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Gegen Lohndumping: 2000 Leipziger marschieren mit dem DGB am Tag der Arbeit

Gegen Lohndumping: 2000 Leipziger marschieren mit dem DGB am Tag der Arbeit

Es waren erstaunlich viele junge Leute unter den - nach Veranstalterangaben - 2000 Leipzigern, die gestern bei lauten Breakbeats mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vom Volkshaus in die Innenstadt marschierten.

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Viele junge Gesichter prägten die Demonstration des Gewerkschaftsbundes am Tag der Arbeit in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Nicht nur der Einsatz gegen Rassismus habe den Arbeitnehmer-Organisationen neuen Zulauf gebracht, meinte Sandra Kind (26) aus Möckern. Sie hat bei MAN gelernt und engagiert sich in der IG Metall. "Vor allem ist die Generation Praktikum besonders von Leiharbeit, Werkverträgen und anderen Formen des Lohndumpings betroffen. Offenbar wollen das immer mehr junge Leute nicht akzeptieren."

Mit flotten Sprüchen auf bunten Postern ("Bye-Bye, Burn-out!", "Tschö, Familienfeindlichkeit!", "Fuck off, Rassismus!") versuchte der DGB, zum 125. Jubiläum der ersten Mai-Kundgebungen kein angestaubtes Image aufkommen zu lassen. Selbst Regionalgeschäftsführer Bernd Günther (65), der bald in Rente geht, aber ehrenamtlich weiter dem Stadtverband Leipzig vorsteht, sprach von einer "geilen Mugge", als er das Courage-Konzert am Vorabend an selber Stelle lobte. "Bullshit" seien die Behauptungen der Arbeitgeber, beim flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde handele es sich um ein Bürokratiemonster. "Wie wurden denn bisher Arbeitszeiten erfasst, wenn es auf einmal unmöglich sein soll, sie zu dokumentieren", fragte Günther rhetorisch. In Leipzig kämen 72 000 Beschäftigte in den Genuss dieses "Meilensteins in der deutschen Sozialgeschichte" - davon 26 000 in Vollzeitjobs. Er kündigte an, dass die Gewerkschaften massiv gegen "haarsträubende Tricks" vorgehen wollen, mit denen Arbeitgeber versuchten, den Mindestlohn zu umgehen. So würden aus Jobs plötzlich Praktika oder Kino-Gutscheine als Lohnersatz verteilt.

Alexander Kirchner, 58-jähriger Bundesvorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), strich als Hauptredner auf dem Leipziger Markt weitere Erfolge der jüngsten Vergangenheit heraus. So seien das Rentenpaket der Bundesregierung ("Die Rente mit 67 ist weg und das ist auch gut so") oder ein überdurchschnittlicher Lohnzuwachs bei den Tarifverträgen in den letzten Jahren nur durch Solidarität und Einigkeit bei den Gewerkschaften zustande gekommen. Bei strahlendem Sonnenschein verkniff sich Kirchner jede direkte Attacke auf die Gewerkschaft der Lokführer (GdL), die mit der EVG derzeit in lebhafter Konkurrenz steht. Alle Erfahrungen - seit in Leipzig vor 150 Jahren mit dem Zigarrenarbeiter-Verein die älteste deutsche Gewerkschaft als Vorläufer der heutigen NGG entstand - hätten jedoch gezeigt, dass nur Einigkeit stark mache. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist das, was wir auch heute wollen." Gerade die Beschäftigten im Osten wüssten aus langem Kampf, wie wichtig die Tarifeinheit ist, sagte Kirchner und unterbreitete der GdL ein Gesprächsangebot: "Wir sind zu einem fairen Miteinander auch mit jeder anderen Gewerkschaft bereit, wenn sie die Grundwerte gewerkschaftlichen Handelns stützt."

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) bezeichnete den Mindestlohn ebenfalls als großen Erfolg. Dieser werde keine Jobs vernichten, sondern mehr Stellen schaffen, so der 57-Jährige. Für Leipzig erwarte er zum Jahresende eine Arbeitslosenquote von acht Prozent.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 2. Mai 2015.

Jens Rometsch

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