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Lokales Geplante Moschee in Leipzig-Gohlis – Breites Bündnis setzt ein Zeichen gegen Rechts
Leipzig Lokales Geplante Moschee in Leipzig-Gohlis – Breites Bündnis setzt ein Zeichen gegen Rechts
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14:37 02.11.2013
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Vor den Gohlis-Arkaden fanden sich weitere Demonstranten ein. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und der Superintendent der evangelischen Kirche in Leipzig, Martin Henker, sprachen zu den Anwesenden. Auch Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz setzte vor Ort ein Zeichen gegen Rechts. Es werde friedlich bleiben, damit rechne er fest, so Merbitz zu Beginn der Veranstaltung.

Die NPD hatte für 11 Uhr zu einer Kundgebung in die Georg-Schumann-Straße aufgerufen. Damit schließen sich die Rechtsextremen dem bürgerlichen Protest gegen die geplante Errichtung einer Moschee an der Bleichertstraße an. Gegen 11.40 Uhr fuhren die Rechtsextremen mit einem Lkw vor, begleitet von etwa 50 bis 80 Protestierern. Die Veranstaltung soll bis etwa 18 Uhr andauern, doch bereits kurz vor 14 Uhr löste sich die Demonstration auf.

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Eine Vertreterin der Bürgerinitiative "Gohlis sagt Nein!" sprach mit LVZ-Online: „Die können alle kommen, wenn sie sich integrieren wollen.“ Aber, so fügte die Mitarbeiterin des Jugendamtes an, es fehle an Betreuung und an Aufsicht. Sie habe Angst um ihre eigenen deutschen Kinder, so die Frau, die ihren Namen nicht in den Medien lesen möchte. „Ich glaube nicht, dass die NPD sich den Protest zu Eigen macht. Damit wird ein Zeichen gesetzt.“ Grünen-Bundestagsabgeordnete Monika Lazaar hingegen meint, die rechtsextreme Partei suche gezielt nach Anknüpfungspunkten "und dann spielen die sich als Volksvertreter auf."

Zu ein breites Bündnis aus Politik, Zivilgesellschaft und Bürgern hatte zu den Gegenprotesten aufgerufen. Einzig die Leipziger CDU schloss sich nicht an. „Es ist schade, dass sich die Union nicht zeigt. Ich habe bei den Leipziger Bundestagsabgeordneten Thomas Feist und Bettina Kudla angefragt, ob sie uns unterstützen würden. Da kam keine Antwort. Das ist ja auch ein Zeichen.“

Grünen-Sprecher Jürgen Kasek sagte am Samstagmorgen gegenüber LVZ-Online: „Mit der Gegenkundgebung zeigen wir: Wir in Leipzig lösen unsere Konflikte selbst – ohne Nazis.“ „Der Zuspruch von gut 500 Gegendemonstranten ist ein Signal an die Rechten“, so Linken-Stadträtin und Vertreterin von 'Leipzig nimmt Platz'  Juliane Nagel. „Es ist schlimm, dass wir auf die Straße gehen müssen, um das Grundgesetz und die Religionsfreiheit zu verteidigen. Es ist aber schön, zu sehen, dass es so viele Menschen trotzdem tun.“

Polizei sichert mit mehreren Hundertschaften

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Die Polizei sichert die Gegenveranstaltungen an der Friedenskirche, vor den Gohlis-Arkaden wie auch den NPD-Aufmarsch mit mehreren Hundertschaften ab. Augenzeugen berichten von mindestens 300 bis 400 Einsatzkräften vor Ort. Polizeisprecher Michael Hille erkärte am Vormittag: „Bislang ist alles friedlich. Alles ist ruhig.“ Vor Beginn der Veranstaltung, versuchten mehrere Gegendemonstranten, die Kreuzung zu blockieren. Die Polizei drängte sie an die Seite und ließ den Verkehr weiter fließen. Hille konnte eine Blockade nicht bestätigen. Gegendemonstranten hätten lediglich versucht, zum Kundgebungsort der NPD zu gelangen. Dies sei unterbunden worden. „Wir sind als Polizei dazu da, die Versammlungsfreiheit sowohl der Demokraten als auch der NPD zu gewährleisten," erklärte Bernd Merbitz am Rande der Veranstaltung.

Informationsveranstaltung soll Fragen der Bürger klären

Am 7. November soll es für die Anwohner in Gohlis und Leipziger Bürger eine Informationsveranstaltung zum Moscheebau geben. "Die Kritiker haben berechtigte Fragen. Diese müssen wir ernst nehmen, den Bürgern die Ängste nehmen", sagte Lazaar gegenüber LVZ-Online. "Niemand will diese Menschen automatisch in die rechte Ecke stellen." Die Gemeinde will gern alle fragen beantworten, erklärte Dr. Rashid Nawaz am Samstag. "Die Leute kennen uns nicht", so der Regionalvorstand der Ahmadiyya-Gemeinde. "Ich bin dafür, dass wir mehr miteinander reden."

In Leipzig-Gohlis soll auf einer Brache zwischen Georg-Schumann- und Bleichertstraße ein Gebetshaus der Ahmadiyya-Gemeinde entstehen. Das zweistöckige Gebäude wird etwa zehn Meter hoch werden, versehen mit zwei zwölf Meter hohen Zier-Minaretten. Damit überragen die umstehenden Gebäude den Neubau um mehrere Meter.

Die islamische Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) ist seit über 50 Jahren in Deutschland aktiv und errichtete bereits 1957 in Hamburg die erste Moschee. Das Gohliser Haus wäre neben der Khadija-Moschee in Berlin-Heinersdorf die zweite Moschee in den neuen Bundesländern.

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joka

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