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Lokales Gefahrenpunkte im Leipziger Radnetz: Rechtsabbieger sind größtes Problem
Leipzig Lokales Gefahrenpunkte im Leipziger Radnetz: Rechtsabbieger sind größtes Problem
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15:16 17.11.2016
Radfahrer auf der Leipziger Goethestraße  Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Ist Radfahren in Leipzig besonders gefährlich? Im November erschütterte der tödliche Unfall einer 48-Jährigen in der Goethestraße die Stadt. In den sozialen Netzwerken entbrannte eine Diskussion um die Sicherheit. Gemeinsam mit ADFC-Experte Christoph Waack machte LVZ.de die gefährlichsten Stellen bei der täglichen Tour mit dem Zweirad aus.

Kritisch für Radfahrer sind vor allem rechtsabbiegende Fahrzeuge, die den Radverkehr übersehen. Nicht selten sei das laut Waack zum Beispiel auf der Nürnberger Straße / Ecke Brüderstraße der Fall. Radfahrer kommen dort in hohem Tempo an, was Autofahrer aber nur schwer einschätzen können. Um die Situation zu entschärfen, sei bereits vonseiten der Stadt eine Rotfärbung des Radfahrstreifens an dieser Stelle geplant, so Waack.

Als neuralgische Punkte im städtischen Radnetz gelten auch zwei Kreuzungen auf der Jahnallee: am Cottaweg und an der Straße Am Sportforum. In beiden Fällen sind es wieder rechtsabbiegende Fahrzeuge, die Radfahrern gefährlich werden können. Brisant Am Sportforum ist zudem, dass häufig sowohl auf dem Rad- als auch auf dem Fußweg mit dem Zweirad gefahren wird. Autofahrer müssen deshalb doppelt aufpassen.

Rund 1200 Unfälle mit Radfahrern pro Jahr

„Wir haben seit dem Jahr 2006 in Leipzig ein bis vier tödliche Unfälle pro Jahr“, stellt Waack fest. Im vergangenen Jahr starben laut Polizeidirektion Leipzig zwei Radfahrer bei Unfällen, 921 wurden verletzt, insgesamt waren Radfahrer in rund 1200 Unfälle verwickelt. Die weiteren Zahlen der Polizeidirektion Leipzig zeigen eine Größenordnung, die in den letzten Jahren nahezu gleich blieb.

Nicht nur rechtsabbiegende Fahrzeuge und sich plötzlich öffnende Autotüren sind ein Risiko für Radfahrer. Auch abrupt endende Radwege, schlechter Fahrbahnzustand und Autos, die den Fahrradstreifen blockieren, sind gefährlich. Zu Letzterem kommt es oft vor der Post an der Richard-Lehmann-Straße, Höhe Karl-Liebknecht-Straße. Und das obwohl auf Radwegen absolutes Halteverbot herrscht. Radfahrer sind dadurch zu riskanten Manövern gezwungen.

Weitere Gefahrenstellen im Leipziger Radnetz (Quelle: ADFC)

  • Hauptbahnhof: Falsch abbiegende Taxis stellen die größte Gefahr dar. Langfristig helfe nur ein Umbau des gesamten Areals.
  • Prager Straße: Die Bereiche an der Stephan- und Talstraße sind wegen rechtsabbiegender Autos besonders gefährlich. Beide Stellen werden mit dem Umbau der Prager Straße 2017 verändert.
  • Augustusplatz: Kritisch ist es am Übergang zum Grimmaischen Steinweg aufgrund rechtsabbiegender Autos. Pläne der Stadt sollen eine Verbreiterung der Radfurt vorsehen.
  • Ossietzkystraße: Am Übergang zur Volbedingstraße kreuzt der Partheradweg die Straße. Radfahrer haben es schwer, auf die andere Seite zu kommen. Der ADFC empfiehlt den Bau einer Verkehrsinsel.

Immer wieder diskutiert wird darüber hinaus die Kreuzung Peterssteinweg / Wilhelm-Leuschner-Platz. Dort müssen Autofahrer einen mittig verlaufenden Schutzstreifen für Radfahrer kreuzen, wenn sie auf die rechte Spur wechseln wollen. Laut Waack sei das aber eine gute Lösung. Ein ganz rechts verlaufender Streifen sei viel unsicherer, weil sonst am Ende der Straße alle rechtsabbiegenden Fahrzeuge warten müssten. Denn geradeaus fahrende Radfahrer haben Vorfahrt.

Auch den Radweg vor der Straßenbahn-Haltestelle Münzgasse stuft Waack als gelungene Lösung ein. Durch die optische Abgrenzung per Bordsteinkante sei für Fußgänger ein ausreichendes Warnsignal gesetzt. Außerdem werde die Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr deutlich erhöht.

ADFC fordert mehr Rücksichtnahme

Die Stadt hat das Ziel, bis 2025 die Zahl der Unfälle gegenüber dem Jahr 2002 um 25 Prozent zu verringern. Das geht aus dem aktuellen Radverkehrsentwicklungsplan hervor. Dem ADFC, der aktuell unter www.fahrradklima-test.de Leipzigs Fahrradfreundlichkeit testet, schwebt sogar „die Vision Null“ vor, sagt Waack. Also dass Unfälle mit Radfahrer-Beteiligung überhaupt nicht mehr vorkommen.

Um diesem Ziel näher zu kommen, setzt der Fahrradclub unter anderem auf Fahrbahn-Markierungen und Verkehrsinseln. Radwege und Schutzstreifen tragen demnach zu einer höheren Sichtbarkeit auf der Straße bei. Und Radfahrer können so besser von Autofahrern wahrgenommen werden. Verkehrsinseln wiederum helfen ihnen dabei, eine Straße leichter zu überqueren. Zumal diese relativ kostengünstig seien – gerade im Vergleich zu Ampeln. „So wäre mit wenig Geld viel erreichbar“, bekräftigt Waack.

Der Unterschied zwischen Radweg und Schutzstreifen (Quelle: ADFC)

  • Radwege sind entweder auf dem Gehweg (Hochbordradweg) oder auf der Fahrbahn (Radfahrstreifen) angelegt. Letztere besitzen ein Fahrradsymbol und sind durch eine dicke, durchgezogene Linie vom Rest der Straße getrennt. Autos dürfen auf ihnen weder fahren, halten noch parken. Radfahrer müssen auf dem Radweg fahren, wenn dieser durch ein blaues Schild gekennzeichnet ist.
  • Schutzstreifen sind Teil der Fahrbahn und durch eine dünne, gestrichelte Linie und ein Fahrradsymbol gekennzeichnet. Autos dürfen bei Bedarf – etwa in engen Straßen – auf ihnen fahren. Halten bis zu drei Minuten ist ebenfalls erlaubt, Parken jedoch nicht. Schutzstreifen besitzen keine Beschilderung. Sie sind trotzdem im Sinne des Rechtsfahrgebotes indirekt benutzungspflichtig.

Um das häufig raue Klima zwischen Rad- und Autofahrern zu entzerren, fordert der ADFC schließlich mehr gegenseitige Rücksichtnahme. „Wenn man nur an sich selbst denkt, funktioniert Verkehr nicht“, sagt Waack. Deshalb müsse es ein gesundes Miteinander geben, gerade in der dunklen Jahreszeit.

Von Matthias Klöppel / Evelyn ter Vehn

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