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Gedenken am 20. Juli in Leipzig: Weiße Rosen für den „Aufstand des Gewissens“

20. Juli in Leipzig Gedenken am 20. Juli in Leipzig: Weiße Rosen für den „Aufstand des Gewissens“

An den Gedenkfeiern für die Widerständler im Nationalsozialismus nahmen am Donnerstag auch Nachfahren teil. Es ging unter anderem um den früheren Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler (1884–1945) und um General Olbricht.

Politiker und Nachkommen erinnern bei einer Gedenkfeier an Carl Friedrich Goerdeler und die Männer des 20. Juli 1944.
 

Quelle: Kempner

Leipzig. Weiße Rosen schmücken das Denkmal, das die Stadt auf der Rasenfläche südwestlich vom Neuen Rathaus errichten ließ. Es ehrt einen Mann, der für sechseinhalb Jahre Oberbürgermeister war: Carl Friedrich Goerdeler (1884–1945) gehört zu den führenden zivilen Köpfen, die den Widerstand und das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 vorbereiteten. Eine Gruppe deutscher Offiziere um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte versucht, Hitler zu töten. Das jährte sich gestern zum 73. Mal.

Nach dem Umsturz sollte Goerdeler, der Hitler vor Gericht stellen wollte, Reichskanzler werden. Goerdeler ist durch viele Widersprüche in seinem Leben keine einfache historische Gestalt. Dennoch: Ihn zu ehren, war Anlass für eine Gedenkfeier, an der Nachkommen von Hitler-Attentätern teilnahmen. „Die beteiligten Widerstandskämpfer und ihre Angehörigen wurden brutal verfolgt, erpresst, gefoltert, umgebracht“, erinnerte Berthold Goerdeler, einer der acht Enkel des ehemaligen Stadtoberhauptes, und zitierte den Historiker Fritz Stern, der die Ereignisse um den 20. Juli 10944 einst als „Aufstand des Gewissens“ bezeichnete. Wäre das Attentat gelungen, hätten viele Kriegstote vermieden werden können. Dass ein „Aufstand des Gewissens“ friedlich enden kann, wäre für alle ein „unendlicher Glücksfall“ gewesen, sagte Goerdeler (Jahrgang 1947) mit Blick auf die Friedliche Revolution 1989.

„Von den Männern des 20. Juli können wir lernen, wach zu sein“, so Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU), „und mit unserer ganzen Person für das Recht einzustehen und für das, was moralisch wichtig ist.“ Sein Urgroßonkel war Hans Oster, zuletzt Generalmajor der Wehrmacht. Oster gehörte ebenfalls zu den zentralen Persönlichkeiten des militärischen Widerstandes.

Eine Rose legte auch Karl Heinrich von Stülpnagel nieder, der Chefrestaurator des Ägyptischen Museums. Sein Großvater Carl-Heinrich von Stülpnagel, hingerichtet am 30. August 1944 in Berlin-Plötzensee, war General der Infanterie und als Militärbefehlshaber in Frankreich an der Verschwörung beteiligt. Ihm gelang es, in Paris die wichtigsten Funktionäre des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS und der Geheimen Staatspolizei festnehmen zu lassen. „Er war einer der wenigen, die wirklich handeln mussten“, sagt er. Dabei ist es Karl Heinrich von Stülpnagel anzusehen, dass Familiengeschichte etwas Beschwerendes haben kann. Das Schicksal des Großvaters, das die Messlatte für die Familie hoch gelegt hat, beschäftigt ihn ein Leben lang. Nicht nur, weil er nach ihm benannt ist. Doch Enkel Karl Heinrich ist längst aus seinem Schatten getreten, ein anerkannter Experte für die Erforschung mittelalterlicher Möbel sowie Restaurator geworden.

Gestern Nachmittag schloss sich im Ausbildungskommando der General-Olbricht-Kaserne eine Gedenkfeier an, bei der an den militärischen Widerstand im Dritten Reich als zentralen Bestandteil der Traditionslinie der Bundeswehr erinnert wurde. Zugleich wurden Kränze am Olbricht-Gedenkstein niedergelegt.

Von Mathias Orbeck

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