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Für mehr Platz im Bücherregal: Wohin mit aussortierter Literatur?

Second Hand Für mehr Platz im Bücherregal: Wohin mit aussortierter Literatur?

Der Sommer ist da, für Balkon und Urlaub muss neue Literatur her, doch das Bücherregal ist voll? Dann wird es Zeit, auszusortieren. Nur wohin mit der Lektüre? LVZ.de stellt vier Möglichkeiten in Leipzig vor.

Second Hand liegt im Trend – auch bei Literatur.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Bücher gehören nicht in den Müll, sondern in gute Hände. Sie wollen gelesen, wertgeschätzt und fein säuberlich im Bücherregal drapiert werden. Doch nicht jede Wohnung bietet den Platz, den so ein Literatur-Berg, der sich im Laufe der Jahre ansammeln kann, benötigt. Und da all die Taschenbücher und Romane, die Lesehefte und Sachbücher viel zu kostbar sind, um im Keller zu vergammeln, muss ein schwerer Entschluss gefasst werden: Kahlschlag. Mein Bücherregal braucht eine Entschlackungskur.

Nächstes Problem: Wohin mit der aussortierten Ware? Wie werde ich sie möglichst komfortabel los? Internet, lautet die naheliegende Antwort. Fotos knipsen, Anzeigen auf den einschlägigen Seiten – eBay, Amazon, Booklooker, Shpock – schalten und warten, bis sich Interessenten finden. Wenn das dann endlich geschieht (und man sich auf einen Preis einigen kann), heißt es: Warten bis die Überweisung eingegangen ist, Bücher verpacken, zur Post bringen. Beim in Leipzig ansässigen Gebrauchthändler Momox entfallen immerhin die ersten Schritte, da das Unternehmen die Ware – Bücher, CDs, DVDs und Videospiele – selbst ankauft. Doch auch hier muss erst ein Päckchen geschnürt und per Post verschickt werden. Da muss es doch bequemere Methoden geben. Und in der Tat gibt es die.

Option 1: Die „Zum Mitnehmen“-Kiste

Sowohl in Treppenhäusern als auch vor Haustüren sind sie gang und gäbe: Kleine Tüten und Kisten voller Dinge, die der Besitzer seiner Nachbarschaft zur Verfügung stellt. Viele werden da schon ein ums andere Mal beherzt zugegriffen haben – nun ist es Zeit für einen Selbstversuch. Also einen Pappkarton mit einem guten Dutzend Büchern neben den Briefkästen platziert, noch ein paar alte DVDs dazu und dem Ganzen, wie einem guten Wein, einfach Zeit geben.

Nach 48 Stunden sind bereits zwei Drittel des Inhalts verschwunden, einen weiteren Tag später ist er auf zwei Bücher zusammengeschrumpft. In Summe also ein unkompliziertes und effizientes Verfahren, das allerdings nur für kleinere Mengen geeignet ist und bei dem meist etwas übrig bleibt – abhängig von der Lesefreudigkeit der Nachbarn. Ja nach Laune des Vermieters darf eine solche Abgabestelle außerdem keine dauerhafte Option sein. Die Suche nach anderen Möglichkeiten geht also weiter.

Option 2: Die „Givebox“ in der Brockhausstraße

Das selbe Prinzip, nur größer, regenfest und für ein gesamtes Stadtviertel konzipiert, ist die Idee der „Givebox“. In Leipzig steht der bekannteste dieser Kästen in der Brockhausstraße – direkt vor der „Werkstatt des Lichts“, in der sein Erbauer Karsten Wolf handgerollte Kerzen herstellt.

Vor fünf Jahren stieß Wolf im Internet auf die Idee und errichtete kurzerhand eine solche Box vor seinem Geschäft. Ganz ohne Genehmigung der Stadt, vom Ordnungsamt werde sie trotzdem toleriert, erzählt der 46-Jährige. Die Idee ist simpel: Wer etwas loswerden möchte, legt es in die Box – wer etwas braucht, nimmt es sich heraus. „Anfangs lief das Ganze noch schleppend, aber seit vier Jahren läuft es quasi von allein.“

Die „Givebox“ in der Leipziger Brockhausstraße erfreut sich auch nach fünf Jahren noch großer Beliebtheit

Die „Givebox“ in der Leipziger Brockhausstraße erfreut sich auch nach fünf Jahren noch großer Beliebtheit.

