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Gemischte Gefühle beim letzten Kirchweihfest in der alten Propsteikirche am Rosental

Gemischte Gefühle beim letzten Kirchweihfest in der alten Propsteikirche am Rosental

Es war eine eigenartige Stimmung, die am gestrigen Sonntag durch die Propsteikirche St. Trinitatis wehte. Die katholische Gemeinde beging zum 32. Mal ihr Kirchweihfest.

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Das Modell der neuen Kirche inmitten der aktuellen Propstei: Im nächsten Jahr verlässt die katholische Gemeinde das Gotteshaus am Rosental. Gestern feierte sie dort zum letzten Mal ihr Kirchweihfest.

Quelle: Wolfgang Zeyen

1982 war das Gotteshaus in der Emil-Fuchs-Straße geweiht worden. Eigentlich also ein Grund zum Feiern für die knapp 4500 Gemeindemitglieder. Doch in die feierliche Stimmung mischte sich Wehmut. Im nächsten Jahr wird die Pfarrei bekanntlich umziehen - an den neuen Standort gegenüber vom Neuen Rathaus. "Das ist schon ein eigenartiges Gefühl", räumte Propst Lothar Vierhock ein, auch wenn das Kirchweihfest nur ein kleiner Teil des "Abschieds auf Raten" sei. Es stimme ihn durchaus nachdenklich, "dass die Halbwertszeit einer Kirche nur 32 Jahre beträgt".

Die Mischung aus Frohsinn und Traurigkeit war auch den Mitgliedern der einzelnen Initiativen anzumerken, die sich und ihre Arbeit nach dem Gottesdienst vorstellten. "Es sind wirklich gemischte Gefühle", sagte etwa Beate Müller. "Wir Gemeindemitglieder haben dieses Haus ja mit aufgebaut." Auf der anderen Seite sei der Umzug unvermeidlich gewesen. "Wir haben in einem Teil des Gebäudes einen Wasserschaden, viele Bänke sind schief und werden nur noch mit Keilen gerade gehalten. Das Mauerwerk hat riesige Risse und arbeitet." Eine Instandsetzung aber wäre für die Gemeinde finanziell nicht zu stemmen gewesen.

Auch Dagmar Schlegel gestand, ihr falle der Abschied schwer. Die Kirche sei ihr eine Heimat geworden. Dennoch wagte sie, die als Mitglied der Jakobusgesellschaft monatliche Pilgerfahrten organisiert, den Blick nach vorn. Die neue Kirche werde zwar nicht mehr an der Via Regia liegen, dafür aber an der Via Imperii, die von der polnischen Ostseeküste bis ins fränkische Hof führt.

Gerhard Hartmuth hingegen wird dem alten Standort nicht im Geringsten nachtrauern. "Ich bin Mitglied in der Arbeitsgruppe Nachhaltige Propstei", erklärte er. "Der Neubau entspricht viel eher unseren Vorstellungen: Dort wird es Strom aus Fotovoltaik geben. Und geheizt wird mit Erdwärme." Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe schenkte Hartmuth gestern fair gehandelten Kaffee aus - und zwar gleich drei Sorten. "In Vorbereitung für das Lesecafé am neuen Standort", verriet er. "Die Gemeindemitglieder können dann abstimmen, welcher Kaffee ihnen geschmeckt hat und dort serviert werden soll." Das Café werde dann ehrenamtlich betrieben und solle auch eine Anlaufstelle für Passanten sein. "Schließlich ist Erklärungsbedarf da. Nicht jeder versteht, warum eine katholische Kirche in die Innenstadt soll."

Den Wechsel ins Stadtzentrum sieht auch Propst Vierhock als eine Chance. Zu einer Kirchgemeinde gehörten neben Gebet und Feier eben auch Taten der Nächstenliebe und des Einmischens zum Wohle der Stadtgesellschaft. "Letzteres wird uns am Ring leichter fallen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.10.2014

Lehmann, Stefan

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