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Lokales Gefühl in den Händen – Ärzte der Leipziger Uniklinik retten vollständig abgetrennten Arm
Leipzig Lokales Gefühl in den Händen – Ärzte der Leipziger Uniklinik retten vollständig abgetrennten Arm
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19:49 15.04.2014
Stefan Langer (l.) und Johannes Fakler untersuchen ihren Patienten Sven Vollgraf. Quelle: Stefan Straube Uniklinik Leipzig
Leipzig

Sven Vollgraf wurde bei einem schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn der linke Arm unter dem Schultergelenk abgetrennt. „Ich kann mich nicht erinnern, was passiert ist, an gar nichts“, so der 45-jährige Berufsschullehrer. Mit dem Rettungshubschrauber wurde Vollgraf damals in die Notaufnahme der Uniklinik eingeflogen. Die Rettungskräfte bargen zusammen mit dem Schwerverletzten auch den abgetrennte Körperteil.

„Wichtig war, dass der Arm steril verpackt und mäßig gekühlt zu uns kam“, erklärte Stefan Langer, Experte für Plastische, Rekonstruktive und Handchirurgie am UKL. Oft werde der Fehler gemacht, abgetrennte Gliedmaßen auf Eis zu lagern. Dadurch könne das Gewebe jedoch absterben. Wichtig sei, den Körperteil steril einzupacken, in einer Tüte aufzubewahren, und diese verschlossen in einer zweiten Tüte mit kaltem Wasser sowie einigen Eiswürfeln zu transportieren. „Man nennt dies trockene Kühlung“, so der Chirurg.

Nach der Erstversorgung in der Leipziger Notaufnahme durch den Unfallchirurgen Johannes Fakler und den Anästhesiologen Falk Fichtner schritten die Ärzte gemie3nsam mit weiteren Kollegen unverzüglich zur Operation. „Wir haben die Knochen wieder zusammengefügt, mit Hilfe einer Titanplatte verbunden“, so Fakler. Gleichzeitig entnahm Langer Venenstücke am Bein des Patienten. Mittels dieser wurden die zerfetzten Arterien- und Venenbahnen im Arm wieder verbunden. „Anschließend werden auch die noch funktionsfähigen Nerven in aufwendigster Filigranarbeit wieder zusammengebracht und vernäht“, beschreibt der Rekonstruktionsfachmann den weiteren Ablauf.

Weitere Operationen waren nötig, um Haut und Muskelpartien zu transplantieren. Während des Genesungs- und Heilungsprozesses wurde Vollgraf zudem von einer Traumacare-Psychologin begleitet. Dies sei am Haus Teil der Akutbetreuung von Unfallopfern. Gemeinsam soll so das Geschehen verarbeitet werden.

Zwei Wochen nach der Operation kehrte die Funktionsfähigkeit des abgetrennten Arms allmählich zurück. „Ich kann schon jetzt meinen Handrücken wieder spüren, wenn er gedrückt wird“, freut sich Sven Vollgraf. „Wie vorher wird es nicht werden“, weiß der Familienvater, „aber ich bin sehr dankbar, noch zwei Arme für meine kleine Tochter zu haben.“

Johannes Angermann

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