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Ganz große Orgel – Leipzig bekommt ein Schmuckstück

Paulinum Ganz große Orgel – Leipzig bekommt ein Schmuckstück

Der kommende 26. Februar wird ohne Frage ein ganz großer Tag. Die Jehmlich-Orgel wird fertig gestellt und intoniert sein. Sie kann somit erklingen. Freilich für die folgende Zeit nur hinter geschlossenen Türen und zur Probe. Erst wenn das Paulinum eingeweiht werden kann, ist die Orgel ein neues öffentliches Instrument für die Musikstadt Leipzig. Am Mittwoch wurde sie vorgestellt.

Die Firma Jehmlich baut derzeit ihr Instrument ins Paulinum ein.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Vorstellung der Großen Orgel für das Paulinum beginnt mit einem „leider“. Petra Förster, Leipziger Chefin des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement, nimmt dieses Wort in den Mund und teilt mit, dass sie „leider“ noch immer Hausherrin eines Baues ist, der eigentlich schon 2009 hätte fertig sein sollen. Wann Einweihung gefeiert werden kann, steht auch heute nicht fest. Das Problem ist die Verkleidung der Säulen, die laut Förster die Glasindustrie vor echte Herausforderungen stellt. Nunmehr wurde schon das sechste Modell angefertigt, im Januar wird darüber befunden. Es gibt, so Förster, „endlich die berechtigte Hoffnung für die Lösung“.

Der Aula-Kirche-Bau strahlt hell. Von Baustelle ist kaum mehr eine Spur. Sogar die meisten der Sitzmöbel stehen schon drin. Auf der Westempore bauen die Fachleute der Firma Jehmlich ihre Orgel auf und ein. Es ist laut Ralf Jehmlich, seit 2006 in sechster Generation der Geschäftsführer des Dresdner Handwerksbetriebes, das Opus 1161 der seit 1808 bestehenden Firma. Wenn am 26. Februar 2016 die Orgel abgenommen wird, werden die Orgelbauer summa summarum 12.000 Arbeitsstunden mit der Paulinum-Orgel zugebracht haben.

Einige Daten und Fakten des Instruments, das sich die Universität Leipzig eine Million Euro kosten lässt: 46 Register, 2951 Pfeifen, die kleinste Pfeife misst sieben Millimeter, die größte sechs Meter, höchste wie tiefste Töne, die das menschliche Gehör vernehmen kann, können erklingen. Die Orgel ist zehn Meter hoch, das Gehäuse aus Nadelholz, weiß lackiert, der Spieltisch aus Kirschbaum, naturbelassen. Die technische Ausstattung der Orgel ist beeindruckend, ganz einfach: High-Tech für die Musik. Die allgemeinen Anforderungen umreißt Jehmlich: „Das Instrument wird sich in die Orgellandschaft Leipzigs einpassen und eine stilistische Lücke schließen. Gewünscht war eine Bezugnahme auf die Disposition des von 1711 bis 1716 gebauten Instruments des Leipziger Universitätsorgelbauers Johann Scheibe. Dem sind wir gefolgt, freilich mit zeitgemäßer Auseinandersetzung und Weiterentwicklung.“

Universitätsmusikdirektor David Timm ist die Freude auf das Kommende anzusehen. Er erinnert zunächst an die Sprengung der Universitätskirche im Mai 1968 und an den legendären Organisten Robert Köbler, der bis zuletzt in der Universitätskirche St. Pauli spielte. Die neue Orgel wird laut Timm dazu beitragen, die Wunde ihrer Vernichtung zu heilen. Universitätsorganist Daniel Beilschmidt redet in höchsten Tönen und würde doch zu gern schon spielen. Er weiß, was er aufführen wird, natürlich die Klassiker, Bach, Mendelssohn, Reger, doch so ein Instrument bietet ja auch ungeahnte Möglichkeiten. „Wir freuen uns sehr auf diese Orgel“, sagen die Musikanten unisono. Die Anforderungen an das neue Instrument gehen weit über die einer Kirchenorgel hinaus. Gebraucht wird ein Instrument für Gottesdienste und Konzerte, für die Nutzung der Universitätsmusik, für wissenschaftliche und festliche Anlässe der Alma mater. Das Instrument soll dem Leitbild der Universität „Aus Tradition Grenzen überschreiten“ folgen und diesen Anspruch innovativ umsetzen.

Der kommende 26. Februar wird für David Timm und Daniel Beilschmidt ohne Frage ein ganz großer Tag. Die Jehmlich-Orgel wird fertig gestellt und intoniert sein. Sie kann somit erklingen. Freilich für die folgende Zeit nur hinter geschlossenen Türen und zur Probe. Erst wenn das Paulinum eingeweiht werden kann, ist die Orgel ein neues öffentliches Instrument für die Musikstadt Leipzig. Sie wird die außergewöhnliche Architektur von Erick van Egeraat in besonderem Maße zieren.

Von Thomas Mayer

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