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Gegenwind für SPD-Stadträtin nach verbalen Angriffen auf Bewohner in Anger-Crottendorf

Kritik auch aus den eigenen Reihen Gegenwind für SPD-Stadträtin nach verbalen Angriffen auf Bewohner in Anger-Crottendorf

„Zustände wie in Connewitz“ befürchtete SPD-Stadträtin Nicole Wohlfahrth angesichts von nächtlichen Proteste am Wochenende in Anger-Crottendorf. Ihre Kritik an angeblich besetzten Häusern und staatsverachtendem Gedankengut im Quartier blieb nicht unbeantwortet.

Blick vom Turm der Emmauskirche auf die Wurzner Straße. (Archifoto)
 

Quelle: Armin Kühne

Leipzig.  Nach ihren verbalen Attacken auf Bewohner im Leipziger Osten, die in Folge einer abgesagten Party samt Polizeikontrollen auf der Wurzner Straße protestierten, erhält SPD-Stadträtin Nicole Wohlfahrth erheblichen Gegenwind auch aus den eigenen Reihen. SPD-Stadtrat Christian Schulze rief Wohlfahrth am Dienstag zu mehr Besonnenheit auf. „Das war eine vollkommen überzogene Reaktion von Frau Wohlfahrth auf eine Ansammlung von Menschen im öffentlichen Raum – zumal sie ja selbst offenbar auch nicht dabei war“, sagte Schulze gegenüber LVZ.de. Die Bewohner aus Anger-Crottendorf kritisierten die Angriffe derweil als „postfaktische Stimmungsmache“, die jeglicher Grundlage entbehre.

Wohlfahrth hatte Artikel in Boulevardmedien über die Situation am Samstagabend zum Anlass genommen, den allgemeinen Trend im Quartier zu kritisieren. Die 29-Jährige behauptete in einer Pressemitteilung unter anderem, „die Entwicklungen an der Dresdner Straße Ecke Wurzner Straße sind schon seit Langem sichtbar. Dass sich das staatsverachtende Gedankengut der linksextremen Szene nun dort auch in gezielten Aktionen zeigt, war nur eine Frage der Zeit.“ Wohlfahrth berichtet von besetzten Häusern und befürchtet im Leipziger Osten „Zustände wie in Connewitz“. Die Situation am Samstag sei von Chaoten bewusst provoziert worden, die Demonstranten seien auch gewalttätig gewesen. Wohlfahrth forderte nicht zuletzt all jene auf, die „unbeschränkt und anarchisch leben“, das Land doch lieber zu verlassen.

Parteikollege Schulze entgegnete dazu am Dienstag: „Ich würde Nicole Wohlfahrth empfehlen, einfach mal den Polizeibericht zu lesen und nicht nur auf Medienberichte zu reagieren. Denn die Polizei erklärt ja, dass es ein eher moderates Verhalten der Versammlungsteilnehmer war, dass es auch keine Flaschenwürfe oder ähnliches gab“. Es stehe natürlich außer Frage, dass jegliche Gewalt gegen Menschen inakzeptabel ist, „aber hier geht es ja gar nicht um Gewalt“. Zudem kann der 54-Jährige auch die Befürchtung seiner 25 Jahre jüngeren Parteikollegin zur Entwicklung im Stadtteil nicht verstehen. „Ich wohne seit vielen Jahren im Leipziger Westen und freue mich, dass dort viele junge Menschen hingezogen sind. Dabei sind auch viele Projekte entstanden und der Stadtteil hat sich bunt entwickelt. Ich wünsche dem Osten auch solch eine Entwicklung“, so Schulze gegenüber LVZ.de.

Bewohner: Stimmungsmache gegen alternative Wohnformen

Auch die Bewohner in der Wurzner Straße monieren in den Attacken der SPD-Stadträtin einige Falschbehauptungen. So gebe es gar keine besetzten Häuser im Quartier, auch die beiden aktuell im Fokus stehenden Gebäude seien rechtmäßig von Mietern bewohnt. Die SPD-Politikerin schlage in dieselbe Kerbe wie ein rechtsextremer Stadtrat, der zuletzt eine Ratsanfrage zum Thema stellte, hieß es am Dienstag aus Anger-Crottendorf. „Nicole Wohlfahrths Äußerungen zielen lediglich darauf ab, Stimmung gegen alternative Wohnformen und Demonstrationen, die Handlungen einer wirklichen gelebten Demokratie darstellen, zu machen“, sagte Katja S. gegenüber LVZ.de. Die 31-Jährige war als Nachbarin am Samstag von den Polizeikontrollen betroffen, empfand diese als repressiv und nicht rechtmäßig. Zudem widerspricht sie auch den Darstellungen der Polizei, dass kein Pfefferspray bei der Räumung der Versammlung eingesetzt wurde.

Ausgangspunkt für die sich aufschaukelnde Situation am Samstagabend im Stadtteil Anger-Crottendorf war eine Tanzveranstaltung in einem Wohnhaus an der Wurzener Straße. Das Bauordnungsamt hatte diese untersagt, weil die Party auch öffentlich beworben wurde und somit mutmaßlich kein privater Anlass vorlag. Nachdem die Organisatoren die Veranstaltung vor Beginn abgesagt hatten, kontrollierten Beamte die Zugänge zum Gebäude und zu einem Nachbarhaus. Nach Veröffentlichung dieser Kontrollen in sozialen Netzwerken kamen zahlreiche Anwohner und Nachbarn dazu – bis Mitternacht war die Zahl auf 150 Personen angewachsen. Diese besetzten vorübergehend eine Straßenkreuzung und sorgten dadurch für Behinderungen im Verkehr. Die Polizei ließ die Versammlung schließlich räumen.

Von Matthias Puppe

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