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Gericht sieht Hinweise für fehlerhafte Infinus-Prospekte

Schadenersatz Gericht sieht Hinweise für fehlerhafte Infinus-Prospekte

Die Anleger bei der Dresdner Infinius-Gruppe haben wieder Hoffnung, zumindest einen Teil ihres Geldes zurückzuerhalten. Das Leipziger Landgericht sieht Hinweise dafür, dass die Propekte des Unternehmens fehlerhaft waren.

Für die Anleger bei Infinius gibt es wieder Hoffnung.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Im Zusammenhang mit dem Infinus-Finanzskandal sieht das Landgericht Leipzig Hinweise dafür, dass Anleger in Prospekten der Finanzgruppe getäuscht worden sind. In den Prospekten seien die Geschäfte der Infinus-Konzernmutter Future Business KGaA (FuBus) verzerrt dargestellt worden, sagte Landgerichtspräsident Karl Schreiner am Montag. Schreiner sitzt der 9. Zivilkammer vor, die derzeit über eine Schadenersatz-Klage gegen fünf ehemalige Manager des Konzerns verhandelt.

Geklagt hat ein sächsischer Ingenieur, der 75 000 Euro in sogenannte Orderschuldverschreibungen gesteckt hatte. Der 57 Jahre alte Ingenieur schilderte sich selbst im Gericht als gutgläubigen, ahnungslosen Kunden. Er habe früher ab und an Aktien gekauft und sein Vermögen ansonsten in Festgeld angelegt. Als das kaum noch Zinsen brachte, habe er eine Alternative gesucht und sei durch „Mundpropaganda“ auf Infinus gekommen. Dort lockten sechs Prozent. Mehrfach traf er sich mit einer Beraterin und zeichnete die riskanten Orderschuldverschreibungen. „Ich bin Elektroniker, ich entwickele Leiterplatten. Solche Geldsachen - das verstehe ich nicht so richtig“, sagte der Diplomingenieur.

Die Prospekte habe er nicht im Detail gelesen, eher der Beraterin vertraut. „Ich war der Überzeugung, es ist eine sichere Sache.“ War es aber nicht, denn die Schuldverschreibungen sind nicht über das Einlagensicherungssystem geschützt. Wie 25 000 andere Anleger bangt der 57-Jährige nach der Infinus-Pleite jetzt um sein Geld.

Anzeichen für eine Prospekthaftung sehe das Gericht bei den fünf Managern nicht, sagte Richter Schreiner. Allerdings stehe die Frage im Raum, ob die Infinus-Leute die Anleger sittenwidrig geschädigt hätten. In den Prospekten sei die Geschäftstätigkeit falsch dargestellt worden. Dort sei zum Beispiel nicht erwähnt worden, dass innerhalb der Infinus-Gruppe ein Provisionskarussell mit Lebensversicherungen für eigene Mitarbeiter gedreht wurde.

Die Zivilkammer überlegt nun, ein Sachverständigen-Gutachten über die Infinus- und FuBus-Geschäfte in Auftrag zu geben. Zudem muss die Kammer noch darüber entscheiden, ob der Infinus-Gründer als Zeuge in dem Prozess gehört werden kann. Der in Untersuchungshaft sitzende Mann hat ein Zeugnisverweigerungsrecht geltend gemacht. Er sollte eigentlich schon am Montag befragt werden. Der Zivilprozess (Az: 09 O 1528/14) wurde auf den 18. September vertagt.

Unterdessen laufen noch immer die Ermittlungen der Dresdner Staatsanwaltschaft wegen Anlagebetrugs gegen insgesamt sechs Manager. Zehntausende Anleger sollen mit einem Schneeballsystem betrogen worden sein. Der Infinus-Skandal war Ende 2013 bekanntgeworden. Demnächst will die Staatsanwaltschaft Anklage erheben.

Birgit Zimmermann

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