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Genscher und Leipzig: „Ich fühle mich Ihrer Stadt fest verbunden“

Ex-Außenminister starb mit 89 Jahren Genscher und Leipzig: „Ich fühle mich Ihrer Stadt fest verbunden“

Hans-Dietrich Genscher kehrte immer wieder nach Leipzig zurück. Flakhelfer, Jurastudent, Ehrengast: Seine Verbindungen in die Messestadt ziehen sich über viele Jahrzehnte. Der Politiker starb im Alter von 89 Jahren.

Hans-Dietrich Genscher bei der Verleihung des Mendelssohn-Preises im Jahr 2014.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Leipzig.  Hans-Dietrich Genscher und Leipzig, das blieb immer eine besondere Beziehung. Neben seiner Heimatstadt Halle war er der Messestadt bis zuletzt treu und besuchte sie immer wieder. Der beliebte Ex-Außenminister der Bundesrepublik Deutschland starb Donnerstagnacht im Alter von 89 Jahren.

„Ich fühle mich Ihrer Stadt fest verbunden“, sagte Genscher 2003 bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Leipziger Juristenfakultät. Eine seiner ersten Begegnungen blieb dem späteren Bundesaußenminister zeitlebens in Erinnerung. „Am 4. Dezember 1943 wurde ich als 16-jähriger Luftwaffenhelfer in einer Flakstellung bei Leipzig-Engelsdorf Zeuge, wie Bomben große Teile der Stadt in Schutt und Asche legten“, erinnerte sich Genscher bei seinen Besuchen.

Fünf Jahre nach dem Bombenhagel zog es Genscher erneut nach Leipzig. Inzwischen studierte er Jura und wechselte in seinem sechsten Fachsemester von Halle in die Messestadt. Sein Erstes Staatsexamen legte der Student am 5. Oktober 1949, zwei Tage vor Gründung der DDR, ab. Seine Klausuren hatte er im Reichsgericht, dem heutigen Bundesverwaltungsgericht, geschrieben. In dieser Zeit engagierte sich der angehende Jurist auch schon politisch und wurde Mitglied der DDR-Liberalen von der LDPD.

Immer wieder war Hans-Dietrich Genscher in Leipzig zu Gast - auf der Buchmesse, beim Lichtfest und bei Parteiveranstaltungen. LVZ.de zeigt Bilder von seinen Besuchen in der Messestadt.

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„Hans-Dietrich Genscher war unserer Juristenfakultät aufgrund seiner Leipziger Studienzeit besonders verbunden. Sein Tod ist ein schmerzlicher Verlust“, sagte Dekan Jochen Rozek. Und Rektorin Beate Schücking ergänzte: „Unvergessen bleibt sein erfolgreiches und motivierendes Engagement im Jubiläumsbeirat seiner Alma mater anlässlich der 600-Jahr-Feier der Universität im Jahr 2009.“

Jahrzehntelange Trennung

Für Genscher folgt nach seiner Studienzeit ein langer Abschied von Leipzig. Zunächst kehrte er nach Halle zurück und siedelte schließlich 1952 in die Bundesrepublik über. Erst nach der politischen Wende in Ostdeutschland zeigte sich der Politiker auch wieder regelmäßig den Bürgern der Messestadt.

Genscher war nicht nur wegen seiner persönlichen Verbindung in die Region, sondern auch wegen seiner Rede auf dem Balkon der Prager Botschaft 1989 zu DDR-Flüchtlingen, einer der geachtetsten Bundespolitiker in der DDR. Neben privaten Aufenthalten versuchte er in der Wendezeit, seiner FDP bei Wahlkampfauftritten auch in Leipzig Kraft zu verleihen. "Wir verlieren einen Freund Leipzigs. Sein Name wird in unserer Stadt mit großem Respekt und Anerkennung für seine Tätigkeit als Außenminister der Bundesrepublik Deutschland und sein jahrelanges persönliches Engagement im Zusammenhang mit der Friedlichen Revolution im Herbst '89 in Leipzig verbunden bleiben", sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Als die Leipziger Volkszeitung am 14. Oktober 1994 mit einem Festakt im Gewandhaus ihren 100. Geburtstag beging, trat Genscher als Festredner ans Pult. „Heute und in den kommenden Jahren geht es um nicht mehr und nicht weniger als um die Erneuerung unseres Staates, unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft“, sagte er damals. Und Genscher merkte an: „Wir müssen die in Deutschland geschaffene offene Gesellschaft gegen Ausgrenzung und Abgrenzung, gegen neuen Nationalismus stellen.“

100.000 Leipziger hören Genscher zu

Zum Lichtfest 2009 sprach Genscher noch einmal vor der ganz großen Kulisse. Rund 100.000 Leipziger gedachten 20 Jahre später der Demonstration vom 9. Oktober 1989 rund um den Innenstadtring. „Der 9. Oktober ist eines der wunderbarsten Daten in unserer Freiheitsgeschichte“, rief Genscher den Menschen von der Opern-Treppe aus entgegen.

Es folgten noch zwei große Auftritte in Leipzig. Im März 2013 wollten rund 1500 Zuhörer den deutschen Politiker an der Seite von Michail Gorbatschow in der Peterskirche hören. Sie sprachen in Leipzig noch einmal über die Hauptthemen ihres Lebens und ihrer politischen Karrieren: Krieg, Wettrüsten und schließlich den Umbruch 1990, den beide maßgeblich mitgestaltet haben. Genscher in der Peterskirche: „Massenvernichtungswaffen lassen sich nur beherrschen, wenn man sie vernichtet.“

Im September 2014 erhielt Genscher im Gewandhaus den Mendelssohn-Preis. Der inzwischen 87-Jährige war zwar nicht mehr gut zu Fuß, im Kopf dafür umso wacher. Vor allem eine Passage seiner Rede ist heute aktueller denn je: „Seht im Volk der Anderen ein Volk der Nächsten, geht tolerant mit ihnen um. Niemals wieder darf einer mit Geringschätzung auf andere schauen, weil er anders ist. Man muss sie mögen, weil sei anders sind. Denn dieses Anderssein ist eine Bereicherung für uns.“ Genschers Worte bleiben.

Von Matthias Roth

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