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Lokales Ganz weihnachtlich: José-Carreras-Gala sammelt 6,3 Millionen Euro in der Neuen Messe
Leipzig Lokales Ganz weihnachtlich: José-Carreras-Gala sammelt 6,3 Millionen Euro in der Neuen Messe
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21:39 17.12.2009
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Da stehen sie

Klingelingeling. In einer Krippe mit Esel, Ziegen und Schafen stehen sie und singen von den Glocken, die süßer nie klingen. Nach jahrelanger Verweigerung, dann zögernder Annäherung, im 15. Jahr der große Durchbruch. So viel Weihnachten war noch nie in der José-Carreras-Gala.

Dafür gab´s an anderer Stelle weihnachtlichen Kahlschlag. Die Sitzcouch mit Adventskranz ist weg, José Carreras und Axel Bulthaupt stehen bei den Moderationen immer irgendwo auf der riesigen Bühne, manchmal sogar hinter einem Stehpult aus Plexiglas. Da möchte man immer gleich im Programm blättern: Kommt jetzt ein Staatsakt?

Kommt auch, aber in klein. Ganz am Ende, kurz vorm Finale, erhält der Star-Tenor noch einmal die Ehrenmedaille der Stadt Leipzig. Wiederholung der Auszeichnung im Rathaus vom Dienstag vor einem Millionenpublikum. Ehrung für einen Mann, der allein mit seiner alljährlichen Show bisher über 80 Millionen Euro für den Kampf gegen die Leukämie eingesammelt hat.

Da stehen sie. Neun beschneite Tannenbäume links und rechts der Bühne, ein bunt Geschmückter in der Mitte. Ein weiter Sternenhimmel blaut heilige Nacht. Die Drei aus dem Morgenland kommen mit dem Schlitten. Nach jahrelanger Verweigerung, dann zögernder Annäherung, im 15. Jahr der große Durchbruch. So viel Weihnachten war noch nie in der José-Carreras-Gala. Bis zum Ende der Sendung kamen 6,3 Millionen Euro Spenden zusammen.

Auch für Maite, Dorina, Robin, Oliver Christian, Friedhelm, Lizanne, Eileen und Lenny. Sie erkrankten. Sie kämpften gegen die Krankheit. Eine Krankheit, die heute besser heilbar ist als zu jener Zeit, da José Carreras an ihr litt. Das hat auch was mit jenem Geld zu tun, das in die Forschung fließt. Oder in die Nabelschnur-Blutbank, die bisher weltweit für über 650 Leukämie-Kranke eine letzte Chance eröffnete.

So wie für die 34-jährige Eileen, die erst an Lymphdrüsen-Krebs, dann an Leukämie erkrankte, für die sich zur Knochenmark-Transplantation keine passende Spende fand. Letzte Hoffnung: Nabelschnurblut. Zu Viert überleben wir jeden Sturm - schreibt ihre Tochter an ihre Zimmerwand. Eileens erste Frage nach der Diagnose: Werde ich überleben? Die erste Frage von jedem Erkrankten, von Müttern, von Vätern. Man kann ihr nichts abnehmen, das ist schrecklich - sagt die Mutter der vierjährigen Maite. Die fünfjährige Dorina schminkt ihr Aussehen weg. Sie will unbedingt zur Schule. Tonlos sagt der 36-jährige Oliver Christian: "Ich kämpfe ... sterben will ich eigentlich noch nicht." Die elfjährige Lizanne bekommt Stammzellen ihrer Zwillingsschwester Mareen. Ich kann mir ein Leben ohne Lizanne nicht vorstellen - sagt Mareen. Lizanne bastelt aus durchgelaufenen Spritzen einen Weihnachts-Kalender. Warum all diese Schicksale anmoderiert werden mussten? Keine Ahnung.

Eigentlich sollte er im Saal sitzen: Robin, der 14-Jährige aus der letzten Show. Im Frühjahr kam er aus der Klinik, verbrachte einen schönen Sommer, im September kam der Rückschlag. Einmal habe ich es schon geschafft, jetzt schaffe ich es wieder - ist Robin entschlossen. Aaron, der Bruder, hilft. Zwei andere Kranke haben es schon geschafft: Philip, der 2000 zu José Carreras kam, Musikpädagogik und Klavier studiert und ein kurzes Stück spielte, und der 13-jährige Jonas, der 1997 in der Gala war. Er hatte mit seinen Geschwistern 2800 Euro gesammelt.

Dann Kristina Bach, zart, langes Kleid, ganz in rosa: "Bis unser Leuchtturm nicht mehr brennt". Auf der Leinwand jene, die den Kampf verloren. Man zählt die Lebensjahre, 50, 33, 40, 12 und denkt nur: Mein Gott, so wenige ... Es ist schwer, jemanden zu verlieren, sagt José Carreras. Wir müssen weiterkämpfen, Leukämie ist besiegbar.

Dafür sind sie gekommen: die Promis am Telefon, die Stars auf der Bühne. Marius Müller-Westernhagen war nach vielen Einladungen endlich da. Raue Stimme kratzt über sanftem, melodiösen Rock (Zu lang allein). Ich + Ich (Pflaster), Helene Fischer (Du lässt mich sein, so wie ich bin), farblich hinreißend - knallrotes Kleid zu blauem Nachthimmel, Feuerfontänen wärmten den nackten Rücken. Semino Rossi (Noche de Sada) mit Tanzpaar, Paul Potts mit "Dein ist mein ganzes Herz" in einer gefühlten Maxi-Maxi-Version, aber die Tänzerinnen in Rosa und Rot waren wirklich eine Augenweide.

David Garrett romantisierte (Humoresque), das Ensemble "Schuh des Manitu" aus dem Theater des Westens wirbelte wild als Indianer, bärtige Cowboys und scharfe Cowgirls - und brachte 48 000 Euro mit, Ganz allein mit Gitarre: Milow (You Don´t Know), das Licht geht von Rot zu Blau, aus Pylonen dampft es, Lichtkegel tanzen. Gabriel Sculer (am Flügel, auf dessen Oberfläche er gerade mal so sehen konnte) und Kinderchor (Kinder der Welt). Auf der großen Leinwand: erkrankte Kleine.

Immer wieder José Carreras. So viel Auftritte hatte er noch nie, mit Klaus Meine, mit Andrea Bocelli, solo ganz weihnachtlich (White Christmas, Ave Maria). Einmal bedankte sich José Carreras bei Carmen Nebel. Die kam dann auch tatsächlich. Erster Auftritt in einer MDR-Show seit Zerwürfnis und ZDF-Wechsel. Weihnachten ist eben doch Fest der Liebe und der Versöhnung.

Norbert Wehrstedt

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