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Geheime Entscheidung: Jury einigt sich auf Entwurf für neue Propsteikirche

Geheime Entscheidung: Jury einigt sich auf Entwurf für neue Propsteikirche

Bei den Katholiken in Leipzig steigt die Spannung: Am kommenden Sonntag wird mit der Eröffnung einer Ausstellung bekanntgegeben, wie die neue katholische Kirche aussehen wird, die im Zentrum der Stadt gebaut werden soll.

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Die Kirche St. Trinitatis in der Emil-Fuchs-Straße ist marode und wird nun durch einen Neubau in der Innenstadt ersetzt.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Acht Entwürfe von Architekturbüros waren im Rennen. Bereits am Montag entschied eine Jury im Gemeindezentrum in der Emil-Fuchs-Straße hinter verschlossenen Türen welches Modell das Rennen macht. Bis zur Verkündung ist absolutes Stillschweigen vereinbart. Nur so viel ist bekannt geworden: Die Juroren konnten sich auf einen Favoriten einigen.

Joachim Reinelt, Bischof des Bistums Dresden-Meißen und Jurymitglied, hat schon Vorstellungen zum größten Kirchen-Neubau Ostdeutschlands. „Nach außen soll das Bauwerk signalisieren, dass es eine Kirche ist, und nach innen ein familiärer Raum sein.“ Die Kirche solle so gestaltet sein, dass sie auch Menschen anzieht, die nicht zur Kirche gehören wollen, aber interessiert sind.

Bei dem genauen Entwurf vertraut der Bischof auf die Architekten. Dennoch: „Ich bin kein Freund hoher Türme“, sagt Reinelt. Das Bistum trägt einen Großteil der Baukosten von mehr als zehn Millionen Euro. Durch Spenden soll ein weiterer Teil der Kosten gedeckt werden. So erbrachte eine bundesweite Kollekte bereits mehr als zwei Millionen Euro.

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Die Trinitatiskirche vor ihrer Zerstörung in der Rudolphstraße (100 Meter westlich des heutigen Neuen Rathauses).

Quelle: Bistum DresdenMeißen

Beate Müller muss nur auf eine Wand im Eingangsbereich des Gemeindezentrums der Propsteigemeinde St. Trinitatis deuten, damit klar wird, warum die Gemeinde eine neue Kirche benötigt. Ein großer Riss zieht sich von der Decke bis zum Boden. Die 42-Jährige, die ihre Tochter Josina zur Kommunionvorbereitung begleitet, kann sich noch erinnern, wie in den 1980er Jahren die nun marode gewordene Kirche entstand.

Damals wies die DDR-Führung der Gemeinde ein sumpfiges Gelände nordöstlich des Stadtzentrums zu. Es entstand ein grauer Betonklotz, der schon wenige Jahre später abzusacken begann. Heute lohnt es sich nicht mehr, Kirche und Gemeindezentrum zu sanieren. Der Neubau soll direkt in das Zentrum Leipzigs rücken.

„Viel Licht wäre schön“, sagt Beate Müller, wenn sie ihre Vorstellungen von der neuen Kirche beschreiben soll. „Es soll kein introvertiertes, sondern ein offenes Gebäude werden“, sagt Matthias Grunwald, von Beruf Architekt. Grunwald ist Mitglied der Gemeinde und sitzt in der Jury, die über den Entwurf des Kirchenbaus entschieden hat. Der 45-Jährige findet es spannend, in ein so großes Projekt eingebunden zu sein, „das ja ein sehr antizyklisches in der katholischen Kirche ist“.

Antizyklisch ist der Kirchenbau in jedem Fall. Die Mitgliederzahlen in der Katholischen Kirche sinken seit Jahrzehnten. Vielerorts fusionieren Gemeinden, Kirchen werden geschlossen. Die Propsteigemeinde gehört zu den wenigen Gemeinden, die noch wachsen. Zudem liegt der Altersdurchschnitt der Mitglieder bei unter 37 Jahren. Viele junge Familien gehören zur Gemeinde.

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1943 wurde die alte Probsteikirche durch einen Bombenangriff zerstört.

Quelle: Bistum DresdenMeißen

Doch die neue Kirche soll nicht nur ein neues Zuhause für die rund 4000 Katholiken von St. Trinitatis sein. Bischof Reinelt will, dass der Neubau „eine Kirche für ganz Leipzig wird“. Lothar Vierhock, Propst der Gemeinde, konkretisiert: Die neue Kirche soll ein Ruhepol in Leipzig sein, intellektuelle Herausforderungen für Ethik-Interessierte bieten und insgesamt „ein Beitrag zum Gemeinwohl der Stadt sein“. Wenn klar ist, wie die Kirche aussehen wird, sollen konkrete Angebote geplant werden.

Es scheint auch kein Wunder zu sein, dass ausgerechnet in einem ostdeutschen Bistum eine derart große Kirche gebaut wird. Im Bistum Dresden-Meißen ist die Quote der Gottesdienstbesucher mit 21,4 Prozent aller Katholiken fast doppelt so hoch wie in den westdeutschen Bistümern.

„Man schaut aus dem Westen interessiert in die ostdeutschen Bistümer“, sagt Bischof Reinelt. Die Situation, dass nur wenige Gläubige in die Gemeinden kämen, habe die Kirche im Osten durch die DDR bereits durchgemacht. Das stehe den westdeutschen Bistümern noch bevor.

Tobias Chmura, dpa/mro/chl

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