwei Frauen sind im Laufe der Jahre ausgeschieden. Marina Otto, Anke Hille, Renate Michel und Waltraud Schindhelm halten jetzt gemeinsam mit Eva Jung für einen "dankbaren Blick" und für "strahlende Kinderaugen" die Fahne hoch.

Und doch konnte der Betrieb der Bibliothek in den vergangenen Jahren oft nur unter Ächzen und Zähneknirschen aufrechterhalten werden. Eine Internet-Ausleihe gibt es nicht. "Den Computer würden uns ein lieber Vater schon hinstellen", sagt Eva Jung, aber die Software für Bibliotheken sei zu teuer und zu aufwändig. Der Telefonvertrag - "irgendwie müssen wir doch erreichbar sein" - wurde auf einen billigeren Anbieter umgestellt. DVDs und CDs haben die Mölkauer erst gar nicht in ihr Programm aufgenommen. Und manchmal haben sogar die Schüler keine Lust mehr auf Lesungen in der Bibliothek. Ein schneller Klick im Internet reicht ihnen, um sich auf Projekte und Referate vorzubereiten.

In zwei Drittel Erwachsene und ein Drittel Kinder teilt sich die Besucherzahl von rund 3500 im Jahr in der Mölkauer Einrichtung auf - Tendenz abnehmend. Mit den Neuanschaffungen zum kleinen Jubiläum möge sich das Blatt wenden, hofft Eva Jung. Sie freut sich schon auf das nächste Bücherpaket, explizit für Kinder, das sie im Sommer erwerben wird.

Bibliothek Mölkau, Schulstraße 6, Telefon 0341 651 5119; Öffnungszeiten: Dienstag von 10 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr sowie Freitag von 10 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr. Spenden auf das Konto 1100124213 bei der Sparkasse Leipzig (BLZ 86055592)

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.05.2014

Stephanie von Aretin

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