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"Gelingende Integration im Leipziger Norden?": Leipzig ist Vorbild in Sachen Flüchtlingspolitik

"Gelingende Integration im Leipziger Norden?": Leipzig ist Vorbild in Sachen Flüchtlingspolitik

Leipzig ist Vorbild in Sachen Flüchtlingspolitik - zu diesem Schluss sind am Montagabend die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion unter dem Motto "Gelingende Integration im Leipziger Norden?" gekommen.

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Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD)

Quelle: dpa

Leipzig. Der Bürgerverein Gohlis hatte zu der Veranstaltung, die vom SPD-Landtagsabgeordneten Holger Mann moderiert wurde, in der Vorwoche eingeladen. Vor 70 Zuhörern diskutierten Vertreter aus Politik und Flüchtlingshilfe mit dem Publikum über die aktuelle und künftige Asylpolitik von Freistaat und Kommune.

Den Anfang aber machte Mohammed Idris. Er schilderte, wie er gemeinsam mit seiner Familie aus Syrien floh - zunächst in die Türkei, dann per Lkw nach Deutschland. Und er erzählte von den Startschwierigkeiten bei der Ankunft in der sächsischen Erstaufnahme-Einrichtung in Chemnitz: "Als ich dort ankam, hatte ich große Probleme." Er sprach von einem "Kulturschock", der sich erst nach und nach gelegt habe.

Diesen Schock abzufedern, gelingt nach Ansicht von Sonja Brogiato vor allem durch gute Betreuung. "Auf einen Betreuer kommen bei uns, je nach Einrichtung, 40 bis 50 Flüchtlinge", sagte die Sprecherin des Vereins Leipziger Flüchtlingsrat. Das seien geradezu paradiesische Zustände im Vergleich zu Herbergen mit einem Betreuungsverhältnis von 1:300. Alexander Melzer vom Verein Pandechaion - Herberge, der in Leipzig Unterkünfte betreibt, bezeichnete die Zuweisung in die Messestadt denn auch als "Sechser im Lotto" für jeden Flüchtling. Hinzu käme noch ein Patenschaftsprogramm, das den Menschen helfen und die Sozialarbeiter entlasten solle. Auch die Spendenbereitschaft für Flüchtlinge sei groß. Kleidung werde zur Zeit hingegen keine benötigt. Lediglich bei technischen Geräten wie alten Fernsehern und Computern herrsche noch Bedarf. Außerdem gebe es die Möglichkeit, Geld für weiterführende Deutsch-Kurse zu spenden.

Verbesserungsbedarf sieht Sachsens neue Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) vor allem in der Kommunika- tion. Bei vielen Menschen, die derzeit gegen die Asylpolitik auf die Barrikaden gingen, herrsche "Uninformiertheit, aber auch Frust auf die Politik". Diese beiden Welten müsse man zusammenbringen, meinte auch Sonja Brogiato.

Asylkritische Stimmen blieben an diesem Abend weitgehend aus - trotz der geplanten Erstaufnahmeeinrichtung im Leipziger Norden (die LVZ berichtete). Einzig ein Teilnehmer brachte seine Sorge vor kriminellen Flüchtlingen zur Sprache und verwies auf aktuelle Fälle, in denen Asylbewerber Kühlschränke angezündet hätten, um gegen ihre Unterbringung zu protestieren. Flüchtlingsrats- sprecherin Brogiato fand auch hierfür deutliche Worte. "Wir kommen alle zusammen nicht weiter, wenn wir nicht auch die Probleme benennen", sagte sie. Reflexhaftes Verteidigen nütze nichts. "Man muss die Dinge ansprechen, die Ursachen suchen und sie dann angehen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.12.2014

Lehmann, Stefan

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