Quelle: Dirk Knofe

Das Angebot ist stets vielfältig: Kleidung, Kinderspielzeug, Deko für die Wohnung – und natürlich auch Bücher. „Es geht dabei nicht nur um die Waren, sondern auch um die Begegnung. Die Box ist zu einem richtigen Treffpunkt in der Nachbarschaft geworden.“ Ein echter Erfolg also, wie Wolf resümiert. So erfolgreich sogar, dass er eigentlich schon plante, weitere Giveboxen in Leipzig aufzustellen. Bisher konnte der gelernte Sozialpädagoge jedoch keine Unterstützung dafür finden. Vielleicht tut sich da bald noch was – schließlich liegt Teilen nach wie vor im Trend. In kleineren Formaten gibt es solche „Giveboxen“ bereits an anderen Orten, zum Beispiel in der Volksbank am Südplatz.

Option 3: Die „Leseratte“

Wer seine Bücher unmittelbar in guten Händen wissen will (und zudem noch die Haushaltskasse ein wenig aufbessern möchte), der ist in der Karl-Liebknecht-Straße 109 an der richtigen Adresse. Im hinteren Bereich des Musikladens „Whispers Records“ befindet sich das Buchlager von Mandy Meiner, die von hier aus die „Leseratte“, einen Onlinehandel mit gebrauchten Büchern, betreibt. Für den Ankauf gelten simple Kriterien: Die Literatur sollte in ordentlichem Zustand und klassische Bahnhofslektüre – Liebesromane beispielsweise – nicht älter als ein Jahr sein.

Mandy Meiner zwischen den Regal ihrer „Leseratte“

Mandy Meiner zwischen den Regal ihrer „Leseratte“. Die in der DDR von Hand gefertigten Mini-Bücher sind ihre Lieblinge.

Quelle: Dirk Knofe

Regale um Regale, Kisten um Kisten lagern in den Räumlichkeiten, hinzu kommt ein prall gefüllter Keller: Wer hier sucht, der wird garantiert etwas Interessantes finden. „Es müssten etwa 8.000 bis 10.000 Bücher sein“, so Meiner. Zu ihren „Lieferanten“ gehören vornehmlich ältere Menschen, die zum Beispiel in eine kleinere Wohnung ziehen, ihre Bücher aber nicht wegwerfen wollen. „Ich fahre dann meist zu ihnen, um mich selbst um den Transport der Bücher zu kümmern.“

2010 eröffnete die 46-Jährige ihre „Leseratte“. Ein reines Leidenschaftsprojekt, wie sie zugibt: „Meine Liebe zum Buch wurde durch meine lesebegeisterte Familie geweckt. Mein Opa fuhr regelmäßig in den Westen – andere Kinder wollten Schokolade, ich wollte immer ein neues Buch haben.“ Heute schlägt Meiners Herz vor allem für ältere, stilvoll gebundene Werke. Ihre Schätze sind die von Hand gestalteten Mini-Bücher: beliebte „Bückware“ in der DDR. Den Vertrieb hat sie inzwischen komplett auf eBay und Amazon verlagert. Ein notwendiger Schritt, da der eigene Internetauftritt zu wenige Bestellungen einbrachte. Mit den Ankäufen aber laufe es derzeit wieder sehr gut – wie immer im Frühjahr und im Sommer.

Option 4: „Das Buchlager“

Meiner empfiehlt zudem „Das Buchlager“ im Westwerk. „Kein Buch hat es verdient, im Altpapier zu landen“, lautet das Motto dieses Second-Hand-Geschäfts, das schon länger ein beliebter Anlaufpunkt für die lesefreudigen Besucher des soziokulturellen Zentrums an der Karl-Heine-Straße ist. Bei akuter Bücherregalüberfüllung kann die Ware hier problemlos abgegeben werden, größere Chargen werden zur Not auch abgeholt. Ebenso simpel gestaltet sich der Verkauf, denn egal ob Hamburger Leseheft oder 1000-seitiges Lexikon: Jedes Buch kostet hier genau einen Euro.

Von Christian Neffe

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