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Lokales Geburtstagsfeier für Erich Loest mit DDR-Humoresken und einem geretteten Bild
Leipzig Lokales Geburtstagsfeier für Erich Loest mit DDR-Humoresken und einem geretteten Bild
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16:57 25.02.2016
Wieder aufgetaucht: Reinhard Minkewitz hat das von ihm selbst gemalte Porträtbild von Erich Loest bei der Auktion des Loest-Nachlasses ersteigert und nun der Medienstiftung. Quelle: Jan Emendörfer
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Leipzig

Launige Geburtstagsfeier am Mittwoch Abend in der Villa „Ida“ in Leipzig-Gohlis: Erich Loest (1926 – 2013) wäre 90 geworden und seine Lebensgefährtin Linde Rotta hatte – wie schon in den Jahren zuvor – rund 40 Gäste geladen, um bei gutem Essen und gutem Wein an Leipzigs großen Schriftsteller zu erinnern. Es gab unter anderem Frikassee vom Perlhuhn und Tranchen vom Müritzer Hirschrücken und natürlich jede Menge Anekdoten: Kinderarzt Prof. Volker Hofmann aus Halle, den Loest gern als seinen Leibarzt vorstellte, rezitierte aus dem Kurzgeschichtenband „Die Oma im Schlauchboot“ und trat den Beweis an, dass man über Loests DDR-Humoresken auch heute noch herzhaft lachen kann. Aber es kam auch Nachdenkliches auf, etwa als Hofmann daran erinnerte, wie Loest 1978 erstmals in einem kleinen konspirativen Kreis in einer Wohnung aus dem Manuskript für „Durch die Erde ein Riss“ vortrug. In dieser Autobiografie beschreibt der Autor seinen Weg vom Hitlerjungen und Wehrmachtssoldaten zum SED-Mitglied und LVZ-Redakteur bis hin zum angeblichen Mitverschwörer einer „konterrevolutionären Gruppe“ in den 60er Jahren und sieben Jahren Haft im Zuchthaus Bautzen. Hofmann: „Als er damals aus dem Manuskript las, war uns klar: Das kann in der DDR nicht erscheinen, Erich wird uns verlassen und in den Westen gehen müssen.“ Und so kam es 1981 dann ja auch.

Loest-Freund und Skatbruder Prof. Klaus Eberhard erinnerte daran, wie der Schriftsteller einst für das mit vielen Bildern ausstaffierte Galerie Hotel „Leipziger Hof“, das Eberhard aufgebaut hat, jede Menge Bücher signierte. Sie wurden auf den Nachttischen ausgelegt und bei unerlaubter Mitnahme durch Gäste auch ständig von Loest nachgeliefert. Hotel-Slogan: „Hier schlafen Sie mit einem Original“. „Bild“ titelte: „Mit Loest im Bett“.

Der Maler Reinhard Minkewitz überraschte mit einem Geschenk der besonderen Art. Zu Loests 82. Geburtstag im Jahr 2008 hatte er für ihn ein Porträtbild gemalt, das fortan in Loests Wohnung hing. Bei der durch Erbauseinandersetzungen Ende letzten Jahres herbeigeführten eher unwürdigen Auktion des Loest-Nachlasses – Augenzeugen sprechen von „Ramschaktion“ – kam auch das Minkewitz-Bild unter den Hammer. Der Maler eilte hinzu und kaufte sein eigenes Bild zurück, um es nun der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig zu schenken. Sie besitzt schon wichtige Teile des Nachlasses, wie Manuskripte, signierte Erstausgaben und Loests Briefmarkensammlung. Sparkassen-Chef Harald Langenfeld sagte: „Das Bild bekommt einen Ehrenplatz.“

Während Linde Rotta erklärte, dass der Erinnerungsabend der letzte dieser Art gewesen sei, versicherte Langenfeld: „Wir werden Erich nicht vergessen.“ Wie schon berichtet, vergibt die Medienstiftung ab nächstem Jahr den mit 10 000 Euro dotierten Erich-Loest-Preis, der dann genau am Geburtstag mit Laudatio und Feier überreicht werden soll, frei nach dem von Loest für seine eigene Beerdigung gewählten Motto: „Keine Reden, keine Lügen – Champagner!“

Von Jan Emendörfer

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