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Lokales Geheimnis um Flaschenpost: Leipzigerin erkennt Spur ihres Vaters
Leipzig Lokales Geheimnis um Flaschenpost: Leipzigerin erkennt Spur ihres Vaters
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09:33 14.01.2017
Bild aus den 50er-Jahren: Christine Boldhaus, geborene Lässig, und ihr Vater Manfred am Strand von Heringsdorf. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

 Als Christine Boldhaus am Freitag Morgen die Zeitung aufschlägt, fällt ihr fast die Tasse aus der Hand. Die Geschichte, die sie dort liest, ist für die 68-Jährige fast unglaublich. Denn sie hat mit ihr zu tun und reicht bis in ihre Kindheit zurück. Das Geheimnis um die Flaschenpost aus der Ostsee: Es ist gelüftet.

Die Pulle war vor über 60 Jahren in die Ostsee geworfen worden – Sturmtief Axel hat sie letzte Woche aus irgendeinem Winkel der Ostsee an den Strand von Bansin gespült. Fotografin Gabriela Messlin fand die Flasche, deren Inhalt auf eine Spur nach Leipzig führte, und ging zur Ostsee-Zeitung (OZ). Zusammen mit der Leipziger Volkszeitung (LVZ) begann eine Suchaktion. Mittwoch erschien ein erster Beitrag in OZ und LVZ.

 „Grüße aus Leipzig über Lobbe/Ostsee – Tel. 46184“ stand auf dem kleinen Zettel in der Flasche. LVZ-Redakteure begannen in einem alten Telefonbuch zu wühlen, wurden aber nicht fündig. Unsere Leser schon. Corinne Schulze und Wolfgang Heilemann wälzten Exemplare von 1980, lieferten als zugehörige Adresse das „Bau- und Montagekombinat Süd VEB“. Der entscheidende Hinweis kam dann aber von Detlef Freund aus Machern, der die „46184“ mit verschiedenen Telefonbuch-Ausgaben zwei weiteren Namen zuordnen konnte. Das Exemplar von 1955 führte zu Manfred Lässig, Rückmarsdorfer Straße 33, Leipzig. Die LVZ veröffentlichte dieses erste Zwischenergebnis in der Freitagsausgabe.

„Ich kann es gar nicht fassen“, berichtet Christine Boldhaus, geborene Lässig, als sie sich am Freitag Nachmittag in der LVZ-Redaktion meldet. Familie Lässig wohnt über 20 Jahre in der Rückmarsdorfer Straße: Vater Manfred, Buch- und Musikalienhändler bei Breitkopf & Härtel, Mutter Ilse Lässig, Zahnarzthelferin, Christine und die kleine Schwester Dagmar. In den 50-ern geht es mit dem Auto mehrmals an die Ostsee. Christine Boldhaus ist noch ein Kind, 1955 kommt sie mit sieben Jahren in die Schule – in den Ferien davor ist es erstmal der letzte Urlaub auf Usedom. Bis dahin geht es jedes Jahr immer ins selbe Ferienzimmer nach Heringsdorf. „Wir hatten eine kleine Einzel-Kochplatte, manchmal hat meine Mutter darauf eine Suppe gemacht.“ Ansonsten sind viele Bilder verblasst. Aber es gibt ein paar Fotos. Die zeigen eine Familie am Strand oder vor dem Ferienhaus. Die Lässigs machen Ausflüge und fahren mit einem Kutter aufs Meer. Dabei wirft der Papa öfter mal eine Flaschenpost in die Gischt. „Mein Vati hat sowas gerne gemacht – wir Kinder wollten ja auch beschäftigt sein“, erzählt Christine Boldhaus. Ob sie mal nach Lobbe auf Rügen gefahren sind oder das Boot vor Rügen unterwegs war, aus dem diese eine Flasche in die Ostsee plumpste, das weiß Christine Boldhaus nach über 60 Jahren nicht mehr. Manfred Lässig ist 2008 mit 86 Jahren gestorben, Mutter Ilse ist auch nicht mehr da.

Der großen Überraschung am Frühstückstisch in Neulindenau folgten am Freitag übrigens etliche Anrufe von Bekannten, das Telefon stand nicht mehr still. „Ich konnte ja so schon gar nicht fassen. Und dann riefen noch so viele Leute an.“ Freunde aus dem Gartenverein, aber auch Menschen, von denen Christine Boldhaus und ihr Mann Helmut (77) schon länger nichts mehr gehört hatten. Alles wegen einer über 60 Jahre alten Flaschenpost.

„Wir haben die Ostsee geliebt, und wir lieben sie immer noch“, sagt Christine Boldhaus. Sie und ihr Mann haben selbst schon erwachsene Kinder: Angela (44) und Gunnar (34). Enkel Erik ist 16. Weitere Urlaube am Meer mit der eigenen Familie gab es auch immer mal. Eine Flaschenpost haben die Boldhaus’ nicht ins Meer geworfen. Aber vielleicht ändert sich das ja nun. Und wenn dann in 60 Jahren am Strand von Bansin eine Flasche findet...

Von Björn Meine

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