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Lokales Gedenkstele erinnert an Bar Kochba
Leipzig Lokales Gedenkstele erinnert an Bar Kochba
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06:00 02.07.2018
Bei der Einweihung der Gedenkstele – Frank Kimmerle, Bernd Günther, Küf Kaufmann, Susanne Kucharski-Huniat und Henry Lewkowitz. Quelle: Kempner
Leipzig

Kürzlich erst, beim Aufräumen, hat Bat-ami Goldstein das kleine, vergilbte Dokument gefunden. „Das ist sein Schiedsrichter-Ausweis“, erklärt stolz die aus Tel Aviv angereiste Tochter von Hermann Bernhard Rafe, der in den 1930er-Jahren für den jüdischen Leipziger Fußballclub SK Bar Kochba stürmte. Rafe war eines der wenigen Mitglieder des Clubs, das den Holocaust überlebte. Am frühen Freitagabend wurde zum Gedenken an Bar Kochba eine Stele in der Elsterstraße 7 eingeweiht – genau da, wo damals Jugendhaus und Geschäftsstelle standen, von der Gestapo in der Reichspogromnacht 1938 verwüstet wurden.

Die Initiatoren der Gedenktafel – Henry Lewkowitz und Frank Kimmerle für das Erich-Zeigner-Haus, Bernd Günther für den DGB-Stadtverband – hatten das Glück, eine Menge Unterstützer hinter sich zu wissen: Steffen Foede vom Grundstücks-Eigentümer Unitas GmbH, das Familienportal „Tüpfelhausen“ und die Israelitische Religionsgemeinde. Bevor das Laken einen in Schusstechnik abgebildeten Fußballer auf einer Aluminiumplatte freigibt, berichtet Hermann Rafes mit ihrer Mutter angereiste Enkelin Orly Goldstein von jenem Tag, der Rafe damals das Leben gerettet hat: Das Bar-Kochba-Mitglied wollte nach der Teilnahme an den großen jüdischen Sportspielen 1935 eigentlich zurück nach Leipzig reisen. Doch beim – vermeintlichen – Abschied von seiner Familie in Israel schloss sich sein Cousin mit ihm in einem Zimmer ein. „Du gehst nicht zurück nach Deutschland“, kündigte er seinem verblüfften Verwandten an. „Deine Mutter bittet dich, hier zu bleiben.“ Rafes Widerspruch half nichts – sein Cousin schloss die Tür erst wieder auf, als das Schiff von Haifa Richtung Heimat abgelegt hatte. Rafe blieb bis zu seinem Tod 1991 in Israel, gründete eine Familie und kickte für Hacoah Tel Aviv. Viele Leipziger Verwandte hingegen verloren durch die Nazis ihr Leben – in der Hainstraße 31/Brühl 2 erinnern Stolpersteine daran.

Die Inschrift auf der nun eingeweihten Gedenktafel des Künstlers Michael Fischer-Art erinnert an das Schicksal der Bar-Kochba-Mitglieder. „Viele Vereinsmitglieder wurden verhaftet und inhaftiert, mussten fliehen, verloren ihre Heimat oder wurden ermordet“, heißt es darauf.

Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde, betonte in seiner Rede die in diesen Zeiten steigende Bedeutung, an die Opfer der Nazizeit zu erinnern. Und ist sich sicher: „Der sportliche Geist von Bar Kochba wird nie aus dem Leben unserer Stadt ausgelöscht werden.“

Kulturamtsleiterin Susanne Kucharski-Huniat versprach, neben den bisher gesetzten Zeichen aus dem Rathaus weitere ins Stadtbild zu setzen. In einer für 2020/21 geplanten sporthistorischen Route soll auch das frühere, längst eingeebnete Sportzentrum des Vereins an der Delitzscher Straße Würdigung finden.

Von Mark Daniel

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