Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales "Gelingende Integration im Leipziger Norden?": Leipzig ist Vorbild in Sachen Flüchtlingspolitik
Leipzig Lokales "Gelingende Integration im Leipziger Norden?": Leipzig ist Vorbild in Sachen Flüchtlingspolitik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:59 23.12.2014
Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) Quelle: dpa
Leipzig

Der Bürgerverein Gohlis hatte zu der Veranstaltung, die vom SPD-Landtagsabgeordneten Holger Mann moderiert wurde, in der Vorwoche eingeladen. Vor 70 Zuhörern diskutierten Vertreter aus Politik und Flüchtlingshilfe mit dem Publikum über die aktuelle und künftige Asylpolitik von Freistaat und Kommune.

Den Anfang aber machte Mohammed Idris. Er schilderte, wie er gemeinsam mit seiner Familie aus Syrien floh - zunächst in die Türkei, dann per Lkw nach Deutschland. Und er erzählte von den Startschwierigkeiten bei der Ankunft in der sächsischen Erstaufnahme-Einrichtung in Chemnitz: "Als ich dort ankam, hatte ich große Probleme." Er sprach von einem "Kulturschock", der sich erst nach und nach gelegt habe.

Diesen Schock abzufedern, gelingt nach Ansicht von Sonja Brogiato vor allem durch gute Betreuung. "Auf einen Betreuer kommen bei uns, je nach Einrichtung, 40 bis 50 Flüchtlinge", sagte die Sprecherin des Vereins Leipziger Flüchtlingsrat. Das seien geradezu paradiesische Zustände im Vergleich zu Herbergen mit einem Betreuungsverhältnis von 1:300. Alexander Melzer vom Verein Pandechaion - Herberge, der in Leipzig Unterkünfte betreibt, bezeichnete die Zuweisung in die Messestadt denn auch als "Sechser im Lotto" für jeden Flüchtling. Hinzu käme noch ein Patenschaftsprogramm, das den Menschen helfen und die Sozialarbeiter entlasten solle. Auch die Spendenbereitschaft für Flüchtlinge sei groß. Kleidung werde zur Zeit hingegen keine benötigt. Lediglich bei technischen Geräten wie alten Fernsehern und Computern herrsche noch Bedarf. Außerdem gebe es die Möglichkeit, Geld für weiterführende Deutsch-Kurse zu spenden.

Verbesserungsbedarf sieht Sachsens neue Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) vor allem in der Kommunika- tion. Bei vielen Menschen, die derzeit gegen die Asylpolitik auf die Barrikaden gingen, herrsche "Uninformiertheit, aber auch Frust auf die Politik". Diese beiden Welten müsse man zusammenbringen, meinte auch Sonja Brogiato.

Asylkritische Stimmen blieben an diesem Abend weitgehend aus - trotz der geplanten Erstaufnahmeeinrichtung im Leipziger Norden (die LVZ berichtete). Einzig ein Teilnehmer brachte seine Sorge vor kriminellen Flüchtlingen zur Sprache und verwies auf aktuelle Fälle, in denen Asylbewerber Kühlschränke angezündet hätten, um gegen ihre Unterbringung zu protestieren. Flüchtlingsrats- sprecherin Brogiato fand auch hierfür deutliche Worte. "Wir kommen alle zusammen nicht weiter, wenn wir nicht auch die Probleme benennen", sagte sie. Reflexhaftes Verteidigen nütze nichts. "Man muss die Dinge ansprechen, die Ursachen suchen und sie dann angehen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.12.2014

Lehmann, Stefan

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Sacri Monti (Heiligen Berge) sind im Piemont und in der Lombardei im Norden Italiens Kapellen und Pilgerstätten. Sie wurden im 16./17. Jahrhundert errichtet und gehören seit 2003 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Michael Thomas 23.12.2014

Seit Wochen ziehen die selbst ernannten Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) durch Dresden und andere Städte, wenden sich gegen eine Überfremdung Deutschlands, kritisieren die Asyl- und Flüchtlingspolitik des Bundes, der Länder und Kommunen.

23.12.2014

Wenn heute alle ihre Geschenke auspacken, ist Mark Hegewald im Stress. Der Leipziger Weihnachtsmann rast Heiligabend von Familie zu Familie. Sein Ziel: den schönsten Tag des Jahres unvergesslich machen.

23.12.2014