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Fusion von Leipziger Theaterhäusern vom Tisch - Freie Szene soll Entwicklung mitgestalten

Fusion von Leipziger Theaterhäusern vom Tisch - Freie Szene soll Entwicklung mitgestalten

Eine Fusion der großen Leipziger Theaterhäuser wird es in den nächsten Jahren nicht geben. Oper und Gewandhaus, Schauspiel, Muko und Theater der Jungen Welt sollen bis 2020 keine tiefgreifenden Eingriffe in ihre Verwaltungsstrukturen erleben.

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Der Leipziger Stadrat entschied sich am 12. Februar gegen eine Fusion der Theaterhäuser.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Stadtrat folgte damit nach viel Hin und Her am Mittwoch der Empfehlung von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Die freie Szene soll aber künftig besser in die Entwicklung der Leipziger Kulturlandschaft eingebunden werden.

Grundlage für die Entscheidung war ein Informationspapier für die Stadträte, das die Ergebnisse zum Thema Einsparpotenziale und Strukturreform präsentiert. Diese waren von einer Arbeitsgruppe mit Vertretern der Kulturbetriebe, der Stadtverwaltung und des Betriebsausschusses Kulturstätten (BAK) erarbeitet worden. "Die Kulturbetriebe sind in einem Miteinander, wie vielleicht seit 20 Jahren nicht mehr", sagte Jung.

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Die Leipziger Oper zur blauen Stunde.

Quelle: Dirk Knofe

Nach dem Gutachten der Münchner Beratungsfirma Actori standen für die Arbeitsgruppe vor allem zwei Einsparmodelle zur Diskussion: Eine Fusion oder zumindest verwaltungstechnische Zusammenlegung von Oper und Gewandhaus oder von Oper und Schauspiel. Durch Stellenstreichungen könnten laut Ratsdokument auf dem Papier in beiden Varianten rund eine Million Euro eingespart werden.

"Viel besser aufgestellt, als man meint"

Laut Jung seien in der Realität aber Einsparpotenziale bereits zu großen Teilen behoben. Als Beispiele nannte der Oberbürgermeister den Einsatz des Gewandhausorchesters sowohl in den eigenen Konzertsälen als auch im Orchestergraben der Oper. Die Zusammenlegung der Haustechnik beider Häuser am Augustusplatz soll vorangetrieben werden. Auch die Theaterwerkstätten mit ihren 129 Mitarbeitern arbeite bereits für Oper, Schauspiel und Theater der Jungen Welt. Auch beim Ticketing, sowie der Zusammenlegung der Haustechnik von Oper und Gewandhaus sollen die Anstrengungen voran getrieben werden. Jungs Fazit: Die Eigenbetriebe Kultur seien "viel besser aufgestellt, als man gemeinhin meint."

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Innenansicht des Schauspiels in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Mit Besucherzuwächsen von 23 Prozent in der Oper unter der Leitung von Ulf Schirmer, einem neuen "Besucheransturm" auf das Schauspielhaus nach dem Intendantenwechsel zu Enrico Lübbe und einem bis zur Kapazitätsgrenze ausgelasteten Theater der Jungen Welt unter der Leitung von Jürgen Zielinski sowie einem Gewandhausorchester, das seit Jahren in einer ganz eigenen Liga spiele, müsse man den Eigenbetrieben jetzt Zeit geben, den aufgenommenen Kurs zu festigen, appellierte der Oberbürgermeister.

Grüne empört: "Dürftig und Phantasielos"

"Wenn alles so toll ist, warum dann diese detaillierten Untersuchungen", fragte Wolfram Leuze, kulturpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Er äußerte sich empört über das "dürftige und phantasielose Ergebnis". Die Empfehlung gehe komplett vorbei am Begehren des Stadtrats, der im Juli 2012 den Oberbürgermeister per Beschluss aufgefordert hatte, "einen Vorschlag zur Neuausrichtung im Sinne einer gemeinsamen Verwaltungsstruktur der Eigenbetriebe Kultur" vorzulegen. "Wie oft wollen wir uns das noch bieten lassen?", fragte Leuze.

Seine Kritik fand wenig Wiederhall. Die SPD-Fraktion schloss sich in der positiven dem Oberbürgermeister weitgehend an. Gerhard Pötzsch sah in Fusions-Szenarien vor allem Risiken und betonte, eine Grundsatzentscheidung für die Kultur in der Stadt, auch mit im Bundesvergleich außergewöhnlich hoher Förderung, sei im ureigenen Interesse der Bürger. Stefan Billig von der CDU monierte zwar, dass die Frage nach dem Einsparpotenzial einer gemeinsamen Verwaltung der Häuser nicht ausreichend beantwortet sei. In einem Antrag der Union wurde aber lediglich eine Ergänzung gefordert, der die Strukturoptimierung als dauerhaften, dynamischen Prozess festschreibt. Der Antrag wurde in dieser Form abgelehnt.

Freie Szene als Workshop-Partner

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Die Musikalische Komödie in Lindenau.

Quelle: André Kempner

Eine Absage erteilte der Stadtrat auch dem Vorstoß der Liberalen, die Vorstellungen der Musikalischen Komödie schrittweise in die Oper am Augustusplatz zu verlegen und das Haus Dreilinden zu einem Kreativ- und Theaterzentrum West auszubauen. Jung erneuerte das Bekenntnis für die MuKo am Standort Lindenau und stellte in Aussicht, das der Bestand mit Geld für den Brandschutz und weitere Modernisierungen gesichert werden solle. FDP-Fraktionschef Reik Hesselbarth zeigte sich von der ganzen Debatte sichtlich enttäuscht: "Verwalten statt Gestalten, nach diesem Motto scheint der Stadtrat hier zu handeln", sagte er.

Die Freie Szene soll in der Kulturdebatte der kommenden Jahre allerdings stärker in den Focus rücken. Die Linken und die Grünen setzten sich mit ihrem Vorschlag durch, dass die Stadt zweimal pro Jahr einen Workshop mit Vertretern der Eigenbetriebe Kultur, des BAK, der Verwaltung und den freien Kreativen einberuft. Die Zukunftsfrage soll dann immer neu gestellt werden, mit dem Ziel, Strukturen besser an die Herausforderungen der städtischen Lebenskultur anzupassen.

Evelyn ter Vehn

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